So viel verdienen Azubis 2018 - das zeigt eine Gehalt-Studie der Hans-Böckler-Stiftung

Studie der Hans-Böckler-Stiftung : So unterschiedlich verdienen Azubis in Deutschland

Kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres hat die Hans-Böckler-Stiftung die tarifliche Vergütung von Lehrlingen verglichen. Zwischen den Branchen und Bundesländern gibt es große Unterschiede.

Wie viel Geld ein Auszubildender bekommt, unterscheidet sich je nach Branche und Bundesland zum Teil deutlich. Eine am Mittwoch in Düsseldorf vorgestellte Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass die Differenz innerhalb einer Branche bis zu 296 Euro beträgt. Während ein angehender Kfz-Handwerker in Baden-Württemberg im dritten Lehrjahr 956 Euro erhält, bekommen Auszubildende in Brandenburg 660 Euro.

In der Regel ist die Bezahlung in Westdeutschland besser als im Osten, zudem gibt es ein Süd-Nord-Gefälle, wie die Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Stiftung ergab. In der chemischen Industrie erhalten die Auszubildenden im Osten den Angaben zufolge im dritten Jahr eine Vergütung in Höhe von 1.030 Euro. Im Bezirk Nordrhein beträgt die Ausbildungsvergütung hingegen 1.117 Euro. In der Metall- und Elektroindustrie machen die Unterschiede bis zu 97 Euro aus. In Nordrhein-Westfalen bekommen Auszubildende laut Studie 1.102 Euro, in Baden-Württemberg sogar 1.199 Euro.

Die höchste Vergütung bekommen der Studie zufolge Auszubildende im vierten Jahr im westdeutschen Bauhauptgewerbe mit 1.580 Euro. Eine besonders niedrige Vergütung wird im thüringischen Kfz-Handwerk mit 610 Euro im ersten Ausbildungsjahr gezahlt. Das meiste Geld verdienen Azubis in der Metall- und Elektroindustrie, die als einzige Branche bereits im ersten Ausbildungsjahr in den meisten Regionen mehr als 1.000 Euro zahlt.

Zwischen 900 und 1.000 Euro erhalten Auszubildende im ersten Jahr beispielsweise im Bank- und Versicherungsgewerbe, im öffentlichen Dienst und in der Druckindustrie. Vergütungen zwischen 700 und 900 Euro werden unter anderem an neue Auszubildende in der Textilindustrie, im Bauhauptgewerbe und im Einzelhandel gezahlt. Ausschließlich ostdeutsche Tarifbereiche vergüten den Angaben zufolge ihre Auszubildende mit weniger als 700 Euro.

Da für Auszubildende der gesetzliche Mindestlohn nicht gilt, spielt laut Böcker-Stiftung für sie eine große Rolle, ob ihr Betrieb nach Tarif zahlt oder nicht. In der wachsenden Anzahl nicht-tarifgebundener Betriebe würden jedoch häufig deutlich niedrigere Vergütungen gezahlt, erklärte der Leiter des Tarifarchivs des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts, Thorsten Schulten. Er sprach sich deshalb für die Einführung einer gesetzlichen Mindestausbildungsvergütung aus.

Das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts hat für die Studie 16 ausgewählte Tarifbranchen ausgewertet.

(wer/dpa/AFP/epd)
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