Bayer: Spekulationen um Stellenabbau

Unternehmen aus Leverkusen : Spekulationen um Stellenabbau bei Bayer

Beim Investorentag in London soll ein Umbauprogramm diskutiert werden, das vor allem die Sparte Consumer Health treffen könnte. Eine von mehreren Baustellen im Konzern. Mitarbeiter sollen auch weniger reisen.

Mit einem Kursanstieg hat die Bayer-Aktie am Mittwoch auf Berichte reagiert, denen zufolge der Konzern einen Umbau vor allem im Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten (Consumer Health) und einen deutlichen Stellenabbau plant. Die Aktie gewann zwischenzeitlich fast 1,5 Prozent, musste die Gewinne aber später zum Teil wieder abgeben. Über die Pläne hatte zuvor das „Handelsblatt“ berichtet. Bayer wollte dazu auf Anfrage keine Stellung nehmen.

Bei Bayer rumort es. Schon seit einiger Zeit zieht der Konzern bei Spesen die Zügel an. „Wir sollen nach Möglichkeit auf Dienstreisen verzichten, das gilt auch für Flüge von Leverkusen hin zu anderen Standorten in Deutschland wie insbesondere Berlin“, sagt ein Manager. Das Unternehmen dränge darauf, dass deutlich mehr Videokonferenzen genutzt würden, damit Reise- und Hotelkosten eingespart würden. Ein Bayer-Sprecher bestätigt dies indirekt: „Die Mitarbeiter sind gehalten, mit Dienstreisen sorgsam umzugehen und alternative Kommunikationsmöglichkeiten zu nutzen.“

Bayer fährt also auf Sparkurs. Am 5. Dezember findet in in der englischen Hauptstadt London der jährliche „Capital Markets Day“ statt. Das ist eine Veranstaltung, an dem der Konzern potenziellen Investoren seine Vorstellungen von der Zukunft des Unternehmens vermittelt. An diesem Tag, so heißt es, solle der seit Ende März amtierende Comsumer-Health-Chef Heiko Schippers seine Pläne vorstellen. Dass ein möglicher Jobabbau die Schippers-Sparte treffen könnte, liegt auch daran, dass sie ihren Sitz in Basel hat. Sie ist deshalb von Standortgarantien und dem Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen in Deutschland bis Ende 2020 ausgenommen..

Consumer Health steht unter anderem für so bekannte Medikamente wie Aspirin, Alka Seltzer, Bepanthen, Iberogast und Rennie. Viele von ihnen waren in der Vergangenheit Verkaufsschlager, manche sind es noch. Aber bei Aspirin zum Beispiel sind die Erlöse im dritten Quartal dieses Jahres gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal um mehr als elf Prozent eingebrochen.

Wachstum verzeichnet der Bereich vor allem in der Region Asien/Pazifik, aber auch das hat nicht verhindern können, dass der Vorsteuergewinn (Ebitda) von Juli bis September um fast zehn Prozent zurückgegangen ist. Wieder wird darüber spekuliert, dass sich der Bereich von kleineren Marken in einzelnen Ländern trennen könnte. Das hat das Unternehmen im dritten Quartal des vergangenen Jahres auch so gemacht, mit Einmalerträgen von 30 Millionen Euro.

Consumer Health ist gleichzeitig nur eine von mehreren aktuellen Baustellen im Bayer-Konzern. Die rund um die Übernahme des US-Konzerns Monsanto, dessen glyphosathaltiges Unkrautvernichtungsmittel Roundup und daraus folgender Tausender Klagen kranker Menschen in den Vereinigten Staaten sind nur eine davon.

In der Pharmasparte rumort es auch. Im Oktober forderte der Betriebsrat die Konzernspitze auf, Stellung zu einer möglichen Ausgliederung der Pharmaforschung zu nehmen. So waren Aussagen von Vorstandschef Werner Baumann interpretiert worden. Die Arbeitnehmer sorgen sich, weil im Projekt „Super Bowl“ alle Pharma-Forschungsstandorte geprüft werden, also Stellenabbau und Jobverlagerungen ebenso denkbar sind wie die Auslagerung von Medikamententests. Und schließlich sollen nach der Übernahme von Monsanto Synergien in Milliardenhöhe gehoben werden – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Belegschaft.

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