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Schuhgeschäft in Düsseldorf verkauft per WhatsApp

Mein Leben im Lockdown : Schuhverkauf per Handyfoto

Svenja Breimann von Dengler Schuhe in Wersten arbeitet wegen ihres geschlossenen Geschäfts nun mit ihrem Smartphone. Sie fiebert der Wiedereröffnung des Handels entgegen. Ein Protokoll.

Ich habe kürzlich den Geschäftsmonat Dezember abgeschlossen – und zwar mit einem kleinen Minus, so ähnlich wie das ganze Jahr 2020 insgesamt. Eigentlich eine gute Nachricht. Dass es nicht noch schlimmer gekommen ist, habe ich geschafft, weil ich seit einem Jahr geschickt wirtschafte. Ich habe sparsam Ware eingekauft, so dass ich in meinem Laden nicht noch mehr Schuhe habe als ohnehin schon. Immerhin habe ich zurzeit mehr als 2000 Paare da, bald kommt dazu noch die neue Frühjahrsware. Gut ist für mich auch, dass mir mein Vermieter zwei Monatsmieten gestundet hat und meine Lieferanten auch flexibel sind mit dem Begleichen der Rechnungen.

Die schlechte Nachricht ist, dass meine Lage aber nun doch bedrohlich wird. Denn trotz aller meiner Bemühungen verkaufe ich zurzeit nur wenig. Mein Konzept ist, dass ich per Telefon die Anfragen und Wünsche meiner Kunden annehme, die passenden Schuhe per Handy fotografiere, dann schicke ich die Bilder an die Kunden. Sie kommen zum Abholen oder probieren die Schuhe kurz vor der Ladentür an. Die Übergabe geht kontaktlos und überdacht.

Manchmal gebe ich auch eine Auswahl an bis zu fünf rechten Schuhen dem Kunden mit, sie probieren dann zu Hause in Ruhe und suchen was aus. Das ist mit etwas Aufwand für beide Seiten verbunden. Warum ist es mir nicht erlaubt, Kunden in meinen Laden zu lassen? Ich habe hier eine Fläche von 230 Quadratmetern, da müssen sich doch zwei Personen aufhalten dürfen. In den Supermärkten drängeln sich doch viel mehr Menschen.

Jetzt in der ohnehin ruhigen Zeit nach Karneval verkaufe ich selten mehr als zehn Paar Schuhe – das ganze ist also mehr eine Mischung aus Beschäftigungstherapie, Kundenbindung und PR. Und einige Rechnungen kann ich auch begleichen, die meisten zahle ich aber von meinen Ersparnissen. Denn die versprochene Überbrückungshilfe kommt noch nicht. Anders als im Frühjahr 2020 können sie ja neuerdings nur von Steuerberatern beantragt werden. Und die sind daher sehr überlastet. Und dass große Supermärkte auch Schuhe und andere Non-Food-Waren verkaufen dürfen, ist wenig fair uns Fachhändlern in den Stadtteilen gegenüber. Das macht mich wütend; vieles an den Corona-Maßnahmen erscheint mir ungerecht und schlecht organisiert.

Nun ist der Januar zu Ende und ich werde den Monat wohl mit einem Minus von 75 Prozent abschließen. Wir Händler halten diesen Zustand nicht noch länger durch.

Hoffentlich kann ich mein Geschäft im März wieder öffnen, dann kann das Frühjahrsgeschäft beginnen. Vor dem ersten richtigen Verkaufstag würde ich zwei Nachtschichten einlegen, um alles im Laden wieder tiptop zu machen. Ich freue mich, wenn ich bald wieder meine Kunden ganz normal wiedersehen kann.

Info Dengler Schuhe,  Kölner Landstraße 150, Telefon 0211 762395