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Dormagen: Händler stellen sich Internet-Konkurrenz

Dormagen : Händler stellen sich Internet-Konkurrenz

Immer mehr Menschen kaufen im Internet ein – das spüren auch Dormagener Einzelhändler. Mit Aktionen und guten Argumenten wollen sie die Kunden für sich überzeugen: Sie zahlen Gewerbesteuer und beleben die Innenstadt.

Immer mehr Menschen kaufen im Internet ein — das spüren auch Dormagener Einzelhändler. Mit Aktionen und guten Argumenten wollen sie die Kunden für sich überzeugen: Sie zahlen Gewerbesteuer und beleben die Innenstadt.

Bis Ende des Monats verkauft Herbert Hanf noch Rahmen und Passfotos — dann ist Schluss. Weil kaum noch jemand seine Bilder entwickeln lässt, sondern sie lieber auf Datenträgern speichert, kamen in den letzten Jahren immer weniger Kunden in sein Geschäft "Dormagener Bilderprofi" an der nördlichen Kölner Straße. Daraus zieht der Inhaber nun die Konsequenz. "Viele bedauern, dass Händler schließen müssen. Trotzdem schauen die Leute fast ausschließlich auf den Preis", sagt Hanf. Er denkt, dass deswegen mittelfristig weitere inhabergeführte Geschäfte schließen werden.

Dass das Einkaufen im Internet auf dem Vormarsch ist, zeigen die Zahlen: 33 Milliarden Euro wurden 2012 in Deutschland im Online-Handel umgesetzt. Ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, meldet das Institut für Handelsforschung. Angesichts der Entwicklung suchen Einzelhändler nach Strategien, um sich gegen die Konkurrenz behaupten zu können. Eine Branche, die unter dem Internet-Handel leidet, ist der stationäre Buchhandel. Vergangene Woche schloss unter anderem aus diesem Grund die Buchhandlung Fischer in Nievenheim.

Um sich von großen Internet-Händlern zu unterscheiden, setzt Jorgos Flambouraris, Inhaber der City Buchhandlung an der Kölner Straße, auf Beratung. Die sei computergenerierten Empfehlungen wie "Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch ..." weit überlegen. Er hofft, dass sich die Dormagener bewusstmachen, welche Rolle der Einzelhandel in ihrer Stadt spielt. Schließlich würden die Händler für eine attraktive Innenstadt sorgen und am Ort Gewerbesteuer zahlen. Allerdings dürfe man die Entwicklung nicht verteufeln, sie böte auch Chancen. Dass sich der Handel weiter wandeln wird, davon ist er überzeugt: "Den Buchhandel, wie wir ihn jetzt noch kennen, wird es so nicht mehr geben."

Auch die Mitbewerber von Jorgos Flambouraris arbeiten an Strategien, um Kunden zu binden. Stephan Thönnessen, Inhaber der Buchhandlung Seitenweise, setzt auf Vernetzung. Mit den umliegenden Händlern der nördlichen Kölner Straße hat er sich getroffen, um gemeinsame Veranstaltungen auf den Weg zu bringen. Die Premiere gab es vergangenes Wochenende, als unter dem Motto "Sommer auf der Nördlichen Kölner Straße" vor seinem Geschäft gegrillt wurde und andere Händler spezielle Angebote machten. Auch Thönnessen nutzt das Internet für seine Zwecke: Die Facebook-Gruppe der Buchhandlung hat rund 250 Fans, der E-Mail-Newsletter geht an 800 Personen.

Auch die Mayersche Buchhandlung Dormagen, die Teil einer Kette mit mehr als 40 Standorten ist, will das Bewusstsein für die Vorteile des lokalen Einkaufens schärfen. Seit April wirbt sie mit einem Plakat mit dem Titel "Meine Stadt soll leben — Shoppen und surfen vor Ort". "Das ist auch für uns ein wichtiges Thema", sagt Storeleiterin Anne Bischoff. Die Aktion begrüßt auch Wirtschaftsförderin Gabriele Böse. "Die Kunden haben es in der Hand", sagt sie. Die Stadt könne mit Veranstaltungen dazu beitragen, dass das Einkaufen in der Innenstadt zum Event wird und viele Leute anzieht.

(NGZ)