Essen: RWE verkauft Dea nach Zitterpartie an Russen

Essen : RWE verkauft Dea nach Zitterpartie an Russen

Geschafft: Trotz Bedenken der Briten will der russische Investor die Ölförder-Tochter bis März für fünf Milliarden kaufen. Die RWE-Aktie legt kräftig zu. Kommunen fordern nun stabile Dividende. Das Personal-Karussell dreht sich.

Seit Jahresanfang ist die RWE-Aktie um zwölf Prozent gefallen. Gestern nun überraschte RWE-Chef Peter Terium die Anleger mit der Ankündigung, dass der Essener Konzern die Ölförder-Tochter Dea allen Schwierigkeiten zum Trotz bis März 2015 übernehmen will. Die Anleger reagierten begeistert. Die Aktie legte zeitweise um fast acht Prozent zu. "RWE und die LetterOne-Gruppe haben sich darauf verständigt, den Verkauf der RWE Dea spätestens Anfang März umzusetzen. Auf Basis aktueller Währungskurse beträgt der vereinbarte Unternehmenswert nunmehr circa fünf Milliarden Euro", teilte RWE mit.

Das ist zwar weniger als die 5,1 Milliarden Euro, die der Konzern im März angekündigt hatte. Und anders als geplant kann der Deal auch nicht mehr die Bilanz für 2014 aufhellen. Doch der Abschlag fällt deutlich geringer aus, als Analysten in den vergangenen Tagen befürchtet hatten. Sie rechneten damit, dass der hinter LetterOne stehende russische Oligarch Michael Fridman wegen des Ölpreis-Absturzes deutlich weniger zahlen würde.

Eine Zustimmung der britischen Regierung ("Comfort Letter") steht jedoch weiterhin aus. Ein Fünftel ihres Geschäftes macht die Dea in Großbritannien. Und die britische Regierung fürchtet, dass die Russen Zugriff auf britische Bodenschätze in der Nordsee bekommen. Um die Bedenken der Briten zu zerstreuen, haben sich die Russen nun verpflichtet, das britische Dea-Geschäft mehrere Jahre getrennt von den restlichen RWE Dea-Aktivitäten zu halten. Zudem hat sich RWE für ein Jahr verpflichtet, die britischen Dea-Aktivitäten zurückzukaufen, falls es im Zuge der Ukraine-Krise zu neuen Sanktionen gegen die LetterOne-Gruppe oder Fridman kommt.

Laut RWE könnte der Deal jetzt nur noch daran scheitern, dass sich bis zum endgültigen Vollzug eine Katastrophe bei Förderprojekten ereignet. Kartellrechtliche Genehmigungen lägen schon vor. RWE hatte die Dea in den 80er Jahren für wenig Geld gekauft, als sie noch Texaco hieß. Das Unternehmen mit Sitz in Hamburg hat 1400 Beschäftigte.

Für RWE und den um seine Vertragsverlängerung kämpfenden Vorstands-Chef wäre der endgültige Abschluss des Deals ein Befreiungsschlag. Der Konzern ist mit 31 Milliarden Euro hoch verschuldet, davon sind zehn Milliarden Euro Finanzverbindlichkeiten. Diese würden durch den Erlös aus dem Dea-Verkauf kräftig sinken. Wegen der Energiewende sind die RWE-Gewinne in der Kraftwerkssparte dramatisch eingebrochen, der Konzern sucht derzeit ein neues Geschäftsmodell.

Auch die kommunalen Aktionäre, die insgesamt 25 Prozent an RWE halten, freuen sich über den Abschluss - und wollen davon profitieren. Für die Stadt Essen, die mit einem Anteil von 3,03 Prozent zu den großen Aktionären zählt, sagte Kämmerer Lars Martin Klieve: "Wir Kommunen freuen uns über den erfolgreichen Verkauf der Dea. Die Milliarden-Zahlung bestärkt uns in unserer Forderung nach einer stabilen Dividende. Wir erwarten jetzt mehr denn je, dass RWE uns für 2014 und 2015 einen Euro pro Aktie zahlt." Für 2013 hatte RWE die Dividende auf einen Euro pro Aktie beziehungsweise auf 150 Millionen für die Kommunen insgesamt halbiert. Für 2014 wäre rein rechnerisch auch eine Dividenden-Senkung drin. Allerdings hatte RWE bei der Prognose für 2014 Dea außen vor gelassen.

Unterdessen dreht sich das Personal-Karussell bei RWE weiter. Den Chef der niederländischen Tochter Essent hatte Terium bereits ausgetauscht. Nun muss der Lenker der Not leidenden britischen Tochter NPower, Paul Massara, gehen. Er soll durch Paul Coffey abgelöst werden, der derzeit in der Führung der Ökostrom-Tochter Innogy sitzt. Für Coffey solle kein Nachfolger gesucht werden, da RWE die Innogy bis 2016 in den Konzern verschmelzen will. Das werde derzeit im Unternehmen diskutiert, heißt es in RWE-Kreisen. Dies kann die Organisation straffen und Verwaltungskosten sparen. Die Ökostrom-Tochter leidet ebenfalls unter einem Gewinn-Einbruch.

Zu Personalien und den Verschmelzungs-Plänen sagte der RWE-Sprecher: "Das sind Spekulationen. Wir äußern uns nicht zu Personal- und Umbau-Fragen, solange diese nicht final behandelt wurden."

(RP)
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