Sternsinger aus Zons sammeln für Kinder in Not: "Ich helfe jetzt anderen Kindern, und das ist schön."

Sternsinger aus Zons sammeln für Kinder in Not: "Ich helfe jetzt anderen Kindern, und das ist schön."

In Dormagen sind in diesen Tagen wieder Jungen und Mädchen unterwegs, die sich für Gleichaltrige einsetzen, denen es nicht so gut geht. In Zons wurden die Sternsinger am Wochenende auch von vielen Messdienern unterstützt.

Dick eingepackt unter seinem grünen Umhang, die güldene Papierkrone fest auf die Mütze gedrückt und Stiefel an den Füßen, so stapft Quentin gemeinsam mit Annabelle (11), Lennart (10) und Simon am Samstagmorgen um zehn durch die noch ziemlich menschenleere Rheinstraße. Gemütlich ausschlafen, spielen oder fernsehen, wäre das nicht auch ein guter Morgen gewesen am vorletzten Ferientag? "Nein", sagt der Achtjährige entschieden, "ich helfe jetzt anderen Kindern, und das ist schön."

Quentin hat die Botschaft verinnerlicht, die Gemeindereferent Martin Brendler eben noch beim Aussendungsgottesdienst in der Pfarrkirche St. Martinus allen Zonser Sternsingern mit auf den Weg gegeben hat: dass sie Teil einer Gemeinschaft sind, die Gutes für Kinder in Not rund um den Erdball bewirkt. "Die Zahl der Sternsinger in Zons liegt konstant bei etwa 20, so dass wir immer mit fünf oder sechs Gruppen unterwegs sind", verweist Messdienerleiter Jan Verbücheln darauf, dass die Dreikönigs-Tradition im Ort fest verwurzelt ist.

Rund 150 Haushalte hatten sich in diesem Jahr bei der Gemeinde Gottes schützende Hand für ihr Haus "bestellt". Nichts anderes bedeutet der Haussegen 20*C+M+B+18 in der Kirchensprache Latein: christus mansionem benedicat. Für Erika Meyer, die die Sternsinger schon von weitem erwartet, ein Muss in jedem Januar: "Ich bin streng katholisch erzogen worden, ohne den Segen für das neue Jahr geht es nicht", sagt sie voll Überzeugung. Beate Zingsheim vom "Alten Zollhaus" schließt in den Haussegen all ihre Gäste mit ein und kommt dank des Zurufs ihrer Nachbarin in den Genuss des Sternsingerbesuchs. "Ich wusste selbst gar nicht, dass man vorher bei der Gemeinde Bescheid sagen muss."

Schon seit einigen Jahren ist das so, die spontanen Hausbesuche am Dreikönigstag sind Geschichte. Einerseits können die knapp zwei Dutzend Sternsinger kaum ganz Zons bedienen, zum anderen ist immer mehr Menschen die Tradition fremd geworden. Umso großzügiger zeigen sich diejenigen, die auf Maurices Liste stehen, weil sie den Segen wünschen. Er lotst als Gruppenleiter Annabelle, Quentin, Simon und Lennart quer durch die Altstadt, wo die vier angetan als Caspar, Melchior und Balthasar (den gab es zweimal) an ausgewählten Haustüren ihre Segenssprüche aufsagen. Nahezu überall landen Scheine in der Spendendose, die für das Kindermissionswerk bestimmt ist. Und nach kurzer Zeit sind mehrere Beutel mit süßen Leckereien gefüllt, die den Weisen aus dem Morgenlande zugesteckt wurden. Die Kinder schreiben, kleben, klettern auf Höckerchen, um den Segen über der Haustür zu platzieren. Um 13 Uhr gibt's Mittagspause und Pizza in der Pfarrscheune, gegen drei sind alle Segen aufgebraucht.

Viele Messdiener sind als Organisatoren, Begleiter und Sternsinger dabei. Auch Annabelle, die sich am frühen Nachmittag aus ihrem lila Umhang und der Rolle des Balthasar schält. Ob sie im nächsten Jahr auch wieder von Haus zu Haus zieht? Vielleicht. Wenn nicht sie, dann wird sicher jemand ihren Platz einnehmen. Von der schrumpfenden Sternsingerschar, die das Kindermissionswerk beklagt, ist in Zons jedenfalls nichts zu spüren, sagt Jan Verbücheln und fügt hinzu: "Darüber sind wir sehr glücklich."

(NGZ)