Düsseldorf: Drehscheibe für 33.000 Pakete pro Tag

Düsseldorf: Drehscheibe für 33.000 Pakete pro Tag

In Flingern baut die Deutsche Post das größte Verteilzentrum von Nordrhein-Westfalen - ein Blick hinter die Kulissen.

Das Internet hat die Welt des Handels auf den Kopf gestellt. Bei Amazon, Zalando oder Lieferheld kann man heute Bücher, Schuhe, Klamotten, Hundefutter, Möbel oder sogar Getränke bestellen - es gibt nichts, was es nicht im Netz gibt. Während die Einzelhändler in den Städten unter diesem Wandel leiden, boomt eine andere Branche: die Logistik. Denn die Waren müssen ja irgendwie zum Verbraucher kommen, und oft auch wieder weg, weil die Kunden sich drei Paar Schuhe bestellen und nur eines später auch kaufen.

Über diese Förderbänder werden morgens die Lkw mit den Päckchen entladen und in die Sortieranlage gebracht. Foto: Bretz, Andreas (abr)

Beim Marktführer in der Paketzustellung, Deutsche Post DHL, wächst das Aufkommen an Päckchen und Paketen seit mehr als zehn Jahren per anno zwischen sechs und sieben Prozent, Tendenz steigend. "Unser bisheriges Verteilzentrum an der Kölner Straße platzt aus allen Nähten", sagt Postsprecher Rainer Ernzer. "Vor knapp zehn Jahren haben wir am Tag 16.000 Päckchen ausgeliefert, heute sind es 33.000", sagt der Chef des Verteilzentrums, Michael Thomassen.

188 Meter lang ist das neue Verteilzentrum. 180 Mitarbeiter sollen dort ab Dezember arbeiten. Foto: Bretz, Andreas (abr)

Daher baut der Logistikkonzern überall im Land neue sogenannte Mechanisierte Zustellbasen, im Postsprech MechZB genannt. 750 Millionen Euro investiert der Konzern in solche und ähnliche Bauten in ganz Deutschland. Und in Flingern an der Fichtenstraße entsteht die größte von ganz NRW. In nur wenigen Monaten wurde die 188 Meter lange Halle aus dem Boden gestampft. Von außen ist schon alles fertig. Über 60 Tore werden die Lieferfahrzeuge später beladen. Hinter diesen Toren befindet sich eine beeindruckende Maschinerie.

Wenn alles fertig ist, dann werden morgens zwischen 4.30 und 7.30 Uhr acht schwere Lastzüge die Päckchen für Düsseldorf unsortiert anliefern. Große Förderbänder transportieren die Ware dann direkt aus dem Lkw in eine Sortieranlage in luftiger Höhe. Dort befindet sich das Herzstück des MechZB: ein Scanner. "Der liest die Barcodes auf den Paketen. Nun weiß die Maschine, welches Päckchen per Fließband auf welche Rampe gebracht wird", sagt Alwin Verdult, Ingenieur der niederländischen Firma Vanderlande, die die Anlage baut.

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Hinter jeder der 120 Rampen steckt einer der Düsseldorfer Zustellbezirke. Am Fuß der Rampe müssen die Paketboten nun nur noch die Päckchen in die Transporter laden. Ein Vorteil gegenüber früher: Die Pakete kommen lose in den Wagen, nicht mehr mit einer fahrbaren Transporteinheit. Das spart Platz, Gewicht und Zeit. "Für die Boten hat die neue Anlage den Vorteil, dass die Rampen bis an den Transporter gehen und hüfthoch sind, was unnötiges Bücken verhindert", erklärt Postsprecher Ernzer.

Bald wird die Anlage mit ersten Testpaketen geprüft. Am 7. November startet ein Probebetrieb mit einigen Düsseldorfer Zustellbezirken. Zum Weihnachtsgeschäft, wenn sich die Zahl der zugestellten Pakete erfahrungsgemäß verdoppelt, soll das Mechanisierte Verteilzentrum "ans Netz gehen", sagt Ernzer.

Das Logistikzentrum wird mehr Verkehr nach Flingern bringen. Mindestens kommen in den Morgenstunden acht Lastzüge aus Krefeld. Zwischen 9 und 10 Uhr werden dann die 120 Transporter der Post über die Fichtenstraße rollen. Zu einem Jobabbau soll es laut der Post durch die Automatisierung nicht kommen. Mitarbeiter, die heute Pakete von Hand verladen, würden künftig als Boten eingesetzt. Insgesamt soll es knapp 180 Mitarbeiter geben, 120 davon sind Fahrer.

(RP)
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