Präparatoren Mit Präzision und Idealismus am Werk

Husum · Fell abziehen, Federn richten: Biologische Präparatoren sind nicht zimperlich – und arbeiten dennoch filigran. Als Informationsvermittler haben sie einen wichtigen Beruf, der aber eine Nische bleibt.

Präparatorin Yvonne Fritzsche-Nehls übernimmt Aufträge unter anderem für naturkundliche Ausstellungen.

Präparatorin Yvonne Fritzsche-Nehls übernimmt Aufträge unter anderem für naturkundliche Ausstellungen.

Foto: dpa/Benjamin Nolte

Es braucht ein bisschen Mut, eine Portion Kreativität und viel Fingerspitzengefühl: Präparatoren rekonstruieren und konservieren Tierkörper, Fossilien oder menschliche Überreste und arbeiten dabei an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Kunst und Handwerk. Yvonne Fritzsche-Nehls ist selbstständige biologische Präparatorin. Mit ihrem Beruf möchte sie den Menschen die Natur wieder näherbringen – ganz ohne Vergrößerungsglas oder Zeitlupe.

Der Weg in den Beruf

Es gibt nur eine einzige staatlich anerkannte Ausbildungsstätte in Deutschland, das Walter-Gropius-Berufskolleg in Bochum, und drei Fachrichtungen der Präparation: die biologische – das, was man als Tierpräparation kennt, die geowissenschaftliche Präparation, bei der beispielsweise Fossilien für Museen aufbereitet werden und die medizinische Präparation in der Anatomie, Pathologie und Rechtsmedizin. Die biologische Präparation hat mich sofort angesprochen und mein Dilemma gelöst: die Orientierungslosigkeit zwischen meinen Interessen für Biologie, Handwerk und künstlerischem Schaffen.

Der Berufsalltag

Wenn ich ein Tier ausstellen soll, muss ich es erst vermessen. Ein bisschen Buchhaltung gehört auch dazu, insbesondere bei geschützten Tierarten. Dann trenne ich die Haut vom Körper ab und an bestimmten Gelenken die Extremitäten. Die Haut mit Fell oder Gefieder wird gesäubert, gewaschen, entfettet, gegerbt und getrocknet. Manche Präparationsschritte können sich über mehrere Wochen hinziehen.

Aus festem Schaumstoff, Watte oder Holzwolle bilde ich den künstlichen Körper nach. Dann rekonstruiere ich die Form, ziehe die Haut darüber und gebe dem Tier die Gestalt, die es vorher hatte. Nach dem finalen Trocknen kommt die Retusche, bei der kleine Fehler ausgebessert oder künstliche Farbe aufgetragen wird, etwa an den Schnäbeln oder Beinen. Ganz zum Schluss baue ich ein Podest für das Präparat.

Die Herausforderungen

Zum Beruf gehört ein bisschen Idealismus, denn was die Details betrifft, kann der Arbeitsaufwand nicht immer exakt in Euro und Cent aufgerechnet werden. Präzision bei der Arbeit ist in allen Fachrichtungen sehr wichtig. Auch eine gute Beobachtungsgabe halte ich für essenziell. Ich beobachte Tiere bei jeder Gelegenheit: Wie bewegen sie sich? Was ist charakteristisch für sie? Welche Funktionen haben bestimmte Bewegungen? Dafür sollte man stets offen sein.


Schöne und weniger schöne Seiten des Berufs

Er ist unglaublich vielseitig. Ich bin mehr als 40 Jahre dabei und habe immer wieder neue Anforderungen und Aufgabenstellungen. Manchmal sind die Stücke nicht mehr in dem Zustand, den man haben möchte, oder der Auftraggeber hat eine besondere Aufgabenstellung. Hier muss man sich eine neue Technik oder Darstellung überlegen.

Weniger gut gefällt mir die Knochenpräparation. Knochensammlungen sind die Basis für ganz unterschiedliche biologische Fragen, man kann viel dabei lernen. Dafür muss man das Tier abfleischen und die Knochen heraussammeln. Das ist wie eine gut sortierte Schlachterarbeit und nicht unbedingt das, was ich mir als Basisarbeit für einen ganz Tag wünschen würde.

Die Vorurteile

Die Tiere, die von mir präpariert werden, wurden tot gefunden und nicht gejagt. Das war früher durchaus anders und wird noch immer als Grund gegen Präparationen vorgebracht. Ich finde, in biologischen Ausstellungen ist die Dreidimensionalität der Präparationen schwer zu ersetzen. Viele Leute sind fasziniert davon, wie klein die Tiere teilweise sind. Über Fotos, die oft vergrößert werden, verliert man völlig die Proportionen.

Die Berufsaussichten

Vor etwa 40 Jahren gab es eine Tendenz, bei der Universitäten die Präparationssammlungen reduzierten und stattdessen Labore einrichteten, um biologische Fragen auf Grundlage von Genetik zu beantworten. Inzwischen hat man gemerkt, dass aus Knochen- oder Feuchtigkeitssammlungen ganz viele zusätzliche Informationen gewonnen werden können – etwa zu Fragen der Schadstoffbelastung. Seitdem werden Präparatoren wieder eingestellt. Doch die Naturschutzrichtlinien werden strenger und es gibt immer weniger private Sammler.

(dpa/tmn)
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