Bürgermeisterwahl Hamminkeln - Kandidat Bernd Romanski

Hamminkeln: Ex-Manager will Bürgermeister werden

Bernd Romanski (SPD) möchte Hamminkeln (Kreis Wesel) für junge Familien attraktiver machen.

Bernd Romanski zögert nicht lange. Was ihn, den ehemaligen Hochtief-Manager, reizt, Bürgermeister von Hamminkeln im Kreis Wesel zu werden? "Der Gestaltungsspielraum", sagt der 56-Jährige, der sich für die SPD am 13. September zur Wahl stellt. Ein Spaziergang wird das sicher nicht: "Wir befinden uns hier in einer politisch tiefschwarzen Region."

Aussichtslos ist Romanskis Kandidatur aber nicht, denn er hat die Unterstützung von FDP und Unabhängigen Sozialen Demokraten (USD). Das Dreierbündnis kam im vorigen Jahr auf 45,7 Prozent - und lag damit vor der Union, die 44,9 Prozent erzielte und jetzt mit der Diplom-Ökonomin Roswitha Bannert-Schlabes ins Rennen geht.

Mit dem Slogan "Jetzt den Wechsel wählen" will Romanski, der sich 1975 der SPD anschloss, um Wählerstimmen werben. Er kreidet es CDU und Grünen an, die Grund- und Gewerbesteuer heraufgesetzt zu haben. Das sei "kein gutes Signal für unsere Stadt". Allerdings sieht er angesichts der angespannten Kassenlage keine Möglichkeit, davon in absehbarer Zeit wieder herunterzukommen. Was also ist zu tun?

Der SPD-Kandidat will Hamminkeln (knapp 28 000 Einwohner) für junge Familien und Unternehmen attraktiver machen. Er denkt vor allem an das zügigere Bearbeiten von Anträgen; die Verwaltung mit ihren mehr als 200 Mitarbeitern müsse sich stärker als Dienstleister verstehen, sagt er und räumt zugleich ein, selbst keinerlei Kommunalerfahrung zu besitzen. "Aber braucht man das?" Für ihn ist eine Stadt mit einem Unternehmen vergleichbar. Und davon versteht der studierte Betriebswirt eine Menge.

Romanski war viele Jahre Manager bei der Mannesmann Demag und beim Baukonzern Hochtief, zeitweise als Finanzvorstand. Er war oft im Ausland. In Saudi-Arabien ist er ins Gefängnis gesteckt worden, weil er beschuldigt wurde, Geld von einer Militärbaustelle entwendet zu haben. Es dauerte eine lange Nacht ("16 Mann auf einer Zelle; in Hand- und Fußfesseln zur Toilette"), bis sich der Irrtum herausstellte und er freigelassen wurde.

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2013 musste der Top-Manager seinen Schreibtisch bei Hochtief räumen; es gab zu große Differenzen mit dem neuen Eigentümer, der spanischen ACS. Allerdings habe er ohnehin einen persönlichen Wechsel angestrebt: "Mein Vater ist mit 52 Jahren in einer Sitzung bei Hochtief gestorben. Deshalb wollte ich spätestens mit 55 raus aus der Tretmühle." Seither hat Romanski seine eigene Unternehmensberatung, die sich in einem nüchternen Büroflachbau am Rande der Stadt befindet. Von hier aus wirkt er derzeit auch an einem Wohn-/Gesundheitsprojekt in China mit.

In seinem Büro hat Romanski Fotos ausgestellt, die ihn mit dem König von Bahrein und dem Sultan von Oman zeigen. Auch ein Foto mit Gerhard Schröder ist dort zu sehen. Der Ex-Kanzler, der vor einigen Wochen in Hamminkeln war, ist Ehrenvorsitzender des Nah- und Mittelost-Vereins, dessen stellvertretender Vorsitzender Romanski ist.

Hinter seinem Schreibtisch hängt ein Poster aus Hochtief-Zeiten: "Ich begeistere zu Spitzenleistungen", steht dort und "Mit Motivation führen". Den Wandel in der Stadtverwaltung will er "mit den Bediensteten vollziehen", betont der SPD-Kandidat und fügt hinzu: "Ich arbeite mit Überzeugungskraft." Auch gibt er zu Protokoll: "Ich verspreche nichts, was ich nicht halten kann."

Romanski, der in Sonsbeck (Kreis Wesel) geboren wurde, lebt seit 1970 in Hamminkeln. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Seine Hobbys sind Skatspielen, Tennis und Fußball. Bevor es mit dem Wahlkampf so richtig losgeht, macht er noch mal ausgiebig Urlaub: Mit dem Wohnmobil geht es derzeit quer durch Kalifornien. Dort hat schon einmal ein Seiteneinsteiger Karriere gemacht - Arnold Schwarzenegger.

(RP)
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