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Künstler aus Düsseldorf war im Lockdown sehr fleißig.

Mein Leben im Lockdown : „Ich habe künstlerisch intensiv gearbeitet“

Wilfred Neuse aus Hellerhof hat das Corona-Jahr genutzt, um seine Werke zu ordnen. Außerdem arbeitet er an einem Buchprojekt. Ein Protokoll.

Schon lange ist mein Haus an der Elsa-Brändström-Straße mehr als nur ein Ort zum Wohnen für mich und meine Frau. Denn das Haus hat längst auch eine Galeriefunktion übernommen. Im Flur, im Wohnzimmer und im Bad – an den Wänden hängen überall Bilder von mir. Das war nicht immer so, denn noch vor einiger Zeit waren auch Werke von anderen Künstlern dabei. Die habe ich aber nun verpackt und erst einmal eingelagert, um mich auf meine Arbeiten zu konzentrieren. Seitdem erst der eine, dann der andere Lockdown begann, hatte ich gezwungenermaßen sogar die Zeit dazu, weil ich sonst immer mit Ausstellungsvorbereitungen beschäftigt bin. Aber Ausstellungen gibt es zurzeit bekanntlich nicht, ich war wenig abgelenkt und ganz auf mich und Kunst zurückgeworfen.

So konnte ich in Ruhe viele Hunderte oder gar Tausende Bilder sichten. Denn so viele großformatige Fotoarbeiten lagern noch immer gestapelt an verschiedenen Plätzen des Hauses. Erstmals betrachtete ich diese Ordnung aus der Sicht eines Besuchers und erkannte, wie wenig die Bilder in ihrer gestapelten Form für eine Präsentation geeignet waren. Ich holte einen Schreiner, der sofort die Idee für ein Podest hatte. In meinem Arbeitszimmer sieht nun alles viel besser aus. Die Fotoarbeiten stehen nun leicht zum Durchblättern aufrecht, an den Wänden gewähren neue Galerieleisten einen schnellen Austausch der Bilder.

Aber dennoch lagerten weiterhin viele Bilder in Schachteln und in Regalen – vor allem die kleinen Polaroids. Ich mag diese simple Foto-Technik und das Haptische an diesem Bildformat. Während der Lockdown-Wochen nahm ich mir Zeit, die Bilder zu digitalisieren. Das digitale Arbeiten fällt mir leicht. Bis meinem Ruhestand vor einigen Jahren habe ich als Medizin- und Wissenschaftsfotograf die Digitalisierung mitgestaltet und nutze diese Kenntnisse nun als Künstler. Aus den digitalisierten Polaroids habe ich eine eigene Website programmieren lassen. Poemaroid heißt sie, die passenden Texte hat ein mir bekannter Autor geliefert. Zusammen mit ihm entwickle ich die Poemaroid-Website zurzeit zu einem Buchprojekt weiter, möglicherweise führe ich das Projekt anschließend mit einer Ausstellung fort.

Ich bin sehr zufrieden, dass ich die analogen Polaroids aus ihrem Schattendasein der Schubladen und Schachteln zu einer Internet-Seite befördert und im Lockdown so intensiv gearbeitet habe. Besucher meiner Hausgalerie sagen mir, dass alles nun viel übersichtlicher ist. Denn auch im Lockdown sind Einzelbesuche mit Führung unter den entsprechenden Schutzmaßnahmen nach einer E-Mail-Anmeldung unter fotografie@neuse.de möglich.

Protolliert von Holger Lodahl.