Düsseldorf: Neues Internetportal: Hier droht Fluglärm

Düsseldorf: Neues Internetportal: Hier droht Fluglärm

Die Deutsche Luftfahrt startet ein Infoportal rund ums Thema Fluglärm. Auf einer Lärmkarte ist etwa zu sehen, wie stark Düsseldorf-Lohausen betroffen ist. Fluglärmgegner sehen keinen Mehrwert: Sie wissen um die Probleme.

Seit Jahr und Tag streiten Fluglärmgegner mit Flughafenbetreibern über Lärmbelästigung - am Niederrhein rund um die Flughäfen Düsseldorf und Weeze. Mit Informationen und Transparenz versucht die Luftfahrtindustrie nun, ihren guten Willen zu demonstrieren - und zwar auf dem neuen Portal der Deutschen Luftfahrt unter www.fluglärm-portal.de. "Das Fluglärm-Portal bietet Menschen, die sich umfassend und sachlich über Fluglärm informieren möchten, einen ersten Anlaufpunkt im Internet", so Klaus-Peter Siegloch, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). "Auf der Website gibt es vor allem Antworten darauf, wie sich Fluglärm effektiv verringern lässt und wie Menschen vor unzumutbarem Lärm geschützt werden können."

Fluglärmgegner sehen in dem Angebot keinen Mehrwert. "Die Lobby lässt nichts unversucht, das Thema kleinzureden", sagt Christoph Lang, 1. Vorsitzender des Meerbuscher Vereins Bürger gegen Fluglärm. "Wir Betroffenen wissen doch schon längst um die Probleme. Informationen verringern den Lärm und die Abgase nicht." Skeptisch stehen die Gegner vor allem den erhobenen Daten der Luftverkehrswirtschaft gegenüber. "Der Flughafen Düsseldorf etwa lässt die Lärmmessungen von einer externen Firma durchführen. Die Auswertung aber nimmt der Flughafen selbst vor", kritisiert Lang. Der von Privatpersonen gegründete Deutsche Fluglärmdienst dokumentiert daher selbst über private Messstationen den Lärmpegel. Diese Werte allerdings erkennt seinerseits der Flughafen nicht an. Der BDL weist die Kritik zurück: Mit dem Fluglärm-Portal wolle die Branche sachlich-fundiert über das Thema informieren. Man greife auf Quellen unabhängiger Dritter wie Bundesbehörden oder das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt zurück.

An dem neuen Internetportal findet Christoph Lang aber nicht alles schlecht: Hilfreich für ihn sei die Rubrik "Wo geschieht was". Die Nutzer können dort aus insgesamt 22 Flughäfen wählen - darunter auch Düsseldorf, Weeze und Köln/Bonn - und Informationen einsehen wie Passagierzahlen, Flugbewegungen und Betriebszeiten. "Für uns ist zum Beispiel interessant, dass die Passagierzahlen steigen, die Flugbewegungen aber gleichzeitig sinken", sagt Lang. Das klingt zunächst einmal paradox. Doch inzwischen verteilten sich einfach mehr Fluggäste auf weniger Maschinen. Diese seien vorher beispielsweise nur zu drei Viertel besetzt gewesen. Das sei unwirtschaftlich für die Fluggesellschaften, die möglicherweise Flüge zusammenlegten, um die Maschinen voll zu bekommen. Daran sehe man, dass es noch Potenzial gebe, die Flugbewegungen weiter zu reduzieren - und damit auch den Lärm und die Abgase, so Christoph Lang. Das biete eine neue Gesprächsgrundlage im Lärmstreit.

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Das Portal bietet Hintergrundinfos zur Fluglärmdebatte sowie zur Gesetzeslage. "Wir bemühen uns, diese Rubriken ständig zu aktualisieren", so eine BDL-Sprecherin, "da regelmäßig neue Studien veröffentlicht werden." Die Informationsdichte variiert von Flughafen zu Flughafen. So kann man für Weeze und Düsseldorf die Fluglärm-Messstationen einsehen, für Düsseldorf gibt es darüber hinaus eine Lärmkartierung des Umweltministeriums NRW. Dort kann man überprüfen, in welchen Wohngebieten Fluglärm droht - und wie laut er wird.

In den Düsseldorfer Stadtteilen Lohausen, Stockum und Lichtenbroich erreicht die Lautstärke zu manchen Tageszeiten mehr als 75 Dezibel. Das gilt bereits als Risikofaktor für die Gesundheit und dürfte damit vor allem diejenigen interessieren, die in Flughafennähe ziehen wollen. Sie können herausfinden, auf welche Dezibel-Belastungen sie sich im Durchschnitt einstellen müssen.

(RP)
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