Duisburg: Große Probleme mit "The Curve"

Duisburg: Große Probleme mit "The Curve"

Wie erst jetzt bekannt wird, ist der Untergrund am Holzhafen für ein Bauprojekt dieser Größenordnung überhaupt nicht geeignet.

Vor wenigen Tagen beim Empfang zum 25. Geburtstag des Innenhafens hatte sich das Unternehmen "The Developer" aus Düsseldorfnoch überaus optimistisch gegeben, bald mit den Bauarbeiten für "The Curve" beginnen zu können. Der Neubau wird quasi den Holzhafen umschließen und viel Raum für Arbeiten und Leben an Duisburgs erster Adresse bereithalten.

Nicht zur Sprache kam an diesem Abend, dass dieses Projekt nicht nur im übertragenen Sinne auf wackeligem Boden steht. Denn der Untergrund ist so weich, dass ein Haus vom Ausmaße der "Kurve" einbrechen würde. Das gesamte Projekt droht zu scheitern, sollten Investor und Stadt keine tragbare Lösung finden.

Bei der Präsentation 2016 herrschte noch Optimismus (von links): Carsten Tum, Stephan Mühling von "The Developer" und Sören Link. Foto: Reichwein

Um die nun bekannt gewordenen Probleme zu verstehen, muss man ein bisschen zurückblicken. Ursprünglich hatte Sir Norman Foster auf diesem Areal eine architektonisch gewagte Büro-Hotel-Konstruktion namens "Eurogate" errichten wollen. Doch er ließ sich Zeit und sprang dann ab. Dabei hatte die Stadt längst die Chance genutzt, mit Hilfe von EU- und Landesfördermitteln (16 Millionen) das Gelände am Holzhafen mit einer weitausladenden Treppenanlage, die bestens zum Eurogate gepasst hätte, aufzuwerten. Was damals keiner laut sagte: Um diese Treppe errichten zu können, musste der Untergrund aufgefüllt werden. Die Wahl fiel damals auf so genannte Waschberge.

Dieser Abraum aus dem Kohlebergbau erwies sich bereits als große Pleite. Denn im vergangenen Jahr musste die Treppe abgesichert werden. 3.5 Millionen Euro bewilligte der Rat der Stadt dem Planungsdezernenten, der damals noch mit diesem Thema betraut war. Es galt immerhin, dem Investor für "The Curve" ein baureifes Grundstück zu übergeben. So ist es ihm vertraglich zugesichert worden. Ob man damals schon wusste, dass auch der Untergrund unter dem geplanten Neubau viel zu weich und im Hafenbereich stark verschlammt ist, ist nicht bekannt. Zumindest gab es aus dem Dezernat zu diesem frühen Zeitpunkt keine entsprechende Warnung. Allen Beteiligten war klar: Klappt es nicht mit "The Curve", droht, dass die Stadt die EU-Fördermittel zurückzahlen muss. Inzwischen ist die Pleite bekannt, und die Baureifmachung des Geländes ist vom Planungsdezernat auf die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gebag übertragen worden, die in unserer Stadt unter anderem auch die Planung für Wedau abwickelt.

Der Rat der Stadt wird in einer seiner nächsten Sitzungen die Weichen stellen müssen; sprich, er wird das Geld dafür freigeben müssen, dass der Boden verdichtet wird. Wie teuer das wird, das ist noch nicht bekannt. Gerechnet wird mit einem zweistelligen Millionenbetrag. Zugleich soll versucht werden, die "Developer" bei Laune zu halten. Denn bis der Untergrund tragfähig gemacht worden ist, werden schätzungsweise noch rund zwei Jahre ins Land gehen. Baustart wäre demnach frühestens in 2020. Der Investor aber wollte eigentlich viel eher loslegen.

Stadt, Gebag und Investor müssen darum alsbald in Gespräche einsteigen, heißt es aus dem Rathaus. Darin wird es um die notwendigen vorbereitenden Arbeiten gehen, aber ebenso um die Frage von denkbaren Regressansprüchen der Developer an die Stadt. Immerhin haben die Düsseldorf schon etliche Millionen in die Planungen investiert.

Für den Fall, dass der Projektentwickler die Lust an Duisburg verliert, wird bereits seitens der Stadt überlegt, die Pläne für "The Curve" zu kaufen, um sie dann mit einem anderen Investor zu einem späteren Zeitpunkt zu realisieren.

(RP)
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