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Dormagen: Roll-Kies als Stolperfalle auf Friedhöfen

Dormagen : Roll-Kies als Stolperfalle auf Friedhöfen

Immer wieder bleiben Senioren mit ihren Rollatoren im Kiesbett stecken, fahren sich Eltern mit den Kinderwagen fest: Auf den Friedhöfen werden daher nach und nach die Wege mit Rollkies gegen einen festen Untergrund ausgetauscht.

Sie sehen schön aus, verhindern matschige Schuhe und wirken gepflegt: Wege, die mit Roll-Kies belegt sind, wurden vor Jahren aus genau diesen Gründen auch auf einigen Friedhöfen in Dormagen angelegt. Jedoch offenbaren sich nun auch einige Nachteile. So hat René Schneider, CDU-Ratsherr aus Stürzelberg, festgestellt, dass sich auf den Rollkies-Wegen auf Friedhöfen immer wieder Senioren mit ihren Rollatoren regelrecht "festfahren". "Sie versinken geradezu mit den Rädern in den kleinen Kieselsteinen", sagt Schneider. "Da brauchen sie ihre ganze Kraft, um sich wieder freizuschieben." In Stürzelberg hat er beobachtet, wie Rollatoren bis zu fünf Zentimeter tief in die Wege einsanken. "Sogar für mich war es anstrengend, über diesen Weg zu gehen", gibt der 47-Jährige zu. "Wie ist das dann erst für Senioren, die zusätzlich zu sich selbst auch noch eine Gehhilfe bewegen müssen?"

Denn nicht nur Senioren mit Rollatoren oder Rollstühlen, auch Eltern mit Kinderwagen und Fahrradfahrer, die ihr Rad schieben, haben Probleme mit dem Kies auf den Friedhofswegen, der sich als Stolperfalle entpuppt. Doch damit soll bald Schluss sein, wie René Schneider erläutert: "Die Technischen Betriebe Dormagen haben ein Mehrjahres-Programm aufgelegt, um bald den Rollkies gegen eine wassergebundene Decke, einen harten Erdweg, auszutauschen." Denn das Regenwasser darf auf den Wegen nicht stehen bleiben, sonst verschlammen sie — mit einem ähnlichen Effekt wie bei den Kieswegen: Die Nutzer bleiben stecken.

Den Technischen Betrieben Dormagen (TBD) ist das Problem bekannt, wie Leiter Gottfried Koch erklärt: "Das leichte Splitt-Material wird vom Regen an die tiefste Stelle des Weges geschwemmt, wo es sich dann ansammelt und auftürmt." Zwar würden die Mitarbeiter der TBD beim Unkrautjäten der stark befallenen Wege auf den Friedhöfen jedes Mal auch den Kies wieder verteilen und glatt streichen, allerdings halte das meist nur bis zum nächsten großen Regen an. "Naturnahe Friedhofe sind schön, allerdings nicht immer besonders pflegeleicht", sagt der Leiter der TBD. Bereits im Herbst 2008 waren Klagen der Kiesweg-Nutzer zu hören, so dass Gottfried Koch im Verwaltungsrat grünes Licht für das Mehrjahresprogramms gegeben hatte.

Seit die TBD vor fünf Jahren neun städtische Friedhöfe übernommen haben, stehen jedes Jahr 20 000 Euro für die Befestigung der Friedhofswege zur Verfügung. Bisher floss das Geld vor allem in ein anderes Problem der Friedhofswege, wie Gottfried Koch erläutert: "Auf dem Friedhof an der Mathias-Giesen-Straße waren viele Wege als Graswege angelegt, die sich bei Regen in wahre Schlammpisten verwandelten, die man nur mit Gummistiefeln begehen konnte." Pro Jahr konnten bislang rund 500 Quadratmeter Wege befestigt werden. Über einen Kilometer Wege auf dem Hauptfriedhof seien ausgebessert.

Im Ausbesserungsprogramm ab dem Jahr 2014 der TBD folgen dann die schlimmsten Stellen der Rollkieswege, die Gottfried Koch in Nievenheim, auf dem zweitgrößten städtischen Friedhof, ausgemacht hat. Aber auch Stürzelberg und Zons seien betroffen. "Wir können leider nicht überall gleichzeitig ausbessern", sagt Koch. Denn eine höhere Summe als 20 000 Euro pro Jahr stünde nicht zur Verfügung. Bei einer Erhöhung der Summe müssten sicher auch die Friedhofsgebühren erhöht werden.

(NGZ)