Mönchengladbach: Bethesda kämpft weiter ums Überleben

Mönchengladbach : Bethesda kämpft weiter ums Überleben

Noch zwei Jahre Verluste, angespannte Liquidität - das Bethesda selbst spricht in seinem Jahresabschluss von einer "Unsicherheit für die Fortführung". Die anderen drei Kliniken attackieren gemeinsam das evangelische Haus hart.

Kleine Krankenhäuser in den Ballungszentren werden aufgrund zu hoher Defizite reihenweise geschlossen werden müssen, prognostiziert der gestern vorgestellte deutschlandweite "Krankenhaus Rating Report". Wer in den vor wenigen Wochen veröffentlichten Jahresabschluss des Bethesda-Krankenhauses schaut, weiß, dass damit auch das kleinste der vier Mönchengladbacher Krankenhäuser gemeint sein kann. 1,2 Millionen Euro Verlust hat das Bethesda 2012 gemacht. Die Liquiditätslage wird bis 2015 "äußerst angespannt sein". Wörtlich heißt es in dem Lagebericht: "Es verbleibt eine Unsicherheit für die Fortführung der Gesellschaft."

Das Bethesda bekommt zusätzlich ordentlich Gegenwind von den Konkurrenten. Die drei anderen Krankenhäuser in der Stadt, die Kliniken Maria Hilf, die Städtischen Kliniken und das Neuwerker Krankenhaus "Maria von den Aposteln" haben gemeinsam einen Brief an den Landesverband der Krankenkassen geschrieben und darauf hingewiesen, dass sie aktuell in der Lage sind, für die Akutversorgung der Patienten zu sorgen, sollte das Bethesda aufgelöst werden. Bei der Umsetzung des Krankenhausplans des Landes solle man dies berücksichtigen und nicht zu viele Betten in diesen drei Häusern streichen. Das ist ein ziemlich unverbrämter Angriff auf das Bethesda. Der Konter ließ nicht lange auf sich warten. Der neue Eigentümer, die Johanniter GmbH, habe sich verpflichtet, "zur Sicherung der Liquidität und Stärkung der Kapitalbasis bei Bedarf Unterstützung zu leisten", heißt es in der Antwort. Das Haus entwickele sich bei Fallzahlen, Belegungstagen und Patientenzufriedenheit sehr gut. Im Übrigen, so das Bethesda, habe das Neuwerker Krankenhaus für 2012 selbst einen Verlust ausgewiesen; das Elisabeth-Krankenhaus müsse, um seine Baumaßnahmen zu refinanzieren, jedes Jahr drei Millionen Euro erwirtschaften. Heißt im Klartext: Die anderen Kliniken hätten selber Probleme, von denen sie ablenken wollten.

Die ungewöhnlich scharfen Attacken hin und zurück sind dem Vorhaben des Landes geschuldet, Betten abzubauen - und zwar gerade in den Ballungszentren wie Mönchengladbach. Die vier Kliniken bieten viele Leistungen wie die Kardiologie parallel an. Im Bethesda behandeln meist in diesem Bereich niedergelassene Ärzte die Patienten. Auch Wirbelsäulen-Operationen übernehmen externe Ärzte im Bethesda.

Für Wilfried Jacobs, den früheren Vorstandsvorsitzenden der AOK Rheinland/Hamburg ist klar: "An meiner Aussage, dass es in Gladbach ein Krankenhaus zu viel gibt, hat sich nichts geändert." Er sieht alle vier Häuser in der Pflicht - und schlägt Oberbürgermeister Reiners als Vermittler vor. "Alle vier müssen an den Verhandlungstisch und offen und ohne Tricksereien miteinander reden. Dafür zu sorgen, wäre eine Aufgabe für den neuen Oberbürgermeister", sagt Jacobs. Es sei möglich, alle vier Häuser zu erhalten. Das gelänge aber nur, wenn sich die Krankenhäuser nicht weiter kannibalisieren. Wilfried Jacobs: "Man muss sich genau ansehen, wer was anbietet, vielleicht Abteilungen tauschen und neue Angebote schaffen, zum Beispiel eine Altersmedizin, die mit Pflegeeinrichtungen verzahnt ist." Titelseite

(RP)
Mehr von RP ONLINE