Luis Suarez — der "Kannibale von Ajax" beißt wieder zu

Attacke gegen Chiellini : Der Beißer — Fifa prüft Sperre für Suarez

Nach der Attacke gegen seinen italienischen Gegenspieler Chiellini droht dem Uruguayer ein Ausschluss aus dem WM-Turnier. Sportpsychologen sind nicht überrascht von dem wiederholten Ausreißer des 27-Jährigen.

Es dauerte nicht lange, und im Internet kursierten die skurrilsten Fotomontagen von der widerlichsten Szene dieser WM. Der Uruguayer Luis Suarez wird mal dargestellt als der "Beißer" aus dem James-Bond-Streifen "Der Spion, der mich liebte", mal als der "Weiße Hai", mal als Hannibal Lecter. Spott ist eine Form der Auseinandersetzung. Ob dabei immer die besten Vergleiche gefunden werden, hängt stark von der Sichtweise ab. Vieles ist schrecklich überzeichnet, einiges einfach nur daneben. Alles ist aber ganz gewiss der Versuch, jene Ungeheuerlichkeit, als Angreifer Suarez in der 80. Minute seinen italienischen Gegenspieler Giorgio Chiellini in die Schulter gebissen hat, irgendwie greifbar zu machen. Die Squadra Azzurra ist durch die 0:1-Niederlage im letzten Gruppenspiel aus der Endrunde geflogen.

Im Fußball gibt es viele kleine und große Regelverletzungen. Die meisten Dinge werden vom Publikum toleriert. Selbst brutale Fouls, bei denen es eine Weile dauert, bis die Einzelteile des Gelenks wieder zusammengepuzzelt sind, werden, verbunden mit der dazugehörigen Empörung, als Teil der Show mit Murren akzeptiert. Eine Beiß-Attacke oder Anspucken eines Gegners sind ziemlich weit außerhalb unserer Normen.

Der "Kannibale von Ajax" ist Wiederholungstäter

Es gibt im Fall Suarez eine sportrechtliche Aufarbeitung. Der Weltverband Fifa ist derzeit eifrig darum bemüht, die Kontrolle in diesem von einer weltweiten Öffentlichkeit verfolgten Verfahren zu behalten. Die Anklage gegen den südamerikanischen Nationalspieler lautet ganz unaufgeregt auf "Unkorrektes Verhalten gegenüber einem Spieler". Diese recht verharmlosende Zusammenfassung der Geschehnisse könnte Suarez ziemlich lange aus dem Verkehr ziehen. Sehr wahrscheinlich ist sein Ausschluss aus diesem Turnier. Die englische Zeitung "The Sun" spekulierte darüber hinaus über eine zweijährige Sperre — für Länderspiele mit Uruguay. Der 27-Jährige ist ein Wiederholungstäter: Schon 2010 bei Ajax Amsterdam und 2013 beim FC Liverpool biss er einen Gegenspieler, bekam seinen Spitznamen "Kannibale von Ajax" und wurde jeweils lange gesperrt.

Es gibt im Fall Suarez zumindest auch den Versuch einer sportpsychologischen Aufarbeitung. "Spitzensportler befinden sich oft in einem Grenzbereich. Sie sind so fokussiert auf den Moment, dass bei ihnen etwas aussetzt", sagt Werner Mickler vom Psychologischen Institut der Deutschen Sporthochschule in Köln. "Das hier ist aber schon ein sehr spezieller Fall. Es ist ein Hilflosigkeitsverhalten. So etwas sieht man sonst nur bei Kleinkindern." Vieles hänge davon ab, bekundet der 61-Jährige, wo man aufgewachsen ist: "In Südamerika wird sehr körperbetont gespielt."

Der Düsseldorfer Sportpsychologe Jürgen Walter hat einen klaren Rat an Luis Suarez und dessen Umfeld: "Er gehört auf die Couch. Suarez ist komplett außer Kontrolle geraten. Das kann man nicht als Aussetzer entschuldigen, sondern muss nach den Ursachen suchen. Man muss sich ernsthafte Sorgen um ihn machen." Die Beißattacke sieht der renommierte Spezialist als Ventil, als untauglichen Versuch, sich gegen seinen Kontrahenten durchzusetzen. "Darum ist eine Betreuung von Athleten in dieser Liga unheimlich wichtig", sagt er. "Man muss versuchen, Emotionen zu kanalisieren, um Überreaktionen wie diese zu verhindern."

Wenigstens 167 Personen sind durch die Aktion von Suarez ein bisschen reicher geworden. Ein Anbieter offerierte eine Wette mit einer Quote von 175:1, dass der Uruguayer wieder zubeißt. Als höchsten Gewinn zahlte er 2400 Euro aus.

Hier geht es zur Infostrecke: Diese Fehltritte hat sich Luis Suarez schon geleistet

(RP)
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