Meerbusch: "Weeze kann Meerbuschs Fluglärm mindern"

Meerbusch: "Weeze kann Meerbuschs Fluglärm mindern"

FDP und Zentrum fordern eine Kooperation des Düsseldorfer Airports mit dem Flughafen Weeze für den Tourismusverkehr. Die Verwaltung und andere Fraktionen schließen die Idee nicht aus, haben jedoch Vorbehalte

Der finanziell angeschlagene Flughafen Weeze könnte Teile des Düsseldorfer Flugverkehrs übernehmen, wodurch die Lärmbelastung in Meerbusch reduziert würde. Ein Sprecher des Weezer Flughafens hatte vor wenigen Tagen bestätigt, dass der Airport "zusätzliche Kapazitäten aus dem Stand aufnehmen könnte" (die RP berichtete). Der Flughafen Düsseldorf lehnt eine Kooperation mit dem Regionalflughafen ab - für Meerbuschs Politiker ist sie aber noch nicht vom Tisch. "Das wäre eine Lösung, mit der allen geholfen wäre", meint Klaus Rettig, Fraktionsvorsitzender der FDP. Auch die Meerbuscher Verwaltung möchte die Idee prüfen. Hauptbedingung: "Eine Verlagerung müsste eine deutliche Reduzierung des Düsseldorfer Flugbetriebes beinhalten," sagt Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage (CDU).

Bereits Anfang Februar hatte die Meerbuscher FDP bei einer Debatte um den Landesentwicklungsplan im Planungsausschuss einen entsprechenden Antrag gestellt. "Die regional bedeutsamen Flughäfen (insbesondere Weeze-Laarbruch) sollten zur Entlastung des Flughafens Düsseldorf stärker entwickelt werden", heißt es in dem Antrag. "Eine Kooperation hätte Vorteile für beide Seiten", sagt Rettig. "Der Flughafen in Weeze wäre besser ausgelastet, und unser Fluglärmproblem deutlich reduziert." Auch die Strecke von rund 70 Kilometern zwischen Meerbusch und Weeze sei durch eine gute Verkehrsanbindung kein Problem. Trotzdem: Im Ausschuss wurde der Antrag von allen anderen Fraktionen einstimmig abgelehnt. Zuspruch erhält die FDP jedoch vom Verein Bürger gegen Fluglärm. "Weeze erfüllt alle Kriterien, die für eine Kooperation sprechen", sagt der Vorsitzende Christoph Lange. Dass Air Berlin oder Lufthansa ihre Drehkreuze von Düsseldorf nach Weeze verlagern, hält auch er für unrealistisch. "Es sollten die bunten Billigflieger verlagert werden, die Punkt-zu-Punkt-Verbindungen fliegen und wegen der stets knappen Umlaufplanung in Düsseldorf häufig durch verspätete Starts auffallen." Die Absage des Düsseldorfer Flughafens kann Lange nicht nachvollziehen. "Ich habe keine vernünftige Begründung gehört, die gegen eine Verlagerung spricht", so der Fluglärmgegner. "Es wäre überhaupt kein Problem, den Touristenverkehr der Billigfluglinien über Weeze abzuwickeln." Auch Wolfgang Müller (Zentrum) hält die Kooperation für sinnvoll. "Wir haben mit den umliegenden Flughäfen gute Alternativen, um den Verkehr über Meerbusch zu entlasten", sagt er. "Die Entfernung ist kein Problem." Sollte das Thema in kommenden Ausschusssitzungen wieder auf die Tagesordnung kommen, will sich Müller dafür aussprechen.

Knapp vier Monate nach der Ausschussdebatte kommen aus anderen Fraktionen jedoch immer noch Zweifel an der Idee: "Grundsätzlich ist jedes Konzept, das den Fluglärm reduziert, eine Überlegung wert", sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Werner Damblon. Eine Verlagerung sei allerdings nur teilweise möglich. "Geschäftskunden müssen flexibel sein und werden die längere Anreise zum Flughafen nicht in Kauf nehmen." Für Tourismusflüge sei Weeze als Entlastung aber eine Option, vorausgesetzt, die öffentlichen Verkehrsmittel seien für die An- und Abreise der Fluggäste ausreichend. Auch für Jürgen Peters (Grüne) ist eine Kooperation grundsätzlich wünschenswert. "Wir dürfen aber nicht einfach unser Lärmproblem auf andere Städte verlagern", sagt er. "In Weeze wohnen auch Menschen." Die SPD-Fraktionsvorsitzende Nicole Niederdellmann-Siemes sagt. "Es müssen viele Bedingungen erfüllt werden, ehe wir dieser Verlagerung zustimmen könnten. Das darf nicht über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden werden." Ein städteübergreifendes Konzept müsste dazu auf den Tisch. "Den Lärm einfach abzuschieben, wäre falsch", so die Sozialdemokratin.

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Ob mit oder ohne Bedingungen - die UWG lehnt Weeze als "dritte Startbahn" für den Düsseldorfer Airport grundsätzlich ab. "Damit lösen wir das Problem nicht, sondern schieben es nur von uns weg", sagt Fraktionsvorsitzender Christian Staudinger-Napp. "Das ähnelt sehr unserer Konverter-Debatte", meint auch Michael Eckert (Linke). "Wir schieben einfach anderen den Schwarzen Peter zu." Eckert ist überzeugt: "Düsseldorf würde trotzdem seine Kapazitäten am Standort erweitern, wodurch eine Auslagerung uns Meerbuschern überhaupt nichts bringen wird." Zu laut bleibe es in jedem Fall.

Den Konverter-Vergleich möchte Meerbuschs Bürgermeisterin nicht ziehen, sondern zunächst die Idee auf Machbarkeit und Auswirkungen überprüfen. "Erst dann können wir die Idee auch weiterentwickeln", sagt Mielke-Westerlage und unterstreicht die einstimmige Forderung der Politiker: "Sollte es tatsächlich zur Kooperation kommen, dürfte das keine Erweiterung des Düsseldorfer Flugbetriebes nach sich ziehen."

(RP)
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