Hacker spionierte mit der Webcam: Selbst das Kinderzimmer ist nicht mehr sicher

Hacker spionierte mit der Webcam : Selbst das Kinderzimmer ist nicht mehr sicher

Düsseldorf (RPO). Ein Computer mit Internetanschluss ist für die meisten Kinder in Deutschland Standard. Doch Datenschützer warnen: Der Umgang mit dem Internet sei zu sorglos. Dies beweise der Fall eines Hackers, der Mädchen heimlich über ihre Webcams beobachtet hat. Aber Eltern können ihre Kinder schützen.

Das Kinderzimmer ist vermutlich für jedes Kind genau der Ort, an dem es sich am wohlsten fühlt. Eine elternfreie Zone, die nur dem Teenie gehört. Sicher, geborgen, ein Rückzugsraum. Doch bei einigen Mädchen trat das Gegenteil ein. Sie wurden von einem 44-jährigen Mann aus dem Rheinland ausspioniert. Er hatte sich unbeobachtet eine Verbindung zu den Webcams der Opfer verschafft. Als die Polizei beim Täter klingelte, liefen laut Berufsverband der Datenschützer Deutschlands 150 Videos aus Kinderzimmern gleichzeitig auf dem PC. Wie gefährlich ist das Netz und wie weit verfolgt es uns?

71 Prozent der 7- bis 10-Jährigen sind regelmäßig online, wenn ihre Eltern einen Internetanschluss besitzen, bei den 15- bis 17-Jährigen sind es sogar 99 Prozent. Das geht aus einer Studie des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) aus dem letzten Jahr hervor. Kinder und Jugendliche nutzen das Web 2.0 besonders intensiv, jeder Zweite stellt eigene Fotos ins Netz.

Dennoch gehöre der Computer dazu und sei nicht schlecht, sagt Peter Widlok von der Landesmedienanstalt NRW und warnt gleichzeitig: "Viele Nutzer geben bei sozialen Netzwerken sorglos Daten preis und denken, nur die engsten Freunde könnten sie sehen, dabei sind sie öffentlich." Den Eltern rät er, das Internet nicht als einen "elektronischen Babysitter" zu sehen. "Kinder müssen erzählen dürfen, wenn sie auf Dinge im Netz stoßen, die sie verstören", erklärt Widlok.

ICQ-Account geknackt

Die ausspionierten Mädchen merkten jedoch nicht, dass sie beobachtet wurden. Der Hacker ging besonders tückisch vor: Er hatte unter anderem den ICQ-Account eines Mädchens geknackt, die ein schwaches Passwort verwendet hatte, und die als Bildschirmschoner getarnte Schadsoftware unter ihrem Namen verschickt. Die angeschriebenen Mitschüler schöpften keinen Verdacht.

Der Bundesverband der Datenschützer Deutschlands (BvD) rät deshalb, stets starke Passwörter zu wählen, um die Zugänge zu sozialen Netzwerken zu schützen. Auch der Umgang mit dem Computer muss bewusster werden: "Dass über Wochen niemand das Ausspähen bemerkt hat, liegt letztlich daran, dass zu wenig darauf geachtet wird, ob der Rechner noch arbeitet, während man selbst schon nicht mehr daran sitzt", sagt Thomas Floß vom BvD.

Firewall unerlässlich

Brennt die Kontrollleuchte der Webcam, obwohl diese gar nicht eingeschaltet ist, sollten Surfer misstrauisch sein. Deshalb rät Nils Schröder vom Büro des Landesbeauftragten für Datenschutz NRW, die Webcam so umzustellen, dass sie immer wieder gesondert aktiviert werden muss. Außerdem seien Virenschutz und Firewall unerlässlich, unbekannte Anhänge sollten nicht geöffnet werden, sagt Schröder.

Laut Widlok von der Landesanstalt für Medien hätte das gegen die Spionage des Hackers, gegen den die Staatsanwaltschaft Aachen nun ermittelt, nicht geholfen: "Wir müssen mit der Entwicklung der Medien Stand halten", sagt Widlok und mahnt, dabei könne man nicht vorsichtig genug sein. Insgesamt sei der Umgang mit dem Internet "zu lasch und zu sorglos", was Missbrauchsfälle von Daten wie beim Cyber-Mobbing bewiesen.

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