Kaiserswerth: Kunst im Fluss des Lebens

Kaiserswerth : Kunst im Fluss des Lebens

Ob kräftige und bunte oder monotone, subtile Farbgestaltung – eines haben die Bilder von Ulrike Kröninger gemeinsam: Sie setzen sich alle mit dem Thema "Bewegung" auseinander. Unter dem Titel "Sinnenfreude – Lebensfluss" stellt die Künstlerin aus Neuss zurzeit rund 35 ihrer aktuellen Werke aus den vergangenen zwei Jahren in der Stadtbücherei Kaiserswerth aus. Die Bewegung, die sie in ihren Bildern darstellt, steht dabei entweder als Motiv im Vordergrund oder verlangt nach Interpretation.

Kröninger experimentiert schon seit zehn Jahren mit Tanz. Und jede einzelne der Linien, die sich zu einem Tanzpaar zusammenfügen, zeigt selbst schon Bewegung. Die Mimik der Figuren spielt dabei keine Rolle, denn Gesichter haben sie nicht.

Begeisterung beim Zuschauen

"Schon seit meiner Kindheit interessiere ich mich für den Tanz", sagt die Künstlerin. "Mich fasziniert, mit welcher Akribie und Sensibilität Tänzer auf Musik reagieren. Ich möchte die Begeisterung, die ich beim Zuschauen empfinde, an den Betrachter weitergeben", sagt sie.

Obwohl allen ihren Tänzern Original-Skizzen aus dem Ballett zugrunde liegen, sind die Darstellungen nicht naturalistisch. Die Künstlerin möchte ihre eigenen Gefühle ausdrücken und darstellen. "Ich möchte die Betrachter auffordern, über meine Bilder nachzudenken. Denn nicht alles kann man sofort erkennen. Ich finde es interessant, dass Menschen in meinen Bildern alle etwas anderes sehen", sagt sie. Tanz ist dabei wie auch klassische Musik, die sie beim Malen hört, die Inspirationsquelle für die Künstlerin.

Eines ihrer Lieblingsbilder ist überraschenderweise ein Bild, das keine Tänzer zeigt. "Strömungen" heißt es und zeigt eine Landschaft abstrakt in Blau, Gelb und Orange. Obwohl die Farbwahl eher gesetzt ist, bleibt die Künstlerin ihrem Thema treu. "Eine Strömung ist für mich wie das Leben. Sie ist immer in Bewegung. Man bleibt im Fluss und erlebt immer wieder etwas Neues", sagt sie. Eine leichte Struktur ist im Bild erkennbar. Sie ist durch das Übereinander-Kleben von dünnem Papier entstanden. Ihre Bilder bestehen häufig aus mehreren Schichten und sollen so geheimnisvoll und spannend auf den Betrachter wirken.

Kröninger experimentiert dabei gerne mit unterschiedlichen Materialien. Sie verwendet Gesteinsmehl oder -körner, Papiere, Wachs und Pigmente oder auch Materialien aus dem Alltag wie ein Orangennetz, das sie in ihre Werke so integriert, dass es erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist. Auch der künstlerische Akt an sich ist nie derselbe: "Mal male ich die Figuren zuerst, ein anderes Mal beschäftige ich mich zunächst mit der Farbe."

(RP)