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Dormagen/Köln: Pastor Koltermann geht zu Fuß nach Köln

Proteste in der katholischen Kirche : Rund 60 Gläubige pilgern mit Pastor Koltermann nach Köln

Der Nievenheimer Pastor Klaus Koltermann hatte für Samstag zu einem Fußweg nach Köln eingeladen, um für Veränderungen in der katholischen Kirche zu protestieren. Die Resonanz war groß.

„Man muss sich auf den Weg machen, um etwas zu bewegen“, beschreibt Pastor Klaus Koltermann seine Idee, mit der er zu einem besonderen Pilgerweg aufgerufen hatte. Am Samstagmorgen machten sich der leitende Pastor des Kirchengemeindeverbandes Dormagen-Nord und fast 60 Pilger von Nievenheim aus zu Fuß auf den Weg nach Köln, um gegen die aktuelle Situation im Erzbistum Köln und in der gesamten katholischen Kirche zu protestieren. Dabei ging es den Pilgern um den Umgang mit der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle, aber auch um Forderungen nach Toleranz gegenüber Homosexuellen und Zugang von Frauen zu den Weiheämtern in der Kirche. Knapp 40 Kilometer lang war der Weg, den die Gläubigen zu absolvieren hatten. Am Ende wurden sie zu einer Kundgebung verschiedener Organisationen wie Maria 2.0 und der Katholischen Frauengemeinschaft auf dem Börsenplatz vor dem Maternushaus erwartet.

Es herrschte ein „guter Geist“ unterwegs, wie Koltermann sagte, es sei auch für ihn eine neue Glaubenserfahrung. „es geht auch darum, etwas von sich zu fordern, mitzumachen, um am Ende etwas zu bewirken“, ist er überzeugt. „Das kann man nicht alleine, deshalb freue ich mich, dass so viele mitgekommen sind. Das sind alles Menschen, die Kirche wollen“, sagte er, „aber sie wollen eine Veränderung.“

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 Die Aufbruchsstimmung auf dem Weg nach Köln begleitete die Gläubigen bis zum Ziel. Auch wenn die Erwartungen, was mit dem Weg bewirkt werden kann, unterschiedliche sind, so waren die Gläubigen sich einig darin, dass Kirche eine Veränderung braucht, um weiter bestehen bleiben zu können. „Es ist wichtig, Flagge zu zeigen und ein Zeichen zu setzen“, erklärte Norbert Runte, der aus Leverkusen nach Nievenheim gekommen war, um mit zu pilgern. Gerade solche Erlebnisse seien es, die Kirche ausmache. „Wir sind Kirche, das ist nicht die Obrigkeit“, sagte er. „Wir Christen stehen zu dem, was Aufbruch ist.“

Darin waren sich alle Pilger einig: Ohne die Gläubigen an der Basis, ohne die vielen Ehrenamtler und Menschen, die in den Gemeinden tätig sind, könne Kirche gar nicht existieren. Deshalb sei es so wichtig, mit diesem Fußweg zu zeigen, dass es an der Zeit sei, die Machtstrukturen in der Kirche aufzubrechen und den Menschen an der Basis zuzuhören. Die Verantwortlichen sollten endlich moralische Verantwortung übernehmen und Konsequenzen aus den Missbrauchsfällen in der Kirche ziehen.

„Ich muss mir etwas zumuten“, hatte Pastor Klaus Koltermann schon im Vorfeld betont. Das haben die Pilger mit diesem Fußweg auch gemacht, denn rund 40 Kilometer spüren auch trainierte Läufer und Wanderer irgendwann. Der Empfang in der Kölner Innenstadt mit tosendem Applaus der wartenden Gläubigen ließ die Schmerzen jedoch vergessen. „Das ist so toll“, sagte Martina Busch-Engels. „Großartig.“ Der Tenor in der Gruppe war eindeutig: Die Hoffnung steigt, nach diesem Tag etwas bewegt zu haben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Pfarrer Koltermanns Protestweg nach Köln