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Düsseldorf: Kulturwerkstatt für Kinder wird 35

Düsseldorf : Kulturwerkstatt für Kinder wird 35

Seit ihrer Gründung hat die städtische Kinder- und Jugendfreizeitstätte "Kinderspielhaus" in Flingern ihre Kunst-, Kultur-, Sport- und Bildungsangebote ständig weiterentwickelt und renommierte Künstler wie Beuys, Uecker und Christo angezogen.

Die neunjährige Danielle bastelt an einem Traumfänger, zwei Mädchen und ein Junge kickern, eine Gruppe von Jungen spielt auf dem Bolzplatz neben der kunstvollen Kletterwand Fußball und auf der Wiese liegen T-Shirts, die ein paar Kinder unter Anleitung im Batik-Verfahren bedruckt haben.

Das städtische Kinderspielhaus an der Dorotheenstraße ist seit seiner Gründung vor 35 Jahren eine wichtige Kultur-, Kunst- und auch Bildungswerkstatt für Kinder und Jugendliche in Flingern. Die ursprüngliche Idee war es, einen überdachten Spielplatz für die Kinder und Jugendlichen im Stadtteil zu schaffen, denn an Spielflächen mangelte es zu dieser Zeit. Doch aus der Idee entstand ein spannendes kulturpädagogisches und für die Zeit auch innovatives Konzept. In dem ehemaligen evangelischen Gemeindehaus werden seither eine Fülle von Angeboten und Aktivitäten für Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 14 Jahren angeboten, darunter auch Hausaufgabenbetreuung sowie Musik-, Medien- und Tanzworkshops unter Anleitung von Profis.

Von Anfang an dabei ist Joachim Wagner. Der damals frischgebackene Absolvent der Kunstakademie wurde hinzugezogen, um Kunst- und Kulturangebote für das Kinderspielhaus zu entwickeln. Was er auf den Weg brachte, überstieg die Erwartungen: Dank seines Einsatzes ist die Freizeitstätte immer am Puls der Zeit: Ob Hip Hop, Kletterwand, Medien- und Töpferwerkstatt oder anspruchsvolle Kunstprojekte mit den Kindern und Jugendlichen: Der Leiter achtet immer darauf, dass er und sein Team die Kinder "abholen". Und damit konnte Wagner sich selbst auch die Freude an der Arbeit erhalten. Denn ursprünglich wollte er nach ein oder zwei Jahren das Haus wieder verlassen.

Auch international renommierte Künstler holte Wagner mit Ausstellungen in die mit 2000 Quadratmeter landesweit größte Einrichtung ihrer Art (das Außengelände ist 1000 Quadratemeter groß), darunter Beuys und Uecker. Ein Höhepunkt war der Besuch von Christo und Jean-Claude 1995 nach der Verhüllung des Reichstags in Berlin. Im Kinderspielhaus beantworteten die Künstler sogar Fragen der Kinder. Als einer wissen wollte, wie teuer denn eine Verhüllungsaktion sei, antwortete Jean-Claude: "Eltern fragen doch auch nicht, was ihr Kind kostet."

Kinder und Jugendliche, die im Alltag keine Berührung mit Kunst und Kultur haben, einen Zugang zu ermöglichen, sei noch immer einer der wesentlichen Ziele des Kinderspielhauses, sagt Wagner. Früher stammten rund 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen aus Migrantenfamilien, sagt Wagner. Heute erreiche man mit den Angeboten einen Querschnitt der Gesellschaft. Viele Kinder und Jugendliche würden nicht mehr einfach vorbeischauen und sehen, was sie erwartet, sondern zielgerichtet zu bestimmten Angeboten gehen. Die Qualität der Angebote habe sich inzwischen herumgesprochen. "Und wir sind auch eine Alternative und Ergänzung zu Schulen und dem Offenen Ganztag", sagt Wagner. Mit mehreren Schulen arbeite man "konstruktiv" zusammen.

Hinter jeder verwinkelten Ecke im Haus wartet eine Werkstatt auf die Kinder. Ob die Kinder nur kickern oder töpfern, einen Film drehen oder gemeinsam kochen: Sie dürfen selber entscheiden, was sie machen. Auch das habe sich in den 35 Jahren nicht geändert.

(RP)