18. Start bei Einzelstrecken-WM: Pechsteins schwarzer Tag jährt sich zum zehnten Mal

18. Start bei Einzelstrecken-WM : Pechsteins schwarzer Tag jährt sich zum zehnten Mal

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein startet am Donnerstag zum 18. Mal bei einer Einzelstrecken-WM. Einzig 2009 verpasste die inzwischen 46-Jährige den Saisonhöhepunkt. Der Grund beschäftigt sie noch immer.

Mit der Vergangenheit wird Claudia Pechstein regelmäßig konfrontiert. Mit Inzell etwa, wo mit der Einzelstrecken-WM (7. bis 10. Februar) der Saisonhöhepunkt der Eisschnellläufer ansteht, verbindet die fünfmalige Olympiasiegerin ganz besondere Erinnerungen. 2011 gewann sie hier WM-Bronze über 5000 m, "die wichtigste Medaille meiner Karriere", wie sie einmal selbst sagte.

Die Medaille verschaffte der Berlinerin bei ihrer ersten internationalen Meisterschaft nach der umstrittenen zweijährigen Sperre wegen erhöhter Blutwerte Genugtuung. Rund zwei Jahre nach der verhängnisvollen Dopingprobe vom 7. Februar 2009 war Pechstein mit einem großen Knall auf das Eis zurückgekehrt. Wenn die 46-Jährige am Donnerstag über 3000 m in Inzell in ihre 18. Einzelstrecken-WM startet, jährt sich der schwärzeste Tag ihrer Karriere zum zehnten Mal.

Auf Kufen steht sie noch immer. Ein großer Knall ist nicht zu erwarten. Die Podestplatzierungen werden im zunehmend hohen Alter selten, beste deutsche Eisschnellläuferin ist sie trotzdem noch. Ihr größter Antrieb ist aber ohnehin ein anderer. Die Wut über die "Unrechtssperre" (Pechstein) treibt sie an - auf dem Eis und auch daneben.

"Claudia ist eine Kämpfernatur. Wenn sie diesen Biss nicht hätte, dann stünde sie nicht da, wo sie steht", sagte Matthias Kulik, Sportdirektor der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), dem SID.

Seit Jahren kämpft die streitbare Pechstein vor Gericht gegen die Folgen der Sperre, die auf einem erhöhten Blutparameter beruhte (Retikulozyten). "Ich habe nicht gedopt", sagte sie immer wieder. Unterstützung hat Pechstein längst auch vonseiten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) unter Präsident Alfons Hörmann erhalten. Eine Expertenkommission kam 2015 zu dem Schluss, dass die medizinische Bewertung, die zur Sperre geführt hatte, falsch gewesen sei.

Komplizierter ist der Kampf vor der Justiz. Pechstein ist mittlerweile beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) angelangt. Im Oktober sprachen die Richter ihr eine Entschädigung (8000 Euro) zu, da ihr in ihrem Verfahren vor dem Internationalen Sportgerichtshofs CAS eine öffentliche Anhörung zugestanden hätte. Die Beschwerde wegen der angeblich fehlenden Unabhängigkeit des CAS wurde hingegen zurückgewiesen.

Dagegen hat Pechstein Beschwerde vor der Großen Kammer des EGMR eingereicht. "Der Fall wird nochmal gänzlich aufgerollt", sagt ihr Münchner Anwalt Thomas Summerer, der sich mit seiner Mandantin seit Jahren durch die Instanzen kämpft. Daneben liegt beim Bundesverfassungsgericht (BVerfG) eine Verfassungsbeschwerde vor, die aber bis zum endgültigen Urteil des EGMR ruht. Wann dieses fällt, ist offen.

30 Medaillen hat Pechstein bei den seit 1996 ausgetragenen Einzelstrecken-Weltmeisterschaften gewonnen. Fünfmal stand sie auf dem Podium ganz oben. Dass eine weitere hinzukommt, ist trotz vier geplanter Starts (3000 m, 5000 m, Team, Massenstart) unwahrscheinlich.

Zuletzt hatte Pechstein immer wieder mit Rückenproblemen zu kämpfen. Ihre Stärken hat sie trotzdem. "Sie läuft irrsinnig gut Schlittschuh, und ihr Körper ist immer noch leistungsfähig. Claudia achtet sehr auf sich", sagte DESG-Sportdirektor Kulik.

Der Gedanke an den Wendepunkt vor zehn Jahren dürfte bei Pechstein zusätzliche Kräfte freisetzen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Claudia Pechstein

(lt/sid)
Mehr von RP ONLINE