1. Wirtschaft

Mein Erstes Geld: Süßes Verlangen

Mein Erstes Geld : Süßes Verlangen

Im Jahr 1972 besuchte ich die Quarta des bischöflichen Knabenkonvikts Collegium Augustinianum Gaesdonck, eines katholischen Internats in Goch, unmittelbar an der Grenze zu den Niederlanden. Als das Geld für Zeugnisnoten zur Aufbesserung der zuckerarmen Internatskost nicht mehr reichte, musste für einen 12-jährigen Schüler wie mich eine andere Einnahmequelle her. Und so machte ich mich regelmäßig zu Fuß auf den Weg – von Gaesdonck nach Goch, das vor allem eines zu bieten hatte: den örtlichen Aldi. Und ein unschlagbares Angebot: die Tafel Wappenschokolade für 49 Pfennig. In der Regel kaufte ich zehn, von denen ich fünf direkt an meine Mitschüler weiterverkaufte – für eine Mark das Stück, mit einer Handelsspanne von 100 Prozent also! Vielleicht wurde ich deshalb in der Obersekunda zum Getränkeverkäufer des Internats befördert . Schon damals erkannte ich den Vorteil längerer Öffnungszeiten: Der Durst der Schüler war abends nach dem Sport am größten. Da war der Preis nicht mehr das wichtigste Kaufkriterium, und ich erlaubte mir einen kleinen Nachtaufschlag.

Andreas Schmitz

(RP)