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Autofahrer vertrauen den Geräten: Navis führen in NRW zu Staus in Baustellen

Autofahrer vertrauen den Geräten : Navis führen in NRW zu Staus in Baustellen

Das NRW-Verkehrsministerium erwägt, vor Autobahn-Großbaustellen Schilder mit dem Hinweis "Navi Aus!" aufzustellen. Der Grund: Die Navigationsgeräte leiten die Autofahrer meistens direkt in die Sperrungen hinein.

Joachim Huber ist erst vor kurzem aus Bayern nach Neukirchen-Vluyn an den Niederrhein gezogen. Im rund 40 Kilometer entfernten Essen hat er eine neue Stelle als Informatiker angetreten. Die Strecke fährt er täglich mit dem Auto. Dabei verlässt er sich vollends auf sein Navigationssystem. "Ich kenne mich hier noch nicht so gut aus - ohne geht es nicht", sagt er. Doch seit der Teilsperrung der Autobahn 40 bei Essen führt ihn das satellitengesteuerte Kartensystem sehr oft direkt in einen Stau. "Es zeigt einfach die Umleitungen ständig falsch an", ärgert er sich.

Joachim Huber ist kein Einzelfall. Zehntausende Autofahrer tappen täglich in dieselbe Falle, weil sie sich blind auf ihr Navigationsgerät verlassen. Probleme machen die Geräte besonders bei Baustellen auf Autobahnen, mahnen Verkehrsexperten. Die Navis leiten die Autofahrer in die Sperrungen, zeigen Umleitungen nicht oder falsch an. Die Folge: noch längere Staus. "Die Navis führen die Verkehrsteilnehmer in die Irre", sagt ein Projektleiter von Straßen NRW . "Da können wir noch so viele Umleitungsschilder aufstellen. Die bringen dann nichts."

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Dem NRW-Verkehrsministerium sind diese Schwierigkeiten bekannt. Dort sehen Planungen vor, an Autobahngroßbaustellen künftig großräumig Schilder mit dem Hinweis "Navi Aus!" aufzustellen. "Im Zusammenspiel mit ausführlichen Umleitungsbeschilderungen macht das Sinn", erklärt René Usath, Referatsleiter im Verkehrsministerium. Wo solche Schilder aufgestellt werden könnten, sei von Fall zu Fall zu entscheiden.

Usath erklärt, dass ein Großteil der Navigationsgeräte nur die Informationen über eine Sperrung in einer Baustelle verarbeiten könnten. Folgten dann weitere Behinderungen sei das Navi wegen zu geringer Rechenleistungen überfordert. Die Folge: Der Autofahrer wird nicht über die ausgeschilderte Umleitungsroute, sondern stattdessen zurück auf die gesperrte Autobahn geführt. Die Geräte seien mehr "Fluch als Segen", betont Usath.

NRW wäre das erste Bundesland, das die Verkehrsteilnehmer bittet, ihre Navigationsgeräte in Ausnahmefällen auszuschalten. Erfahrungswerte für solche Tafeln auf Autobahnen gibt es bislang nur aus den Niederlanden. Dort stellte man beim achtspurigen Ausbau einer Schnellstraße bei Eindhoven "Navi Aus!"-Schilder großflächig auf - mit Erfolg. Es gab Behördenangaben zufolge in dem Bereich deutlich weniger Staus als sonst üblich bei Großprojekten dieser Art. Verkehrsexperten begrüßen die Aufstellung der Schilder. "Das ist grundsätzlich eine sehr gute Idee, gegen die man keine Einwände haben kann", sagt Volker Lemp vom Autoclub Europa (ACE). Über diesen Plan sollten auch andere Länder nachdenken.

Auf innerstädtischen Straßen probiert derzeit noch die Stadt Essen als erste Kommune in Deutschland dieses Modell aus, um den Umleitungsverkehr infolge der Teilsperrungen der A 40 und A 52 besser durch die Stadt zu leiten. Auch dort spricht man schon jetzt von einem Erfolg. Natürlich sei es keine Pflicht, sich an die Ausschilderung zu halten, sagt ein Stadtsprecher. Aber wer sich nicht an die Ermahnung hielte und weiterhin seinem Navi vertraue, fahre halt wieder in die Sperrungen rein. Bis das erste "Navi Aus!"-Schild an einer Autobahn aufgestellt wird, muss allerdings noch überprüft werden, ob Autofahrer sich durch den Hinweis abgelenkt fühlen.

Dabei gäbe es ab Donnerstag eine gute Möglichkeit, die Wirkung der Tafeln zu testen. Denn dann wird ab 10 Uhr die Autobahn 59 in Duisburg in Fahrtrichtung Düsseldorf für drei Monate dicht gemacht. Die Planer verhehlen nicht, dass die Sperrung massiven Verkehrsproblemen führen wird- zumal auch noch die A 40 bei Essen teilweise gesperrt ist. Rene Usath vom Verkehrsministerium empfiehlt Autofahrern: "Nicht dem Navi vertrauen und auf Umleitungsschilder achten."

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(RP)