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Nicolas Berggruen übernimmt Warenhaus-Kette: Ein Kunstliebhaber als Karstadt-Retter

Nicolas Berggruen übernimmt Warenhaus-Kette : Ein Kunstliebhaber als Karstadt-Retter

Essen (RPO). Er will Karstadt retten, jetzt bekam er den Zuschlag. Der private Finanzinvestor Nicolas Berggruen will alle Filialen erhalten und langfristig in die Warenhauskette investieren. Langfristiges Investment ist auch das, was sich seine Berggruen Holdings zur Aufgabe gemacht hat. Und bei allem spielt die Kunst eine gewisse Rolle.

Mit deutlicher Mehrheit hatte der Gläubigerausschuss für den Verkauf an Berggruen votiert, und auch die Gewerkschaft Verdi hatte ihn die ganze Zeit favorisiert. Nun will der 48-Jährige die "alte Dame", wie er Karstadt nannte, "erneuern und interessanter" machen.

80 Millionen Euro kostet ihn der Kauf, weitere 240 Millionen Euro will er künftig investieren. Die nötigen Rücklagen dafür hat er. Denn das Vermögen des Amerikaners mit deutschen Wurzeln wurde vom Forbes-Magazin im vergangenen Jahr auf 1,8 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Immobilien in Berlin

Berggruen ist Inhaber der Berggruen Holdings mit Hauptsitz in New York. Einen Ableger gibt es seit 2005 in Berlin - die Berggruen Holdings GmbH. Die hat sich auf Kauf, Sanierung und Verkauf von Immobilien in Potsdam und Berlin spezialisiert - von Wohnhäusern bis Gewerbeimmobilien. Rund 60 gehören dem Unternehmen, 225 Millionen Euro wurden investiert. Dazu gehören etwa in der Hauptstadt die Sarotti-Höfe oder das Café Moskau.

Solche Immobilien sieht das Unternehmen als "langfristige Vermögensanlage", wie es auf der Webseite heißt. "Immobilien sind für uns mehr als nur ein Investment." Und genau darauf hoffen auch die Karstadt-Mitarbeiter. Auf jemanden, der nicht nur das schnelle Geld sieht, sondern auch das Unternehmen selbst.

Neben dem Cashflow interessiere Berggruen Holdings bei den Immobilien auch Ästhetik und Kunst, heißt es weiter. Diese Vorliebe für Kunst wurde Berggruen quasi in die Wiege gelegt. Er wurde in Paris als Sohn des Kunstsammlers Heinz Berggruen geboren. Der Vater hatte eine umfassende private Sammlung und eine Vorliebe für Picasso. Heute gibt es in Berlin das Berggruen Museum, eine Sammlung moderner Kunst von Picasso bis Matisse, das der 2007 Gestorbene der Stadt hinterlassen hatte.

Und so ist der Junior in diversen Museen aktiv. Er ist Vorsitzender des Förderkreises des Berliner Museums Berggruen, sitzt im Beirat des Los Angeles County Museums und ist Mitglied des Internationalen Rates des Tate Museum von London.

Mit 17 Jahren nach New York

Mit nur 17 Jahren ging Berggruen nach New York und machte mit Investments ein Vermögen. Er studierte Finanzwissenschaften und Internationales Business an der Universtität von New York. Doch sein späteres Engagement konzentriert sich inzwischen nicht nur auf die USA und Deutschland. Berggruen Holdings unterhält auch Niederlassungen in London, Tel Aviv, Istanbul oder Mumbai.

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Das Unternehmen besitzt Hotelketten, eine Windenergie-Firma und sogar eine Reisfarm. Auch ins Mediengeschäft stieg er ein, rettete den angeschlagenen spanischen Medienkonzern Grupo Prisa, dessen Flaggschiff die größte Tageszeitung El País ist.

Ein sozial engagierter Mann - so beschreibt auch das Nicolas Berggruen Institute seinen Präsidenten auf seiner Webseite: Seine Investitionen seien oft kulturell und sozial getrieben. Vielleicht ist es genau das, was ihn an dem Traditionsunternehmen Karstadt gereizt hat, verbunden mit der Geschichte der Familie, die ursprünglich aus Deutschland stammte, aber schließlich emigrierte.

Hier geht es zur Bilderstrecke: "Angst um den Job: Karstadt-Mitarbeiter demonstrieren in Duisburg