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RWE: Chefaufseher Manfred Schneider will weitermachen

Manfred Schneider will bis 2018 bleiben : 76-jähriger RWE-Chefaufseher will weitermachen

Der Chef des RWE-Aufsichtsrates, Manfred Schneider (76), hat sich bereit erklärt, sein im Frühjahr 2016 auslaufendes Mandat um zwei Jahre zu verlängern, wie unsere Redaktion aus Aufsichtsrats-Kreisen erfuhr.

Damit wolle er nach der Absage von geeigneten Kandidaten den Konzern vor einer Führungskrise bewahren. Schneider würde somit bis Frühjahr 2018 im Amt bleiben, im Dezember 2018 wird er 80 Jahre alt. Die RWE-Sprecherin sagte dazu, Aufsichtsrats-Angelegenheiten kommentiere man nicht.

Zuvor hatte Schneiders eigentlicher Favorit Hans-Peter Keitel erklärt, dass er für den Posten des Chefkontrolleurs nicht zur Verfügung stehe. Just zum Tage der Bilanz-Vorstellung hatte Keitel über das "Manager Magazin" einen Brief veröffentlicht, in dem er Aufsichtsrats-Chef Manfred Schneider als Nachfolger absagt. Keitel (67) bedankt sich für Schneiders Angebot, ihm ab 2016 zu folgen, findet sich aber zu alt. Er sei davon überzeugt, dass RWE in seiner Lage einen Kontrolleur brauche, der für zwei Amtsperioden zur Verfügung stehe.

Zugleich macht Keitel deutlich, dass er enttäuscht von Schneider sei, weil er nicht rechtzeitig eine Mehrheit im Aufsichtsrat organisieren konnte. Die kommunalen Aktionäre, die ein Viertel der RWE-Anteile halten, hatten Bedenken gegen Keitel und hätten lieber einen Chef, der das Interesse der 160 Kommunen mehr im Fokus hat als der frühere Industrie-Präsident.

300.000 Stromkunden 2014 verloren

Immerhin beim Vorstandschef gelang es Schneider, seine Pläne durchzusetzen. Eigentlich waren die Gewerkschaften zunächst dagegen, den Vertrag von RWE-Chef Peter Terium vorzeitig zu verlängern. Zugleich lehnte Schneider zunächst eine Verlängerung des Vertrages von Personalvorstand Uwe Tigges ab. Am Ende schmiedeten Schneider und Verdi-Chef Frank Bsirske einen Pakt, ohne die Kommunen zu fragen, und setzten Terium und Tigges im Paket durch. Schließlich hatte der Aufsichtsrat in der vergangenen Woche einstimmig die Vertragsverlängerung von Terium beschlossen.

RWE steckt in einer schweren Krise. Viele Kraftwerke schreiben rote Zahlen, der Konzern hat im vergangenen Jahr in Europa 300.000 Stromkunden verloren. Der Essener Konzern hat am Montag bei der Vorlage seiner Bilanz eine Verschärfung des Sparprogramms angekündigt und muss noch mehr Stellen abbauen.

"Wir wollen betriebsbedingte Kündigungen vermeiden"

Von einst 74.000 Mitarbeitern ist RWE bereits auf 59.800 geschrumpft. Bis Ende 2017 sollen es nur noch 58.200 Mitarbeiter sein, allein bei der Kraftwerks-Tochter fallen 850 Stellen weg. Und von nun an wird der Jobabbau schmerzhafter werden. Instrumente wie hohe Abfindungen, Vorruhestand oder Sprinterprämien werde es nach 2015 nicht mehr wie bisher geben, sagte Personalvorstand Tigges.

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"Wir wollen betriebsbedingte Kündigungen vermeiden, ausschließen können wir sie nicht", so Terium. Zudem droht außertariflichen Mitarbeitern der Ausfall von Boni, die an den Verschuldungsgrad (Nettoschulden zu Vorsteuer-Gewinn) gekoppelt ist. Anstatt zu sinken steigt dieser Grad an. RWE hat 31 Milliarden Euro Schulden.

(anh)