Internationaler Frauentag: Wo die Ungleichheit am größten ist

Noch Defizite bei der Gleichstellung : Wo die Ungleichheit am größten ist

In Politik, Wirtschaft und Verwaltung gibt es noch viele Defizite. Nicht einmal eine gleiche Entlohnung ist selbstverständlich.

In Artikel 3 des Grundgesetzes heißt es: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Doch es steht noch mehr in Artikel 3: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ Der Staat ist also sogar verpflichtet, für mehr Gleichheit zu sorgen. Doch auch 70 Jahre nach Einführung des Grundgesetzes gibt es da noch eine Menge zu tun. Hier ist eine Auswahl der Defizite:

Geringeres Gehalt Frauen verdienen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer, wie das Institut der deutschen Wirtschaft errechnet hat. Damit liegt Deutschland in der EU an vorletzter Stelle. Werden die höhere Teilzeitquote der Frauen, geringere Berufserfahrung (meist wegen Kinderpausen) und die Tatsache herausgerechnet, dass Berufe, in denen Frauen arbeiten, oft systematisch unterbewertet werden, liegt der Unterschied noch bei 5,8 Prozent.

Höheres Armutsrisiko Das Risiko zu verarmen ist für Frauen in den vergangenen Jahren laut WSI stärker gestiegen als für Männer. Eine Ursache: Zwei Drittel der ausschließlich geringfügig Beschäftigten sind laut Nationaler Armutskonferenz Frauen. Besonders bedroht sind alleinerziehende Mütter, die oft aufgrund unzureichender Kinderbetreuung dem Arbeitsmarkt nur eingeschränkt zur Verfügung stehen können. Die Änderung des Unterhaltsgesetzes vor einigen Jahren führte überdies dazu, dass Männer nach der Scheidung für die Mütter ihrer Kinder nur noch eingeschränkt unterhaltspflichtig sind.

Mehr unentgeltliche Arbeit Frauen verrichten laut Gleichstellungsbericht der Bundesregierung jeden Tag 87 Minuten mehr unentgeltliche Arbeit wie Putzen, Kochen, Einkaufen etc. als Männer. Das größte Missverhältnis zwischen den Geschlechtern zeigt sich im Alter von 34 Jahren: Frauen leisten dann am Tag durchschnittlich 5 Stunden und 18 Minuten, Männer dagegen nur 2 Stunden und 31 Minuten.

Niedrigere Renten Die oben genannten Faktoren führen dazu, dass Frauen gesetzliche Renten beziehen, die laut WSI beinahe nur halb so hoch sind wie die der Männer: 631 Euro versus 1154 Euro im Monat.

Schlechtere Karrierechancen Obwohl 27 Prozent der 30- bis 39-jährigen Frauen einen Hochschulabschluss haben (Männer: 25 Prozent), kommen in den Chefetagen deutlich Frauen weniger an. Gerade einmal sieben Prozent der Vorstände in den 100 größten deutschen Unternehmen waren laut Boston Consulting Group 2018 weiblich. Im Vergleich zum Vorjahr ist den Studienergebnissen zufolge der Frauenanteil in Vorständen nur um einen Prozentpunkt gestiegen. Bei dieser Geschwindigkeit würde es noch etwa 40 Jahre dauern, bis Spitzenpositionen zu gleichen Teilen mit Frauen und Männern besetzt sind.

Politische Repräsentanz Knapp 31 Prozent der Abgeordneten im Bundestag sind Frauen, auf Landes- und Kommunalebene ist der Anteil noch geringer. „Eine höhere Repräsentanz von Frauen trägt dazu bei, dass ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen in Entscheidungsprozessen höhere Berücksichtigung finden“, schreibt dazu die Landeszentrale für Politische Bildung in Rheinland-Pfalz. Sie ist also der Schlüssel zu mehr Gleichberechtigung.

(kib)
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