Tunesien: Strände, raue Natur und Drehort von Star Wars

Tunesien : Unendliche Weite der Wüste

In nur zweieinhalb Flugstunden beginnt das Abenteuer: Das kleinste nordafrikanische Land hat neben Stränden im Norden und auf Djerba im Süden raue Natur und ursprüngliche Berberdörfer zu bieten – und die Drehorte von Star Wars.

Unter dem sternenklaren Himmel am Rande der Sahara ist kein Ton zu hören. Hier am Rand der größten Wüste der Welt gibt es weder fließendes Wasser, noch Handyempfang. Dafür 50 weiße Zelte, die Besuchern hier in den eiskalten Nächten mit Temperaturen knapp unterhalb des Gefrierpunktes Unterkunft bieten. Doch die Abgeschiedenheit im Wüstensand wirkt. Man kommt zur Ruhe, vergisst den Stress, abseits der Zivilisation. Hier taucht man ein in eine Welt, in der man seine Gedanken schweifen lassen kann und mit gereinigtem Geist in den Trubel der Zivilisation zurückkehrt.

Die Idee, diese ungewöhnliche Herberge zu eröffnen, hatte Omara Ben Salem vor etwa zwölf Jahren. Große Besuchermassen zieht es jedoch nicht ins Wüstencamp Zmela. Der Weg hierher ist beschwerlich. Über Pisten voller Stein und Geröll ist man mit einem Jeep von der 65.000-Einwohner-Stadt Tataouine drei Stunden unterwegs – wenn der Reifen bei der wilden Fahrt durch die Gesteinswüste nicht platzt. Durch Sanddünen, in denen die geländegängigen Fahrzeuge auch gerne mal stecken bleiben, geht es auf und ab. Die nächste kleine Stadt ist von hier 20 Kilometer entfernt, der nächste Wasserbrunnen ist sechs Kilometer weit weg. „In der Silvesternacht haben 150 Gäste hier bei uns gefeiert“, erzählt Ben Salem, der eine Hotelausbildung in Tunis absolviert und einige Jahre als Kellner gearbeitet hat. Nun versorgt er die Gäste mit seinen acht Mitarbeitern mitten in der Wüste mit landestypischen Essen oder Sandbrot am Lagerfeuer. Mittlerweile bieten auch tunesische Reisebüros Ausflüge in sein Camp an. Auf Dromedaren oder zu Fuß können die Besucher die Dünen erkunden und zur Ruhe finden.

Ausländische Touristen zieht es daher noch etwas seltener her, sagt er, dafür aber viele Tunesier. Auch jene, die das Land verlassen haben. „In Tunesien gibt es für uns junge Leute keine Arbeit, keine Perspektive. Darum sind wir fortgegangen. Aber irgendwann möchten wir zurückkommen und den Menschen hier helfen“, erzählt Asma am Lagerfeuer. Die junge Tunesierin lebt in San Diego und lässt sich in den USA zur Gefäßchirurgin ausbilden. Im Wüstencamp Zmela macht sie Heimaturlaub mit ihrem Freund Nasim und ihrer Schwester Miriam, die wiederum in Paris arbeitet.

Doch Tunesien ist auch die Heimat verschiedener Berbervölker. In Chenini leben noch etwa 123 Familien in der Felsenstadt. Auch Achmed lebt hier mit seinen Eltern und seiner Schwester in einer fensterlosen Behausung in einfachen Verhältnissen. Im kleinen Vorhof hält die Familie Schafe und einen Esel. Achmed arbeitet in Tataouine. Weggehen möchte er aber nicht. „Ich bin hier geboren, hier will ich auch bleiben“, sagt der junge Berber.

In Chenini gibt es eine Post, einen Zahnarzt, Strom und eine Moschee. In dem Ort betreibt Dr. Habib Belhedi eine Gästepension mit 30 Betten. Im Hauptberuf ist der 70-Jährige Zahnarzt und hat eine Praxis in Tataouine. Er will die Kultur der Berber der Welt zeigen. „Die Lebensart der Berber soll erhalten bleiben. Wir wollen hier keinen Massentourismus, bei denen die Menschen hier nicht mehr auf ihre Weise leben können“, sagt Dr. Belhedi, der hier als Kümmerer gilt. Die Menschen in Chenini nennen ihn liebevoll „Habib tabib“, der gute Arzt. Sogar einen Antrag bei der UNESCO hat er schon gestellt, Chenini als Weltkulturerbe anerkennen zu lassen.

Tunesiens Süden versprüht aber auch ein Stück Hollywood. An verschiedenen Orten können Science-Fiction-Fans Spuren vom Krieg der Sterne finden. Stolz kündet eine große Tafel vom Dreh des Films Star Wars: Episode 1 in Medenine im Jahr 1997. In dem kleinen Ort in der Region Tataouine ist heute ein Hotel.

Der Zahnarzt Dr. Habib Belhedi (l.) hat ein Herz für die alte Berberstadt Chenini im Süden Tunesiens. Foto: Patrick Jansen

Und auch Tataouine selbst, die mit 65.000 Einwohnern größte Stadt im Süden des Landes stand George Lucas Pate für seinen Wüstenplaneten „Tatooine“, auf dem sein Filmheld Luke Skywalker aufwuchs.

Ein Maschinenmann aus Metall mit einer Darth-Vader-Maske begrüßt die Besucher dagegen am Eingangsbereich von Mos Espa, einer mehr oder weniger verlassenen Kulisse in den Dünen von Nefta östlich des großen Salzsees. Hier drehte George Lucas die Vorgeschichte des jungen Anakin Skywalker, bevor er im Film zum Schurken Darth Vader wurde. In so ärmlichen Verhältnissen wie der kleine Anakin, der im Film als Sklavenjunge aufwächst, lebt auch die Handvoll Menschen in den verlassenen Hollywood-Kulissen. Auch Moghtar kommt täglich zur ehemaligen Filmkulisse und will billige Souvenirs verkaufen. „Von den Milliarden, die mit den Star Wars-Filmen verdient wurden, sehen wir hier nichts“, klagt er. Der 30-Jährige trägt einen Anzug, wie ihn die Sandleute in den Filmen tragen. Er und die übrigen Händler in Mos Espa versuchen Touristen ein Foto mit einem Kamel, einem Esel oder mit einem Wüstenfuchs zu verkaufen.

In den Dünen von Nefta östlich des Salzsees Chott del Djerid befinden sich die Originalkulissen „Mos Espa“, in denen George Lucas einen seiner Star Wars-Filme gedreht hat. Foto: Patrick Jansen

Ein Versuch, die langsam verfallenden Kulissen touristisch einzubinden, ist der Ultra Mirage El Djerid. Das ist ein 100 Kilometer langer Ultra Trail-Lauf, der in Tozeur, östlich des Salzsees beginnt und in den Star Wars-Kulissen in den Dünen von Nefta westlich des Sees endet. Hier ist das Ziel der Extremsportveranstaltung, sie findet in diesem Jahr zum dritten Mal statt. Etwa 300 Läuferinnen und Läufer werden am 5. und 6. Oktober in der brennenden Sonne über Dünen, Felsen, Flußbetten, grüne Steppen mit Kamelen und durch den ausgetrockneten Salzsee Chott El Djerid laufen.
Die Redaktion wurde vom Fremdenverkehrsamt Tunesien zu der Reise eingeladen.

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