Monheim : Beziehungen in Bildform

Die gebürtige Tschechin Helga Santel stellt unter dem Titel "Komm, lass uns gehen" ihre bunten Gemälde bis zum 28. März im Monheimer Kunsthaus 1 aus: vereinfachter Naturalismus mit einigen surrealen Elementen.

Ein Schaukelpferd, Spielzeug, Enten aus gelbem Gummi und abgetrennte Puppenköpfe bilden einen großen Hügel. Das Gebilde aus zusammengewürfelten Gegenständen, die eine deutliche Verbindung zum Thema Kindheit haben, ist durchzogen von Blüten, Blättern und Früchten. Über allem thront eine Frau, die ihre Augen geschlossen hat. Darunter steht ein Mädchen, das seinen Blick abwendet. "Übermutter" heißt das Gemälde der Künstlerin Helga Santel. Unter dem Titel "Komm, lass uns gehen" stellt die gebürtige Tschechin ihre Werke bis zum 28. März im Kunsthaus 1 an der Frohnstraße aus.

Spontanität trotz klarem Konzept

"Die Bedeutung meiner Bilder ist nicht immer vollständig erklärbar", sagt die 61-Jährige. "Gerade in der Kunst gibt es gewisse Dinge, die offen bleiben müssen. Meine Malerei ist vereinfachter Naturalismus mit einigen surrealen Elementen." Die Kunst ist ein ständiger Begleiter in ihrem Leben. Helga Santel ist gelernte Kunsterzieherin, immer wieder hat sie sich im Laufe der Jahre weitergebildet in verschiedenen Techniken. Seit ihrer Jugend steht sie regelmäßig an der Leinwand, um Gedanken und Gefühle mit Öl- und mit Acrylfarbe sichtbar zu machen.

"Bevor ich mit einem Gemälde anfange, mache ich mir grobe Skizzen", beschreibt die Künstlerin ihre Arbeitsweise. "Ich verfolge immer ein klares Konzept, aber es gibt natürlich trotzdem viel Raum für spontane Einfälle." Ihre Bilder sind von tiefer Symbolik geprägt. Weiblichkeit, Fruchtbarkeit, Kindheitserinnerungen und eine nahezu flüchtige Atmosphäre, die an einen fast vollständig aus den Gedanken verschwundenen Traum erinnert, zeichnen die großformatigen Werke aus. Gewisse Motive wie etwa die abgetrennten Puppenköpfe wirken bisweilen eher albtraumhaft. "Nicht immer ist die Kindheit ein Zuckerschlecken", antwortet Santel knapp, wenn sie auf die Wirkung ihrer Gemälde angesprochen wird.

"Ich will Absurdität erzeugen"

Oft sind einzelne Figuren kopfüber gezeichnet. Es hat den Anschein, als wären sie im Weg oder zumindest fehl am Platz. "Ich will eine gewisse Absurdität erzeugen – auch was die Perspektive des Betrachters angeht", sagt die gebürtige Tschechin, die 1965 als Spätaussiedlerin nach Deutschland kam. "Mir wurde einmal gesagt, dass in meinen Bildern viele Geheimnisse stecken. Aber ich sehe das nicht so. Das ist aus meiner Sicht das Schöne an der Kunst: Jeder Betrachter sieht in ihr etwas anderes."

Sie beschreibt ihre Werke als "Beziehungsbilder" und es besteht kaum ein Zweifel, dass damit meist die Verbindung von Mann, Frau und Kind gemeint ist. Dabei haben die Bilder eine geradezu fröhliche Weiblichkeit, obwohl die Mimik der Protagonistinnen durchweg sehr ernst ist.

Es sind sehr fantasievolle Motive, die kindlicher Leichtigkeit und erwachsene Ernsthaftigkeit verbinden. "Die Bedeutung muss jeder für sich selbst ergründen", unterstreicht Helga Santel. "Aber manche Rätsel sind schöner, wenn sie nicht gelöst werden."

(RP)