Dormagen: Deutschlands bester Werkfeuerwehr-Azubi

Dormagen: Deutschlands bester Werkfeuerwehr-Azubi

Lukas Hartwagner arbeitet im Chempark Dormagen. Seine Ausbildung zum Werkfeuerwehrmann hat er abgeschlossen - mit dem bundesweit besten Prüfungsergebnis: Er holte 96 der theoretisch erreichbaren Maximalpunktzahl von 100.

Anfang Dezember musste Lukas Hartwagner nach Berlin. Händeschütteln. Unter anderem die von EU-Kommissar Günther Oettinger. Denn der gratulierte dem jungen Mann für seine außerordentliche Prüfungsleistung und zeichnete ihn dafür aus. Hartwagner holte 96 von 100 Punkten. Bundesweite Bestleistung. Der 23-Jährige, der aus Leverkusen stammt und im Chempark Dormagen arbeitet, hatte seine Ausbildung zum Werkfeuerwehrmann als Bester in ganz Deutschland abgeschlossen. Überdurchschnittliche Leistungen sind bei Currenta schon fast normal: Im vergangenen Herbst wurden 56 der 564 Absolventen von den Industrie- und Handelskammern ihrer Region für besondere Leistungen geehrt. Drei gehörten zu den Besten in Nordrhein-Westfalen.

Bei Lukas Hartwagner kommt das herausragende Ergebnis nicht von ungefähr. "Die Feuerwehr ist mein Leben", erzählt er. Das "Feuerwehr-Virus" bringt seine Augen zum Strahlen, wenn er über seine Arbeit berichtet. Infiziert hat er sich als Teenager, im Alter von zwölf oder 13 Jahren, als er das erste Mal bei der Jugendfeuerwehr Leverkusen reingeschnuppert hat. "Die Stromerzeuger, die Lichttechnik, der Pumpenwagen - die Technik hat mich total fasziniert, und die Leute haben mich sofort toll aufgenommen", erzählt Hartwagner. "Aus der Gruppe sind Freundschaften entstanden, die bis heute halten." Ein Nerd, also eine Art Technik-Streber, ist der junge Mann aber nicht, eher ein geselliger Typ. Das passt. Immerhin verbringt er jeden zweiten Tag 24 Stunden mit den anderen Werkfeuerwehrleuten: acht Stunden Dienst, 16 Stunden Bereitschaft, dann ein Tag frei und das Ganze wieder von vorn. "Meine Freundin unterstützt mich voll und hat jedes Verständnis, wenn ich erstmal ausschlafen muss, weil's in der Bereitschaft nichts wurde mit dem Schlafen", erzählt der Werkfeuerwehrmann, der sich überdies bei der Freiwilligen Feuerwehr in Leverkusen engagiert.

Klingt nach viel Opferbereitschaft. Aber die Feuerwehr biete Vorzüge, mit denen ein Bürojob nicht aufwarten könne, sagt Hartwagner: "Spannende Einsätze, ein Wahnsinns-Zusammenhalt, und in der Bereitschaft können wir jede Menge Sport treiben."

Der Currenta-Mitarbeiter hat immer schon Sport getrieben. Ausdauerläufe und Rennradfahren, zum Beispiel. Das waren gute Voraussetzungen für einen Beruf, der viel körperliche Fitness verlangt. Seit rund einem Jahr spielt der 23-Jährige zudem Eishockey in einer Feuerwehr-Mannschaft in Köln.

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"Ehrgeizig sollte man sein, wenn man sich um einen Ausbildungsplatz bei uns bewirbt", betont Stefan Meiner, Leiter der Ausbildung zum Werkfeuerwehrmann bei Currenta, "auf 14 Stellen kommen rund 400 Bewerber." Technisches und naturwissenschaftliches Verständnis, Mathematik, Logik und eben sportliche Fitness müssen die Bewerber in Tests unter Beweis stellen.

Seit einigen Jahren bietet Chempark-Betreiber Currenta die Ausbildung zum Werkfeuerwehrmann schon für 16-Jährige an. Das gab es vorher nicht. Früher mussten Bewerber zunächst eine Lehre im Handwerk absolvieren. Jetzt werden in den ersten 18 Monaten Kenntnisse in der Holz- und Metallbearbeitung, im Elektro- und Sanitärhandwerk vermittelt. Dann folgt die Feuerwehrgrundausbildung, die den Umgang mit Pumpen, Fahrzeugen und technischem Gerät schult und auch eine Ausbildung zum Rettungssanitäter beinhaltet. Dazu kommen noch Betriebs- und Produktkunde, Wissen um Gefahrstoffklassen und Stoffunverträglichkeiten.

Von Currenta heißt es: "Werkfeuerwehrleute sind gefragte Experten, deren Know-how und Unterstützung bei Transport- und Lagerunfällen mit Chemikalien auch von öffentlichen Feuerwehren und Polizei angefordert wird."

(NGZ)