Mönchengladbach: DHL investiert 30 Millionen in Ausbau

Mönchengladbach : DHL investiert 30 Millionen in Ausbau

Das Logistikzentrum im Regiopark platzt aus allen Nähten. Weil der Kunde, die irische Textilkette Primark, zügig wächst, wird die Kapazität erweitert. Da auch Zalando Personal aufstockt, muss die Busanbindung weiter verbessert werden.

Vitusstadt, Heimat der Borussia, Hochschulstadt, Textilhochburg, Niederrhein-Metropole: Synonyme für Mönchengladbach gibt es wie Sand am Meer. Aber "Center of Gravity", Gravitationszentrum? Mit dem ursprünglich aus der Physik und in diesem Fall aus der Logistik stammenden Begriff dürfte die Stadt noch nicht allzu häufig belegt worden sein. Er bezeichnet einen Standort, der so liegt, dass die Distanz zu allen Endabnehmern möglichst gleichermaßen minimiert ist. Für DHL Supply Chain, ein Logistikunternehmen von DHL, ist das Gebiet Mönchengladbach/Venlo so ein "Center of Gravity". Und weil die Endabnehmer, in diesem Fall die Filialen der irischen Textilkette Primark, zahlenmäßig wachsen, ist es nur folgerichtig, dass auch das Logistikzentrum im Regiopark wächst.

Die Kapazitätserweiterung am Regioparkring ist bereits im Gange, bis Februar 2015 soll sie abgeschlossen sein. Foto: Reichartz,Hans-Peter (hpr)

Wie gestern bekanntgegeben wurde, hat das positive Auswirkungen auf Mönchengladbach: Bis zu 300 neue Stellen werden geschaffen, die ersten 100 schon zur Fertigstellung im Februar 2015. Das DHL-Gelände wächst nach Südosten und dockt an das Bestandsgebäude an. Die Grundfläche wächst von 40 000 auf 64 000 Quadratmeter, die Streckenlänge für Hängeware von 20 auf 38 Kilometer. Zu den derzeit 37 Dockingplätzen für Lkw kommen 24 hinzu. Und mit der Investition in die Kapazitätserweiterung, die DHL mit insgesamt 30 Millionen Euro beziffert, soll es noch nicht getan sein. "Wir werden unter anderem hier noch eine Recyclinganlage installieren", sagt Niederlassungsleiter Holger Platzbecker - um die Plastikhänger, an denen die Mode befestigt ist, wiederverwerten zu können.

Wer durch die bisher bereits 144 Meter lange Halle schreitet, bekommt schnell einen Eindruck davon, wie moderne und hochgradig mechanisierte Hochleistungslogistik funktioniert. An der einen Seite liefern Lkw die über Venlo vom Rotterdamer Hafen aus bezogene Containerware an ("Inbound-Geschäft"). Andernorts werden die Lkw mit der Ware beladen, die die jeweilige Primark-Filiale wenige Stunden zuvor geordert hat ("Outbound"). Dazwischen sausen Gabelstapler und surren Kleider und Oberteile in großen Chargen an Schienentransportsystemen vorbei. "Rund 30 Lkw-Ladungen kommen täglich bei uns an, rund 60 schicken wir raus", sagt Platzbecker. Acht bis zehn alleine zum Kölner Primark.

Bezahlt wird nach Tarif, ein Betriebsrat hat bereits die Arbeit aufgenommen. Rund 85 Prozent der Mitarbeiter seien fest angestellt, Auftrags-Spitzen würden über zusätzliche zehn bis 15 Prozent Zeitarbeiter abgewickelt, sagt der Niederlassungsleiter. Und die gibt es zuletzt immer häufiger. Von sonntags, 22 Uhr, bis samstags, 22 Uhr, wird an sechs Tagen rund um die Uhr gearbeitet. "Angefangen haben wir mal mit fünf Tagen in zwei Schichten", sagt Platzbecker. Auch das ein Nachweis, dass das im November 2012 eröffnete Logistikzentrum bereits aus allen Nähten platzt.

Dementsprechend froh sei man gewesen, als die Busanbindung in den Regiopark verbessert wurde. Ausreichend sei sie aber noch nicht - zumal neben DHL/Primark auch das benachbarte Zalando massiv Personal aufstockt. "Wir hoffen, dass im Winterfahrplan noch nachgebessert wird", sagt Platzbecker.

Die Berichte über menschenunwürdige Produktionsbedingungen in Fernost, mit denen sich Primark auch jüngst wieder konfrontiert sah, fänden im Geschäftsbetrieb keinen Niederschlag. Dass Filialen deswegen weniger Ware orderten, sei jedenfalls nicht zu bemerken, sagt der Niederlassungsleiter.

(RP)
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