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Charles Chaplin: Die einprägsamste Figur der Filmgeschichte

Einprägsamste Figur der Filmgeschichte : Vor 125 Jahren wurde Charlie Chaplin geboren

Charles Spencer Chaplin – besser bekannt als Charlie Chaplin – war der populärste Filmemacher des 20. Jahrhunderts. Am 16. April wird der 125. Geburtstag des großen Filmkomikers gefeiert.

Charles Spencer Chaplin — besser bekannt als Charlie Chaplin — war der populärste Filmemacher des 20. Jahrhunderts. Am 16. April wird der 125. Geburtstag des großen Filmkomikers gefeiert.

Als Schauspieler, Regisseur und Produzent hat er Millionen von Menschen weltweit zum Lachen gebracht. Mit der Figur des Tramp — des Vagabunden mit dem Bürstenbärtchen, den viel zu großen Hosen, der zu engen Jacke, der kleinen Melone auf dem Kopf, den überdimensionierten Schuhen und dem vielseitig einsetzbaren Bambusstöckchen — hat er die wohl einprägsamste Figur der Filmgeschichte geschaffen.

Bereits als Kind trat Chaplin in seiner Geburtsstadt London in die Fußstapfen seiner Eltern, die ihre Brötchen als Unterhaltungskünstler in den Music-Halls verdienten. An der Seite seines Halbbruders Sidney durchlebte er eine Kindheit wie in einem Dickens-Roman: Der überwiegend abwesende Vater war alkoholkrank, die Mutter geistig verwirrt. Die Familie landete im Armenhaus. Mit seinem Bruder ließ der junge Charlie diese bedrückenden Verhältnisse hinter sich. Er wurde der Star einer englischen Theatertruppe, die von 1910 bis 1912 umjubelte Gastspiele in Nordamerika gab.

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Chaplin fühlte sich unterfordert

Die sich gerade sprunghafte entwickelnde US-Filmindustrie wurde auf den hochtalentierten Komiker aufmerksam. In den schlicht gestrickten Slapstickfilmen der Keystone Studios fühlte er sich unterfordert. Er begann, die Figur des Tramp zu entwickeln und selbst Regie zu führen.

Der Erfolg war so riesig, dass er bereits wenige Monate danach einen hoch dotierten Vertrag beim Filmunternehmen Essanay unterschrieb. Nach einem noch besseren Kontrakt wurde Amerikas neuer Filmheld, der im Film den besitzlosen Streuner spielte, bereits mit 28 Jahren zum Millionär.

In dieser Zeit erweiterte er kontinuierlich das Spektrum des Komischen mit seiner tänzerisch anmutenden Körpersprache, seiner sprechenden Mimik und seinen ausgeklügelt choreographierten Gags. Wo immer er hin kam, löste er Massenaufläufe aus. Das änderte sich auch nicht, als er seine ersten abendfüllenden Filme drehte.

"The Kid" (1921) war eine tragikomische Verarbeitung seiner traumatischen Kindheitserfahrung, in "Goldrausch" (1925) versucht sich der Tramp als Goldgräber im eiskalten Alaska, in "Der Zirkus" (1928) reflektierte Chaplin das Dasein als Clown. Mit "Lichter der Großstadt" (1931), einer bezaubernden Liebesgeschichte zwischen dem Tramp und einer blinden Blumenverkäuferin, trotzte er noch einmal dem Tonfilm. Nicht nur für ihn war es undenkbar, dass der Tramp auf einmal zu sprechen anfing. In "Moderne Zeiten" (1936) hat Chaplins Leib- und Magenfigur ihren letzten Auftritt. Charlie macht einmal den Mund auf, als Aushilfskellner singt er einen Nonsens-Text. Ansonsten zeigt der Film, wie der Individualist Charlie in die Maschinerie des modernen Industriezeitalters gerät.

Kapitalismuskritik kam nicht überall an

Die unübersehbare Kapitalismuskritik kam nicht überall an. Sein bewegtes Liebesleben füllte die Klatschspalten, zudem nahmen es ihm viele übel, dass er partout Brite bleiben wollte. Das FBI begann, eine Akte über ihn anzulegen. Gegen heftigen Widerstand setzte Chaplin sein Projekts eines Anti-Hitler-Films durch. Dem nahezu gleichaltrigen Diktator, der ihm, wie er sagte, "sein Bärtchen geklaut hat", ihn die Parade zu fahren, war ihm eine Herzensangelegenheit. "Der große Diktator", in dem Chaplin in Gestalt des Diktators Hynkel Adolf Hitler parodierte, wurde sein größter Kassenerfolg.

Als ihm 1952 während eines Kurzbesuches in London zur Weltpremiere seines Films "Rampenlicht" die Erlaubnis zur Wiedereinreise in die USA entzogen wurde, nutzte er die Gelegenheit, den USA und Hollywood den Rücken zu kehren. Er ließ sich mit seiner vierten Ehefrau Oona, der Tochter des Dramatikers Eugene O'Neill, in Vevey am Genfer See nieder. Dort wuchsen auch die acht Kinder des Paares auf, darunter die älteste Tochter Geraldine, die es als Schauspielerin selbst zu einigem Filmruhm bringen sollte.

Seine beiden letzten Filme "Ein König in New York" (1957) und die komödiantische Romanze "Die Gräfin von Hongkong" (1967) gingen sang- und klanglos unter. Nachdem er 1972 für die Entgegennahme des Ehren-Oscars noch einmal in die USA zurückgekehrt war, wurde es still um den größten Clown der Filmgeschichte. Er ist am 25. Dezember 1977 friedlich im Schlaf gestorben.

(KNA)