DB Schenker testet E-Lastenfahrräder in Großstädten

Warenlogistik: Für die letzten Meter

Die Bahn-Tochter Schenker will grüner werden. Dazu erprobt sie derzeit kleine Verteilzentren an den Stadträndern. Mit E-Lastenfahrrädern soll die Ware von dort in die Zentren gelangen. Tests laufen in Hamburg und Berlin.

Viele Großstädter verbindet ein gemeinsames Hobby: das Schimpfen über den Verkehr. Zweite Reihe-Parker, morgendlicher Stau, Lieferfahrzeuge mit online georderten Päckchen im Laderaum zuhauf. Der Logistiker Schenker hat gerade in mehreren europäischen Großstädten einen Testlauf gestartet, um das Problem mit großen Lieferfahrzeugen in den Innenstädten anzugehen.

„Am Bahnhof in Hamburg-Altona können Sie heute schon sehen, wie früh morgens ein 7,5-Tonner palettenweise Ladung anliefert, die dann auf E-Lastenfahrräder mit einer Kapazität von bis zu 250 Kilogramm umgeladen werden“, erklärt Andrea Schön, Umweltexpertin bei Schenker. „Es geht uns darum, auf der letzten Meile in die Innenstädte umweltfreundlicher zu werden und zugleich den Verkehr zu entlasten.“ Schenker testet derzeit in einem Dutzend Städte solche Minihubs an der Peripherie. Neben Hamburg läuft der Test auch in Berlin. Lastenfahrräder setzt das Unternehmen auch in größeren Städten in Frankreich, Norwegen und Finnland ein.

Auch an anderer Stelle setzt Schenker auf Elektrofahrräder. Die Logistik-Tochter der Bahn wird 17.000 Mitarbeiter mit Elektrobikes ausrüsten. „Konkret sollen über den Zeitraum der nächsten beiden Jahre 770.000 Kilometer Fahrstrecke mit dem Rad und nicht mit dem Dienstwagen zurückgelegt werden“, so Schön. Die Distanz von der Erde zum Mond und wieder zurück.

Die Fahrrad-Pläne reihen sich nahtlos in die Umweltstrategie des Essener Unternehmens ein. Gerade erst ist Schenker der Initiative E 100 beigetreten. Firmen wie HP, Ikea, Procter & Gamble und Unilever sind ebenfalls mit an Bord. „Wir verpflichten uns zunächst, die eigene Fahrzeugflotte im Verteilerverkehr schrittweise auf Elektromobilität umzustellen“, erläutert Umweltexpertin Schön. Danach sollen bis 2030 alle Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen auf elektrische Antriebe oder Brennstoffzellen umgestellt werden. Die Hälfte aller Fahrzeuge von 3,5 bis 7,5 Tonnen soll bis dahin ebenfalls elektrisch fahren.

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Schwieriger wird es hingegen bei größeren Lkw mit mehr als 7,5 Tonnen. Derzeit testet das Unternehmen den Einsatz des Fuso eCanter von Daimler in verschiedenen deutschen Städten und in Paris. In der Berliner Schenker-Geschäftsstelle wird im Rahmen des Tests iHub zudem ein größeres Fahrzeug mit einem Gesamtgewicht von 18 Tonnen erprobt. Den eigenen Fuhrpark umzurüsten, ist das eine. Allerdings setzt Schenker auf Tausende Subunternehmer. Denen hilft der Konzern bei der Beantragung von Fördergeldern.

Die Initiative beschränkt sich aber nicht nur auf die Straße. „Im Schiffsverkehr wollen wir weg vom Schweröl“, sagt Schön. „Das ist allerdings eine ungleich schwierigere Aufgabe als die Umstellung der Lkw. In einigen Häfen bieten wir derzeit zusammen mit unserem Partner Hapag Lloyd in einem ersten Schritt ein Projekt für Verlader, durch einen Zuschlag auf ihre Container auf nahezu schwefelfreien Kraftstoff umzustellen.“ Der nächste Schritt wäre eine Umstellung von Schweröl auf Flüssigerdgas LNG. Das löse allerdings zunächst nur das Schadstoffproblem. Schenker müssen deshalb langfristig genau schauen, ob beispielsweise Wasserstoff oder strombasierte Kraftstoffe eine gangbare Alternative seien. „Hierfür brauchen wir eine Sektor übergreifende Zusammenarbeit. Wir sind in diesem Zusammenhang in mehreren Arbeitskreisen aktiv“, sagt die Schenker-Expertin.

Im Luftverkehr baut der Logistiker zunächst auf die nächste Generation Düsentechnik, die mit 20 bis 30 Prozent weniger Kraftstoff pro Transporteinheit auskommen soll. Eine Umstellung von Flugzeugmotoren auf Elektroantriebe hat derzeit dagegen weit weniger Potenzial. „Mit dem derzeitigen Stand der Technik schaffen Sie gerade einmal Leistungen von 0,5 Megawatt. Damit ließe sich vielleicht ein Flugzeug in der Größe einer Cessna fliegen“, sagt Schön. „Wir benötigen aber Jumbos, die wiederum 20 Megawatt benötigen.“

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