Streik bei Real in Düsseldorf: Mehr als 3000 Beschäftigte streiken für ihre Zukunft

Proteste in Düsseldorf: Real-Belegschaft streikt für ihre Zukunft

Mehr als 3000 Beschäftigte sind dem Streikaufruf von Verdi gefolgt. Die Unternehmensführung gibt sich unbeeindruckt.

Die Walter-Eucken-Straße, eine Nebenstraße der Grafenberger Allee in Düsseldorf, ist an diesem Montagmorgen rappelvoll. Sie wird gesäumt von zig Bussen aus dem gesamten Bundesgebiet, aus Rostock und Aschersleben, aus Hamburg und Bremen, aus Karlsruhe und Passau, aus Wesel und Viersen. Und von Tausenden Männern und Frauen, die Verdi-Westen tragen und mit Trillerpfeifen für Lärm sorgen. Zwischenzeitlich spielt eine Band den Stevie-Wonder-Hit „Superstition“ und den Amy-Winehouse-Song „Valerie“, einige Frauen tanzen auf der Straße, und wenn man es nicht besser wüsste, könnte man glauben, man sei bei einer Straßenparty.

In Wirklichkeit geht es an diesem Tag um die Zukunft der Beschäftigten bei der SB-Warenhauskette Real. Mehr als 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dem Streikaufruf der Gewerkschaft gefolgt. Verdi will die Führung der Real-Muttergesellschaft Metro dazu bringen, in den alten Flächentarifvertrag zurückzukehren. Dafür hat sie nicht nur ihren Vorsitzenden Frank Bsirske auf die Bühne gebeten, sondern auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). Der Auftritt in Düsseldorf beschert dem Sozialdemokraten die Gelegenheit, bei jenen zu punkten, die für die SPD ureigene Klientel sind – Mitarbeiter eines Konzerns, für deren Rechte man eintreten will. Und so sagt Heil, dass er als Politiker natürlich nicht direkt in eine Tarifauseinandersetzung eingreifen, aber ein Zeichen setzen will „gegen die zunehmende Tarifflucht“. „Wir brauchen mehr Tarifbindung in Deutschland“, fordert er, und dazu wolle er alle Beteiligten an einen Tisch holen: „Wir werden über die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen reden müssen.“

Das sind Sätze, die in der Menge gut ankommen, unabhängig davon, dass sich die Real-Verantwortlichen davon wenig beeindrucken lassen. „Verdi schadet mit dem Streik sowie dem Aktionstag im laufenden Weihnachtsgeschäft dem Unternehmen und damit auch den Mitarbeitern“, sagt Vorstandschef Henning Gieseke, und sein Co-Chef Patrick Müller-Sarmiento macht unmissverständlich klar: „Ein Streik in der jetzigen Situation ist einfach nur sinnlos. Der unrealistischen Forderung nach einer Rückkehr in den Verdi-Flächentarifvertrag werden wir nicht nachkommen, da bei Real gültige Tarifverträge angewendet werden.“ Mit anderen Worten: Ihr könnt streiken, so viel ihr wollt, wir bleiben bei unserer Linie.

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Für jene, die zur Demonstration in die Landeshauptstadt gekommen sind, sind Heils Worte trotzdem ein bisschen Balsam für die Seele, vor allem für jene, die noch nicht lange für die Kette arbeiten. Sie werden nach einem Tarif bezahlt, den die Unternehmensführung mit der Gewerkschaft DHV ausgehandelt hat - einer Organisation, die Verdi-Chef Bsirske als „Gurkentruppe“ und „Handlanger des Kapitals“ bezeichnet. Da spielt natürlich auch die Wut darüber eine Rolle, dass Verdi bei Real nicht mehr wie vorher zum Zug kommt. Aber diese Wut findet bei Mitarbeitern, die bis zu 30 Prozent weniger verdienen als ältere Kollegen im gleichen Unternehmen, dankbare Adressaten. Altersarmut ist das, was Verdi für diese Beschäftigten fürchtet.

Dagegen wirft Metro-Chef Olaf Koch, der Real verkaufen will, der Gewerkschaft vor, keine Bereitschaft für eine „wettbewerbsfähige Lösung“ zu zeigen. Das Unternehmen sei weiter ein attraktiver Arbeitgeber. Seit Juni seien rund 3600 Mitarbeiter zu den neuen Konditionen eingestellt worden. So soll Real fit gemacht werden für einen neuen Investor. „Wir fordern, dass wir für gute Arbeit auch in gute Hände kommen“, sagt Gesamtbetriebsratschef Werner Klockhaus. Mehr als ein frommer Wunsch? Wie sagt es einer aus der Menge: „Die wollen doch nur möglichst viel Ballast loswerden, bevor sie den Laden ausschlachten.“ Da  ist schon eine Menge Frust in der Stimme. Dafür weniger Hoffnung.

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