1. Wirtschaft
  2. Unternehmen

E.on: Umweltminister Johannes Remmel warnt E.on, seine 14 Milliarden "zu verfrühstücken"

NRW : Eon soll Atomrückstellung wie Pensionen sichern

Umweltminister Remmel warnt Eon, seine 14 Milliarden "zu verfrühstücken". Der Konzern hat neuen Ärger in Brasilien.

Der Streit um die Milliarden-Rückstellungen der Atom-Konzerne geht weiter. NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) forderte die Bundesregierung auf, das Geld zu schützen. "Die Bundesregierung muss sicherstellen, dass die Rückstellungen der Unternehmen langfristig gesichert werden - sei es nun in Form einer Stiftung oder einem Treuhandmodell, wie dies in der freien Wirtschaft mit Pensionsrückstellungen in der Vergangenheit praktiziert wurde", sagte Remmel unserer Zeitung. "Es darf nicht dazu kommen, dass die Vermögenswerte und Rückstellungen von den Unternehmen verfrühstückt werden und die Öffentlichkeit letztlich auf den Kosten der Atomaltlasten sitzen bleibt."

Der Branchenprimus hat für Rückbau und Verschrottung der Meiler 14 Milliarden Euro zurückgelegt. Diese werden bis 2016 mit vielen unrentablen Geschäften wie der Brasilien-Tochter Eneva in ein neues Unternehmen ausgelagert, was die Politik besorgt.

Pensionsrückstellungen von 3,4 Milliarden Euro hat Eon schon vor längerer Zeit ausgelagert. Die Zusagen werden im wesentlichen durch die Eon Pension Trust e.V. treuhänderisch verwaltet. Weiteres Vermögen wird von kleineren inländischen Pensionskassen gehalten. Derzeit finanziert Eon 56 000 Pensionäre und Hinterbliebene. Daneben gibt es 14 000 ausgeschiedene Mitarbeiter und 47 000 aktive Mitarbeiter mit Ansprüchen.

Weiter offen ist die Frage, ob die Rückstellungen der Branche überhaupt reichen. Remmel mahnt die Bundesregierung, "endlich die Ergebnisse der unabhängigen Überprüfung" vorzulegen, die der Bundesrat eingefordert hatte. "Wir brauchen jetzt Klarheit. Erweisen sich die Rückstellungen der Firmen als nicht ausreichend, erwarte ich von Minister Gabriel, dass die Bundesregierung dafür Sorge trägt, dass die Rückstellungen auf das angemessene Maß erhöht werden."

Das Bundeswirtschaftsministerium hat hierzu ein Gutachten in Auftrag gegeben, das noch vor Weihnachten vorgelegt werden soll. Es soll offenbar vom Energie-Professor Wolfgang Irrek und der Kanzlei Becker Büttner Held erstellt werden, die als besonders Konzern-kritisch gilt. "Da können wir uns schon vorstellen, was darin steht: Die Rückstellungen der Konzerne sind viele zu gering", heißt es in der Branche. Die Kanzlei äußerte sich nicht.

Derweil hat Eon weiter Ärger mit seinem Brasilien-Geschäft. Zwei Tochterfirmen der Eneva konnten fällige Zahlungen in Höhe von 9,41 Millionen Dollar für Kredite der Credit Suisse nicht aufbringen, wie gestern bekannt wurde. Der vom brasilianischen Industriellen Eike Batista gegründete Versorger verhandelt nun mit Gläubigern über eine Refinanzierung.

  • Eon-Umbau : Was die Abspaltung Anlegern bringt
  • Kommentar : Eon zeigt Tatkraft — und ist kein Vorbild für die Branche
  • Radikaler Umbau : Minister Gabriel: "Eon hat verstanden"

Auch an der Börse ging es für Eon bergab, nachdem die Berenberg Bank die Aktie zum Verkauf empfohlen hatte. Das Papier gab um 1,8 Prozent nach. In der Vorwoche hatten Anleger die geplante Aufspaltung des Unternehmens mit einem Kursfeuerwerk gefeiert. Die Aktie des Konkurrenten RWE rutschte gestern um 2,3 Prozent ab.

Hier geht es zur Infostrecke: Das ist der Eon-Konzern

(RP)