Handel in Düsseldorf engagiert sich für Verkehrswende

Parkplatzsuche in Düsseldorf: Handel engagiert sich für Verkehrswende

Bessere Logistik, vergünstigte Angebote für Kunden, die mit Bahn und Rad kommen: Düsseldorfs Händler haben viele eigene Ideen, um einen Wandel voranzutreiben.

Es gibt kaum ein Viertel in Düsseldorf, wo die Parkplatzsuche so schwierig ist wie in Unterbilk. Das merken vor allem die Händler rund um die Lorettostraße. Darauf wollen sie reagieren und bei ihren Kunden einen Anreiz schaffen, das Auto zu Hause stehen zu lassen und stattdessen mit der Bahn zu kommen: „Unsere Idee ist, dass die Kunden bei einem Einkauf ab 50 Euro ihr Bahnticket innerhalb Düsseldorfs von uns erstattet bekommen“, sagt Christian Holthausen, der stellvertretende Vorsitzende der Werbegemeinschaft Lorettoviertel. 30 Anlieger haben schon zugesagt, beim Projekt mitzumachen, 50 sollen es werden, damit die Aktion starten kann. Spätestens beim Sommerfest Ende Juni soll es soweit sein. Die Idee soll nicht nur die Parksituation im Viertel entspannen, sie kann auch Vorbild sein für andere Stadtteile. Denn das Thema Verkehrswende betrifft nicht nur Unterbilk.

Erfahrungen mit einer ähnlichen Strategie hat die Provinzial bereits sammeln können. In einer Kooperation mit Stadt und Rheinbahn stellte die Versicherung in der Vorweihnachtszeit ihr Parkhaus am Werstener Kreuz an den Wochenenden zur Verfügung. Für neun Euro pro Tag konnten Besucher von dort mit Bus und Bahn in die City fahren. „Aller Anfang ist schwer“, sagt Provinzial-Sprecher Christoph Hartmann. Etwa 400 Personen hätten das Angebot genutzt, das sei ausbaufähig. Trotzdem sind sich die Beteiligten einig, dass das Parkhaus auch für andere Events geöffnet werden kann. Um das Ganze „besser nutzbar zu machen, wird geprüft, ob es zum Beispiel ein Online-Ticket geben kann“. Gute Erfahrungen hat die Provinzial bei der Zusammenarbeit mit der Mitsubishi Electric Halle gemacht. Besucher großer Abendveranstaltungen können ihren Pkw am Werstener Kreuz parken und mit ihrer Eintrittskarte kostenfrei mit der Bahn bis zur Halle fahren.

Seit Ende 2017 versucht die Firma Incharge den Lieferverkehr in der Innenstadt zu reduzieren. Mehr als 100 Partner hat Chef Holger te Heesen seither für seine Sache gewinnen können. Sein Konzept ist schnell erklärt: Läden, die mehrfach am Tag Warenlieferungen bekommen, bündeln diese im Logistikzentrum von Incharge. Einmal am Tag erhalten sie dann ihre Lieferung – und können sogar entscheiden, wann und welche Ware ihnen geliefert wird. Was sie nicht benötigen, lagert Incharge weiter. „Aktuell fahren pro Tag 10.000 Lkw Lieferungen in Düsseldorf aus. Unser Ziel ist es, bis Ende des Jahres 2000 davon täglich einzusparen“, sagt te Heesen. Zu seinen Kunden zählt zum Beispiel Foto Koch auf der Schadowstraße, außerdem übernimmt Incharge die Lieferungen aller Deichmann-Filialen. Mitmachen kann jeder: „Das Konzept macht nur keinen Sinn, wenn ein Händler nur einmal in der Woche oder sogar nur einmal im Monat eine Lieferung bekommt – dann ist das nur ein Umweg über uns.“ Vor allem auf der Hohe Straße und in der Altstadt nutzen Händler sein System. „Einige von ihnen können, weil sie ihre Waren bei uns auch lagern können, mehr und dadurch günstiger bestellen“, sagt te Heesen.

Es gibt auch Pläne, das Konzept auf die Friedrichstraße auszuweiten. Dort macht der Holy Craft Beer Store schon mit. „Aber da ist noch wie an vielen anderen Orten in Düsseldorf viel Luft nach oben“, meint Dietmar Wolf (Grüne), Mitbegründer der Händlergruppe „Die Friedrichs“. Er würde gerne einen Anreiz schaffen, damit die Leute aufs Rad umsteigen. 1000 Fahrradfahrer pro Tag haben 2018 den Radweg auf der Friedrichstraße genutzt. Wolf regt an, dass Geschäfte für Radfahrer kleine Rabatte geben und zusätzliche Abstellmöglichkeiten schaffen.

Auch die Stadt arbeitet an Projekten, um das Verkehrsaufkommen auf den Straßen zu reduzieren: Mobilitätspartnerschaften mit größeren Arbeitgebern sind ein Ansatz, außerdem sollen P&R-Parkplätze und B+R-Angebote geschaffen werden, wie etwa der Fahrradturm am S-Bahnhof Bilk, der bis Ende 2020 zum Regionalhalt ausgebaut wird.

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