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RWE: Zwei Jahre mehr Kündigungsschutz

Essen : Bei RWE zwei Jahre mehr Kündigungsschutz

Am Donnerstag schnürt der Vorstand das Paket zum Kündigungsschutz, Mitarbeiter müssen flexibler werden. Am Freitag berät der Aufsichtsrat. Hier muss RWE-Chef Terium sagen, wie er auf Eons Abspaltung der Kraftwerkssparte reagieren will.

Die 60.000 Beschäftigten von RWE können sich auf eine Verlängerung des Kündigungsschutzes freuen. Nach zähen Verhandlungen kommen am Donnerstag RWE-Personalvorstand Uwe Tigges und die Spitzen der Arbeitnehmer-Vertreter, darunter Verdi-Chef Frank Bsirske, zum Spitzengespräch zusammen, wie unsere Redaktion aus Gewerkschaftskreisen erfuhr.

Sie wollen ein Paket vereinbaren, wonach der Kündigungsschutz, der eigentlich Ende 2014 ausläuft, um mindestens zwei Jahre verlängert wird. So lange sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Im Gegenzug müssen die Mitarbeiter, deren Arbeitsplatz im Zuge des Konzern-Umbaus wegfällt und die in die RWE-interne Vermittlungsgesellschaft "Switch" wechseln, bei Versetzungen viel flexibler sein als bisher. So müssen sie auch eine Arbeit an einem anderen Standort oder bei einer anderen RWE-Tochter annehmen, wenn sie sich den Kündigungsschutz sichern wollen, heißt es weiter.

Vorstand Tigges hatte zunächst den Kündigungsschutz überhaupt nicht verlängern wollen, um den geplanten Stellenabbau realisieren zu können. Der zweitgrößte deutsche Energiekonzern baut derzeit Tausende Stellen ab. Die Gewerkschaft Verdi fordert dagegen eine Verlängerung des Kündigungsschutzes bis Ende 2018, wie die Verdi-Tarifkommission am Montag beschlossen hat. Weiter fordert Verdi auch 4,5 Prozent mehr Lohn über eine Laufzeit von zwölf Monaten. Der aktuelle Tarifvertrag läuft Ende dieses Jahres aus. Am 16. Dezember findet die erste Runde der Tarifverhandlung statt. Vermutlich wird man am Ende bei einem Plus von zwei bis 2,5 Prozent landen. Jeder Prozentpunkt Lohnerhöhung kostet RWE knapp 65 Millionen Euro im Jahr zusätzlich. Die RWE-Sprecherin sagte: "Aktuelle Verhandlungen kommentieren wir nicht, jedoch verlaufen die Gespräche mit der Arbeitnehmerseite konstruktiv."

Am 12. Dezember kommt der Aufsichtsrat von RWE zusammen, um über die mittelfristige Finanzplanung und die Dividende zu beraten. Nach Berichten über eine mögliche Dividenden-Senkung hatte RWE auf einer Analysten-Konferenz in London am 25. November zu verstehen gegeben, dass es wenigstens für 2014 noch bei einem Euro Dividende pro Aktie bleiben soll, wie Analysten berichten. Rein rechnerisch ist für dieses Jahr eine Dividende zwischen 78 Cent und 1,13 Euro pro Aktie drin. "Ich gehe davon aus, dass RWE mindestens noch für 2014 eine Dividende von einem Euro pro Aktie zahlt. Der Druck der kommunalen Aktionäre ist hoch, zudem fährt RWE bereits die Investitionen herunter, um eine entsprechende Dividende stemmen zu können", sagte Sven Diermeier, Analyst bei Independent Research. RWE hat für 2014 Investitionen von 3,5 Milliarden Euro geplant, die in den folgenden Jahren auf 2,5 und 2,0 Milliarden absinken sollen. Auch über den Investitionsplan berät der Aufsichtsrat.

"Wie es in den folgenden Jahren mit der Dividende weitergeht, bleibt abzuwarten. Das hängt auch davon ab, ob der Verkauf von Urenco und Dea gelingen", so Diermeier. Der Verkauf der Ölfördertochter Dea, der fünf Milliarden Euro einbringen sollte, ist ins Stocken geraten und dürfte in diesem Jahr (anders als geplant) nicht mehr zu realisieren sein. Offen ist auch, ob im nächsten Jahr der Verkauf der Urantochter Urenco gelingt. Der könnte RWE laut Analysten einen Ertrag von 1,6 Milliarden Euro bringen.

RWE leidet wie die ganze Branche unter der Energiewende und dem Fall der Großhandelspreise. Vor zwei Jahren hatte der Essener Dax-Konzern bereits über eine Abspaltung seiner ebenfalls Not leidenden Kraftwerkssparte nachgedacht, die der Konkurrent Eon nun jüngst für sich angekündigt hat. Diese Pläne hatte RWE damals wieder verworfen. Die Arbeitnehmerbank will RWE-Chef Peter Terium am Freitag im Aufsichtsrat fragen, ob es dabei bleibt - und was seine Pläne sind.

(RP)