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Nichts mit Faulenzen: Bademeister machen fünf Jobs in einem

Nichts mit Faulenzen : Bademeister machen fünf Jobs in einem

Berlin/Wesel (RPO). Bademeister haben ein echtes Image-Problem. Was man im Freibad von ihrem Job mitbekommt, sieht nicht gerade spannend aus: Sie stehen am Beckenrand und passen auf, dass niemand ertrinkt. Dabei sind Fachangestellte für Bäderbetriebe, wie Bademeister offiziell heißen, nebenbei auch noch Betriebswirte, Chemiker, Klempner und Animateure. Die Chancen auf einen Job sind gut. Immer vorausgesetzt, man übersteht die Aufnahmeprüfung.

"Leute, die meinen, sie würden bei uns das Schwimmen lernen, sind hier fehl am Platz", sagt Ausbildungsleiter Mario Jungkuhn von den Berliner Bäder-Betrieben. Ein Kopfsprung vom Dreimeterturm, Schwimmen gegen die Uhr und Streckentauchen gehören zu den Prüfungsaufgaben. Bewerber müssen auch einen Tauchring aus fünf Metern Tiefe hochholen. "Unter den Sprungbrettern ist es so tief. Wenn da etwas passiert, muss man schließlich helfen können", sagt Jungkuhn.

Einige Bäder verlangen sogar, dass Auszubildende schon das Rettungsschwimmerabzeichen in Silber haben. "Viele haben vor der Ausbildung auch bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft als Rettungsschwimmer gearbeitet. Das ist dann schon die halbe Miete", sagt Martin Burgers, Leiter der Städtischen Bäder in Wesel.

Wer alle Aufnahmeprüfungen meistert, steht als Azubi dann auch vom ersten Tag an am Beckenrand und hilft bei der Aufsicht. "Dass man jemanden vor dem Ertrinken retten muss, kommt zwar relativ selten vor. Dass sich ein Kind ein Bein aufschlägt oder ein älterer Badegast Kreislaufprobleme bekommt, ist hingegen Alltag", sagt Robert Holaschke, Referent für den Bäderbereich bei der Bayerischen Verwaltungsschule in München. Auch Schwimmunterricht geben die angehenden Fachangestellten für Bäderbetriebe relativ früh.

Kontaktfreudig zu sein, sei dabei ganz wichtig, betont Burgers. Die Zeiten, als der Schwimmmeister mit grimmiger Miene darüber wachte, dass bloß niemand vom Beckenrand springt, sind längst vorbei. "Es ist ein Dienstleistungsberuf", sagt Burgers. "Wenn man sieht, wie eine Mutter sich dabei schwer tut, ihrem Kind einen Kopfsprung beizubringen, dann sollte man da hingehen und seine Hilfe anbieten", sagt Burgers, der beim Bundesverband Deutscher Schwimmmeister für den Bereich Ausbildung zuständig ist.

Der zweite wichtige Teil der Ausbildung spielt sich hinter den Kulissen ab. "Wir haben in den Schwimmbädern sehr viel, zum Teil sehr teure Technik. Damit muss man sich auskennen", sagt Holaschke. Besonders kompliziert ist dabei die Beckenhygiene. "Man muss mit Chlorgas umgehen können. Und man muss berechnen können, wie viel Chemie man einsetzen muss, um das Becken keimfrei zu machen. Ohne Mathematik geht da gar nichts."

Auch das Thema Metallbearbeitung gehört zur Ausbildung. "Wir haben hier diverse Rohrleitungen für Chlor und Wasser, Lüftungstechnik und Pumpen", sagt Jungkuhn. Wenn kleinere Reparaturen anfallen, erledigen die Bad-Mitarbeiter das meist selbst.

Bei vielen Arbeitgebern durchlaufen die Azubis auch außergewöhnliche Stationen: In Wesel arbeiten die angehenden Bademeister ein paar Wochen bei der Feuerwehr mit. "Man muss lernen, auch mit schlimmen Dingen umzugehen. Nur dann behält man in einer solchen Situation einen kühlen Kopf", sagt Burgers.

Einen kühlen Kopf braucht man auch bei der Abschlussprüfung am Ende der dreijährigen Ausbildung. Die Durchfallquote ist gerade im praktischen Teil bei den Rettungsübungen außergewöhnlich hoch, sagt Magdalena Grumer vom Regierungspräsidium Karlsruhe. "Man kann da keine Zugeständnisse machen. Schließlich geht es im Ernstfall um das Leben der Badegäste. Man muss während der Ausbildung wirklich trainieren, um die nötige Leistung erbringen zu können."

Ein Wermutstropfen für viele Bademeister sind die Arbeitszeiten: "Man arbeitet immer dann, wenn die Freunde frei haben", sagt Holaschke. Am Wochenende ist im Freibad Hochbetrieb. Und im Sommer fallen ohnehin eine Menge Überstunden an. Dafür lockt ein relativ sicherer Arbeitsplatz im Öffentlichen Dienst, denn viele Bäder sind nach wie vor in der Hand der Städte und Gemeinden. Fachangestellte für Bäderbetriebe verdienen dort je nach Berufserfahrung zwischen 2180 und 2412 Euro im Monat.

Auf der Karriereleiter kann man außerdem relativ schnell nach oben klettern. Im Bäderbereich sei es durchaus üblich, schon früh den Meistertitel zu machen, sagt Holaschke. "Als Meister kann man in relativ jungen Jahren Leiter eines Bades werden. Dann kümmert man sich um Personalfragen, um das Finanzielle und häufig auch um den Außenauftritt des Bades." Schon mit Ende 20 sind Meister für Bäderbetriebe oft Chef eines ganzen Bades.

(tmn)