"Nackt unter Wölfen" wird neu verfilmt

Drehstart in Tschechien: "Nackt unter Wölfen" wird neu verfilmt

Das Buch "Nackt unter Wölfen" war in der DDR ein Klassiker und stand für Menschlichkeit unter barbarischen Bedingungen. Das Erfolgsduo Philipp Kadelbach (Regie) und Stefan Kolditz (Drehbuch) wagt die Neuverfilmung.

Der KZ-Roman "Nackt unter Wölfen" wird nach mehr als 50 Jahren für das Fernsehen neu verfilmt. Zum Auftakt der mehrwöchigen Dreharbeiten am Montag in Lesetice-Vojna (Tschechien) seien Häftlings-Szenen auf einem Appellplatz des NS-Konzentrationslagers Buchenwald nachgestellt worden, teilte das Filmteam mit.

Das Buch des Buchenwald-Häftlings und ostdeutschen Autors Bruno Apitz (1900-1979) handelt von einem Kind, das in der Nazizeit in dem KZ bei Weimar von Häftlingen versteckt wird. Seine Rettung wurde zur Metapher für Menschlichkeit unter barbarischen Bedingungen. Der Film soll zum 70. Jahrestag der Lagerbefreiung 2015 TV-Premiere in der ARD haben.

Das Drehbuch schrieb Stefan Kolditz, Regie führt Philipp Kadelbach.
Sie hatten bereits beim ZDF-Mehrteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" großen Erfolg. "Im Bewusstsein um unsere Verantwortung gegenüber den Opfern wurde mit größter Sorgfalt und Genauigkeit am Drehbuch gearbeitet", sagte Produzent Benjamin Benedict der Nachrichtenagentur dpa. Umfangreiche Recherchen und die Zusammenarbeit mit namhaften Historikern gehörten ebenso dazu wie ausführliche Gespräche mit Häftlingen des Konzentrationslagers Buchenwald. "Unser Ziel ist, ein differenziertes Bild vom Lagerleben und den Häftlingen zu zeichnen."

Dies hatte kürzlich der Weimarer Historiker und Gedenkstättenleiter Volkhard Knigge angezweifelt. Das Lager lasse sich nicht auf Stereotype reduzieren. Für den Potsdamer Historiker Julius H. Schoeps bietet die Neuverfilmung die Chance, unterschiedliche individuelle und kollektive Entwicklungen in packender Weise zusammenlaufen zu lassen. Der Holocaust-Experte Jan van Pelt sieht in der jetzigen Version die fesselnde und dramatische Stärke des Romans bewahrt. Sie sei von der Last ideologischer Überziehung befreit und zeige ausgewogen die historischen Gegebenheiten in Buchenwald.

"Wir sind der Gedenkstätte Buchenwald sehr dankbar für die Drehgenehmigung", sagte Benedict. Die Potsdamer Ufa Fiction dreht unter Federführung des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) im Mai auch in Berlin sowie vor der KZ-Gedenkstätte Buchenwald. Im einstigen Lager selbst werden keine Szenen mit Schauspielern entstehen. "Nackt unter Wölfen" wurde in der DDR 1963 erstmals von Frank Beyer mit Erwin Geschonneck, Fred Delmare und Armin Müller-Stahl verfilmt.

(dpa)