Detroit Motor Show: US-Autobauer feiern Comeback

Motor Show in den USA : US-Autobauer feiern Comeback in Detroit

Die Detroit Motor Show ist die Auftaktveranstaltung der Autobranche – und ein Heimspiel für GM, Ford und Chrysler.

Die Detroit Motor Show ist die Auftaktveranstaltung der Autobranche — und ein Heimspiel für GM, Ford und Chrysler.

Einst war sie ein Symbol der Stärke der amerikanischen Industrie, dann das Symbol ihres Niedergangs: Detroit. Großgeworden mit den Autoherstellern, mit General Motors, Ford und Chrysler, hinabgerissen mit deren Niedergang während der Wirtschaftskrise. Die drei Auto-Riesen haben die Krise überlebt, Detroit nicht. Im Sommer 2013 musste die Stadt Insolvenz anmelden.

Nun kehrt mit der Detroit Motor Show zeitweise etwas vom früheren Glanz in die "Motor City" zurück. Die Messe, die in diesem Jahr vom 13. bis zum 26. Januar Autohersteller aus aller Welt nach Detroit lockt, ist der traditionelle Auftakt der Automobilbranche ins Jahr. Hier lassen sich die ersten Trends erkennen — und die US-Hersteller feiern ihr Comeback.

"Detroit ist das große Heimspiel der US-Hersteller", sagt auch der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (Car) der Universität Duisburg-Essen. Dass diese Rückkehr möglich wurde, liegt auch an dem radikalen Wandel, dem sich die drei Konzerne unterzogen haben.

Am sichtbarsten werden die Veränderung bei General Motors (GM). Mit Mary Barra steht erstmals in der mehr als 100-jährigen Firmengeschichte eine Frau an der Spitze. Die Ingenieurin löste pünktlich zur Motor Show Dan Akerson ab, der den Konzern nach der Blitz-Insolvenz 2009 saniert hat.

GM hat in den vergangenen Jahren Fabriken geschlossen, das Händlernetz ausgedünnt und Automarken wie Pontiac abgestoßen. Inzwischen macht GM wieder Milliardengewinne und der Staat hat den verbliebenen Teil seiner Anteile, die er nach der Insolvenz übernommen hatte, verkauft.

Zukünftig soll das, was Akerson angefangen hat, von Barra fortgeführt werden. Die Losung hat sie bereits vorgegeben: "No more crappy cars" — keine Schrottkarren mehr. GM sei auf einem guten Weg, sagt Dudenhöffer. Im Management seien die Zuständigkeiten sinnvoller geordnet, das Marken-Netz ausgedünnt, die deutsche Tochter Opel durch den Rückzug von Chevrolet vom europäischen Markt gestärkt.

Auch Ford habe aus Fehlern der Vergangenheit gelernt. "Das Unternehmen hat sich in den vergangenen zehn Jahren radikal neu erfunden." Als einziger der drei großen US-Hersteller kam das Unternehmen ohne Staatshilfe durch die Krise, obwohl die Verschuldung laut Dudenhöffer sogar höher als bei der Konkurrenz gewesen sei.

Doch die Strategie von Konzernchef Alan Mulally, der zuletzt angeblich auch von Microsoft als Nachfolger des scheidenden Chefs Steve Ballmer umworben wurde, zeigte Wirkung: Ford verkaufte die Töchter Jaguar und Land Rover und konzentrierte sich wieder verstärkt auf die Kernmarke. Zudem half die Baugleichheit vieler Teile, bei der Autoproduktion Kosten zu sparen. Der Gewinn auf dem US-Markt stieg in den ersten drei Quartalen 2013 pro Fahrzeug im Vergleich zum Vorjahr von umgerechnet 824 auf 961 Euro, zeigt eine Studie des Car-Instituts. Sorgenkind bleibt allein der europäische Markt.

Noch profitabler ist allerdings Konkurrent Chrysler mit einem absoluten Gewinn von 972 Euro pro Fahrzeug. Das Unternehmen, das während der Finanzkrise vom italienischen Hersteller Fiat gekauft wurde, profitiert dabei von seiner starken Stellung auf dem US-Markt.

Trotz der zuletzt bekannt gewordenen Übernahme der beim Gesundheitsfonds der nordamerikanischen Autogewerkschaft UAW verbliebenen Firmenanteile durch Fiat, sieht Dudenhöffer den Eigentümer kritisch: Die starke Abhängigkeit der Italiener vom europäischen Markt sei ein Risiko. "Von den drei US-Unternehmen ist Chrysler dadurch am wackeligsten aufgestellt."

Ihren neuen Erfolg verdanken die US-Hersteller jedoch auch dem Bruch mit einem Klischee: "Das alte Bild von den Amerikanern mit den großen Schlitten stimmt nicht mehr", sagt Dudenhöffer. Die Amerikaner kauften verstärkt spritsparende Autos, da auch die Vorschriften inzwischen dem Niveau in Europa ähneln. Darauf hätten auch die Hersteller reagiert.

Bei den Elektroautos sei man noch weiter. Obwohl der US-Markt nur fünf Mal so groß ist wie der deutsche, werden laut Dudenhöffer 35 Mal so viele Elektroautos verkauft. "Und wenn Gas durch das Fracking in den USA noch günstiger werden sollte, dürfte auch der Anteil der Erdgas-Autos schneller steigen."

(RP)
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