Eller : Grafiken im Kultur Bahnhof

Aus vielen Holzstücken von gleicher Form und Größe ist das Bild zusammengesetzt. Bemalte Dreiecke, die eine Figur zeigen: Ein blondes Mädchen vor einem türkis und violett gestreiften Hintergrund. Das Mädchen scheint mit drei bunten Bällen zu jonglieren. Die Grafik wirft viele Fragen auf, das Ungefähre überwiegt. Trägt das Mädchen die Haare oder eine Baseballkappe auf dem Kopf? Jongliert die Figur, ist sie in Bewegung oder verharrt sie für einen Moment? Was aussieht wie eine Figur aus einem alten Computer-Spiel, ist die Arbeit des Künstlers Benjamin Badock.

Figuren sollen lebendig aussehen

Nicht nur ihn interessiert die Reduktion auf das Wesentliche. "Für mich steht immer diese Frage im Mittelpunkt: Wie kann ich die Figur immer weiter verknappen und reduzieren, ohne dass sie leblos wirkt?", sagt Christoph Ruckhäberle. Die Grafikausstellung "Lubok Druckgrafik und Künstlerbücher" ist durch ihn zustande gekommen. Seit 2007 vereint er Druckgrafiken unterschiedlicher Künstler in einer Buchreihe mit dem Namen "Lubok". Mit diesem Wort wurden im 19. Jahrhundert Einblattdrucke bezeichnet, die es für wenig Geld auf russischen Märkten zu kaufen gab. Meist stellten sie volkstümliche Darstellungen dar.

Seit seiner Jugend ist Ruckhäberle von dieser Drucktechnik fasziniert. "Ich habe damals eine Ausstellung gesehen, die mich nachhaltig beeindruckt hat", sagt der 39-Jährige. Gemeinsam mit dem Drucker Thomas Siemon veröffentlichte er vor fünf Jahren das erste Buch mit Originalgrafiken. "Anfangs habe ich noch im Freundeskreis gefragt, wer mitmachen will", sagt Ruckhäberle. Mittlerweile gibt es 40 Bücher mit Originalgrafiken von internationalen Künstlern. Auch ein Buch mit Arbeiten des dänischen Künstlers Tal R ist dabei. Er lehrt seit 2004 an der Düsseldorfer Kunstakademie.

Aus Lubok ist außerdem ein Verlag geworden, der sich regelmäßig auf Messen für Künstlerbücher präsentiert. Die Auflage beträgt pro Buch ab 300 Stück, in Ausnahmen können es auch einmal 1500 Exemplare sein.

Widersprüchlichkeit und Vielfalt möchte Christoph Ruckhäberle zeigen. Die eigenen Werke erinnern ans Comic-hafte. Flächige Gesichter, die in unterschiedliche Farbflächen aufgeteilt sind oder schwarz-weiße Motive – er stellt gerne Muster zusammen. So wie bei seiner Serie mit Zeichnungen einer Frau. In diesen Werken konzentriert sich der Künstler auf die Linien von Haaren und Hintergrund, von gemustertem Kleid und der hölzernen Wandverkleidung. Für seine Druckgrafiken ist er weit über Deutschland hinaus bekannt: Sie finden sich mittlerweile sogar in der Sammlung des Museum of Modern Art in New York.

"Auch der industrielle Prozess hat mich an Druckgrafiken fasziniert", sagt Ruckhäberle. Sein Ziel sei es, einer Objektivierung näher zu kommen. Es reizt ihn mit der Frage "Was ist Kunst?" zu spielen. So wird auch die Tapete in einem Raum des Kultur Bahnhofs zum Kunstwerk, denn er bedruckte die Wandbekleidung mit Rechtecken und Kreisen in Blau und Pink. Was für ihn selbst wertvoll ist, erklärt er so: "Wichtig ist eine Sache an sich, nicht die Aura, die darum herum erzeugt wird."

Ruckhäberle studiert 1991 und 1992 Zeichentrickfilm am California Institute of the Arts in Valencia. Von 1995 bis 2000 war er Student an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Seinen Meisterschülerabschluss machte Ruckhäberle bei dem Maler Arno Rink, der zur so genannte "Leipziger Schule" gehört. Mehr Infos über Ruckhäberles Verlag gibt es online.

www.lubok.de

(vpa)