Vor dem WM-Endspiel Traumfinale Messi gegen Mbappe – doch Frankreich ist verschnupft

Doha · Messi gegen Mbappe: Das Traumfinale der Weltmeisterschaft in Katar elektrisiert die Fußball-Welt – doch die Franzosen haben Probleme mit einer Erkältungswelle.

Trafen sich bereits bei der WM 2018 auf dem Platz: Lionel Messi (l.) und Kylian Mbappe geben sich nach dem Spiel die Hand.

Trafen sich bereits bei der WM 2018 auf dem Platz: Lionel Messi (l.) und Kylian Mbappe geben sich nach dem Spiel die Hand.

Foto: dpa/Cezaro De Luca

Ousmane Dembele bewies ungeahnte Qualitäten. „Ich habe ihnen eine Tasse Tee mit Ingwer und Honig gemacht“, berichtete der französische Außenstürmer, „damit sie sich ausruhen können.“ Ruhe ist gefragt beim Titelverteidiger kurz vor dem WM-Finale mit dem großen Duell zwischen Lionel Messi und Kylian Mbappe. Eine Erkältungswelle hat die Blauen in Katar zum ungünstigsten Zeitpunkt getroffen.

Der Münchner Kingsley Coman fehlte ebenso am Freitag beim Training wie Abwehrchef Raphael Varane und Ibrahima Konate, allesamt mit grippeähnlichen Symptomen. Zuvor waren bereits Dayot Upamecano und Adrien Rabiot erkrankt, sie standen im Halbfinale gegen Marokko (2:0) nicht zur Verfügung. „Sie hatten Kopfschmerzen“, berichtete Dembele, der sie daraufhin versorgte.

Die Behandlung des Ex-Dortmunders half zumindest bei Upamecano und Rabiot, beide sind inzwischen genesen. Doch wer am Sonntag (16 Uhr MEZ/ARD und MagentaTV) gegen Argentinien tatsächlich spielen kann, blieb zunächst ein Geheimnis. „Ich bin früh losgefahren, da haben sie noch geschlafen“, sagte Trainer Didier Deschamps in der Pressekonferenz am Samstag, „wir versuchen, ruhig und fokussiert zu bleiben.“ Beim Abschlusstraining waren dann alle dabei.

Frankreich ist nicht das erste Team, das bei der WM in der Wüste über Erkältungssymptome und die ständig laufenden Klimaanlagen in den Hotels, Bussen und Stadien klagt. Auch die Brasilianern, die Schweizer, die Niederländer und die US-Amerikaner haben aus diesem Grund Ausfälle während des Turniers hinnehmen müssen.

Damit rückte das mit Spannung erwartete Aufeinandertreffen von Messi und Mbappe im Traumfinale vor 88.966 Zuschauern in der goldenen „Badewanne“ von Lusail und rund 1,5 Milliarden Fernsehfans zumindest für Deschamps und die Franzosen ein wenig in den Hintergrund.

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Foto: AP/Luca Bruno

Doch die ganze Fußball-Welt ist elektrisiert. Vor allem aber die Argentinier, die schon seit Wochen die Souks und Strände in Doha und Umgebung bevölkern. Hunderte „Messis“ laufen durch die Straßen, das himmelblau-weiße Trikot mit der Nummer zehn ist der Verkaufsschlager dieser WM.

45.000 argentinische Fans werden ihren Superstar in dessen letztem WM-Spiel im Lusail-Stadion wieder lautstark unterstützen. Verteilt werden kleine Fahnen mit Messi-Foto und dem Spruch „Was guckst du?“, den der Kapitän nach dem Viertelfinale gegen die Niederlande Wout Weghorst in einem TV-Interview hinterher gerufen hatte. Und in Rosario, Messis Geburtsort, dort wo vor 210 Jahren zum ersten Mal Argentiniens heutige Nationalflagge gehisst wurde, weht ein gigantisches Messi-Trikot im Wind.

Alle Augen sind auf Messi und Mbappe gerichtet. Der pfeilschnelle französische Ein-Mann-TGV folgt laut der Kampagne seines Ausrüsters seiner „Bestimmung“, mit dem zweiten Triumph nach 2018 noch vor seinem 24. Geburtstag am Dienstag stünde er auf einer Stufe mit „König“ Pele. Messi hält dagegen: „Wir haben hier fünf Endspiele gewonnen“, sagte er eingedenk der kniffligen Lage nach der überraschenden Auftaktpleite gegen Saudi-Arabien, „hoffentlich gewinnen wir nun auch das letzte“.

Argentiniens Coach Lionel Scaloni versuchte, dem Vergleich Messi-Mbappe ein wenig die Brisanz zu nehmen: „Es wird die mannschaftliche Geschlossenheit entscheiden, nicht ein einzelner Spieler“, sagte der 44-Jährige auf der Pressekonferenz. „Wir können Geschichte schreiben, und wir sind in einer guten Verfassung.“

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Foto: AFP/ALFREDO ESTRELLA

Trotzdem: es ist der ultimative Showdown – und auch für den Gastgeber und Emir Tamim bin Hamad Al Thani am Nationalfeiertag ein Märchen wie aus Tausendundeine Nacht. Auch, weil beide Superstars bei Paris St. Germain mit Öl- und Gasmillionen bezahlt werden, steht der Gewinner für den Wüstenstaat schon fest: Katar!

„Ich bin stolz darauf, zwei Spieler dabei zu haben, die beiden besten Spieler der Welt, die das Finale in meinem Land spielen. Das ist das beste Szenario“, sagte Nasser Al Khelaifi, der katarische PSG-Chef, im Interview mit dem Radiosender RCM: „Wenn es nach mir ginge, würde ich den Titel beiden geben.“

Messi wird beim Duell mit seinem Kumpel Kylian, den er wegen der vermeintlichen Ähnlichkeit mit „Ninja Turtle“ Donatello liebevoll „Schildkröte“ nennt, vor Ort von seiner Familie unterstützt. Ehefrau Antonela sowie die Söhne Thiago, Mateo und Ciro wollen ihren „Leo“, den seine Kollegen statt „Floh“ inzwischen „Wiesel“ rufen, in den Fußstapfen der Ikonen Mario Kempes (1978) und Maradona (1986) sehen. Mbappe traf vor vier Jahren in Russland auf dem Weg zum Titel im Achtelfinale beim 4:3 doppelt.

(lonn/SID)
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