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Rote Zahlen: 50 Krankenhäusern in NRW droht das Aus

Rote Zahlen : 50 Krankenhäusern in NRW droht das Aus

Jede dritte Klinik in Deutschland schreibt rote Zahlen, doppelt so viele wie vor zwei Jahren. Städtische Häuser schneiden schlechter ab als kirchliche und private. Die Kassen fordern Schließungen.

Die Krankenhäuser in Deutschland stehen vor einer Pleitewelle. Mehr als 250 Kliniken droht in den nächsten Jahren das Aus. "13 Prozent der Krankenhäuser müssen bis 2020 schließen, wenn sie keine Zuschüsse bekommen", sagt Boris Augurzky, Gesundheitsexperte des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und Autor des gestern vorgestellten "Krankenhaus Reports 2014". In Nordrhein-Westfalen, das bei der Studie im Mittelfeld landete, droht demnach rund 50 Kliniken das Aus. Das Insolvenzrisiko liegt in den Regierungsbezirken Münster und Arnsberg höher als in Düsseldorf.

In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Lage noch einmal deutlich verschärft. Mittlerweile schreiben 35 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland rote Zahlen, das sind mehr als doppelt so viele wie vor zwei Jahren. Besonders dramatisch ist die Lage in Baden-Württemberg (53 Prozent) und Niedersachsen (45 Prozent), aber auch in Nordrhein-Westfalen machen über 36 Prozent der Häuser Verluste.

Die Unterschiede haben auch damit zu tun, ob es in einer Region viele städtische oder viele private und kirchliche Häuser gibt. So wiesen 2012 rund 28 Prozent der öffentlich-rechtlich geführten Häuser eine erhöhte Insolvenzgefahr auf, aber nur 16 Prozent der kirchlichen und drei Prozent der privaten. Für die Studie haben das RWI und die Beratungsfirma Accenture die Lage von fast 1000 Kliniken anhand ihrer Jahresabschlüsse untersucht.

Nun entbrennt Streit, wie auf die Pleitewelle zu reagieren ist. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) verlangt mehr Geld. "Wir fordern, dass Bund und Länder drei Milliarden Euro mehr pro Jahr bereitstellen, damit die Kliniken die auch vom RWI festgestellte Investitionslücke schließen können", sagte DKG-Präsident Alfred Dänzer. Das RWI fordert zum Abbau des Investitionsstaus von 15 Milliarden Euro einen Fonds aus Mitteln der Krankenversicherung oder aus Steuern. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) warnte, allein die Länder zu belasten. "Dass die Haushaltssituation auch des Landes NRW viele Wünsche in der Investitionsfinanzierung offenlässt, wollen wir nicht bestreiten. Mit der Krankenhausgesellschaft sind wir uns aber einig, dass die Länder alleine keine durchgreifende Verbesserung stemmen können", sagte Steffens unserer Zeitung. Zudem müssten notwendige Standorte im ländlichen Raum durch Zuschläge gesichert werden, so Steffens. Diese Forderung zielt in Richtung Kassen, die für die Finanzierung der laufenden Kosten zuständig sind, während die Investitionen Ländersache sind.

Einfach nur mehr Geld sei keine Lösung, betont dagegen der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Er fordert stattdessen Klinik-Schließungen. "In Holland leben so viele Menschen wie in Nordrhein-Westfalen, trotzdem kommen die Holländer mit etwas mehr als 100 Kliniken aus, während es in NRW 400 Kliniken gibt", erklärte die GKV. Bei Schließungen gehe es weniger um Kliniken auf dem Land, sondern um viele kleine Häuser in Ballungszentren.

Auch die RWI-Forscher verlangen, Häuser zu schließen, damit die verbleibenden effizienter arbeiten können. Würde jedes siebte Krankenhaus aufgegeben, läge die Klinikdichte in Deutschland noch immer im europäischen Durchschnitt. "Kleine Kliniken können häufig von der medizinischen Qualität und der Wirtschaftlichkeit her nicht mit größeren mithalten", schreibt das RWI.

Hier geht es zur Infostrecke: Diese Kliniken sind vor der Insolvenz