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Cannabis per Mausklick: Drogenhandel verlagert sich ins Internet

Cannabis per Mausklick : Drogenhandel in NRW verlagert sich ins Internet

Die Zahl der von der Polizei registrierten Fälle hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Verkauft wird vor allem Cannabis. Eine Legalisierung der Droge lehnt die Landesregierung ab.

Der illegale Handel mit Betäubungsmitteln verlagert sich nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministeriums immer mehr ins Internet. Demnach registrierte die Polizei im vergangenen Jahr doppelt so viele Fälle wie noch 2017. So stieg die Zahl innerhalb nur eines Jahres von 3061 auf 6149. Die Dunkelziffer dürfte Experten zufolge wesentlich höher liegen.

Die Täter im Bereich des Online-Drogenhandels entsprechen laut Innenministerium nicht mehr dem Typus des klassischen Dealers, der sich in der offenen Drogenszene bewegt. „Onlinehändler sind häufig überdurchschnittlich gebildet, haben einen IT-Bezug und agieren wie Kaufleute“, sagte eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums. Das gleiche gelte für die Käufer. „Je höher der Bildungsgrad des Kunden ist, desto größer ist die Tendenz zum Kauf im Internet“, so die Sprecherin.

Den zunehmenden Onlinehandel und Postversand von Betäubungsmitteln über das Internet führen Sicherheitsbehörden darauf zurück, dass der Kauf auf diese Weise sehr leicht sei und anonym erfolge. Tatsächlich kann jeder mit wenigen Klicks und Eingaben ganz einfach Drogen im Internet bestellen, wie ein Test unserer Redaktion ergeben hat. Dafür muss man noch nicht einmal ins sogenannte Darknet. Auf Wunsch kann die gewünschte Ware sogar direkt an Paketstationen geliefert werden – und das aufs Gramm genau. „Theoretisch könnte jedes Kind von seinem Zimmer aus spielend leicht Drogen nach Hause bestellen“, sagt ein Polizist.

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Die Händler und Hintermänner solcher Plattformen sitzen in der Regel im Ausland, zum Beispiel in Spanien oder den Niederlanden. Wer von der Polizei beim Onlinekauf von Drogen erwischt wird, muss mit hohen Strafen rechnen. Außerdem drohen der Verlust des Führerscheins und ein Eintrag ins Führungszeugnis – und das schon bei der Bestellung von einem Gramm Kokain. Die Berliner Fachkanzlei für Strafrecht „Pohl und Marx“ hat nach eigenen Angaben bereits zahlreiche Mandanten verteidigt, die Drogen im Internet bestellt hatten. „In vielen Fällen erfolgen die Bestellungen der Betäubungsmittel nicht über einen Drogenshop, sondern in einer Art Drogenforum. Die Bezahlung erfolgt meist über die Internetwährung Bitcoin“, sagen die Juristen.

Besonders häufig wird im Internet mit Cannabis gehandelt. Das deckt sich auch mit Zahlen der polizeilichen Kriminalitätsstatistik 2018. Demnach waren von den insgesamt 67.797 erfassten Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz 42.874 Cannabis-Delikte. Dies entspricht einem Anteil von 63 Prozent. Bei der Polizei betont man, dass das heute angebotene Cannabis aufgrund seiner Zusammensetzung nichts mehr mit dem früher verkauften Stoff zu tun habe und dementsprechend gefährlicher für die Gesundheit sei. So stellte das Landeskriminalamt jüngst eine deutliche Erhöhung der Konzentration des Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol fest.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) lehnt die Legalisierung der Droge ab. „Eine Freigabe von Cannabis ist mit mir nicht zu machen. Von den Befürwortern wird da immer vom Recht auf Rausch geredet, aber das ist schlicht Blödsinn und verharmlosend“, sagte Reul unserer Redaktion. Gerade für junge Menschen sei der Konsum schädlich und führe zu Psychosen und Persönlichkeitsstörungen. „Ich sage klar: Das Zeug ist schlecht und gefährlich. Handel und Besitz werden konsequent verfolgt und geahndet. Und das ist genau richtig so.“