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100 Jahre Schwarz-Gelb: BVB — ein Klub schreibt Geschichte

100 Jahre Schwarz-Gelb : BVB — ein Klub schreibt Geschichte

Dortmund/Düsseldorf (RP). Borussia Dortmund feiert am Samstag ihr 100-jähriges Bestehen. Die größten Erfolge des Vereins sind zwei Siege im Europapokal. Als erstes deutsches Team gewann die Borussia den Pokal der Pokalsieger; vor zwölf Jahren gab es den Triumph in der Champions League.

In einem Monat werden die Grünen 30 Jahre alt. Den Rang der ältesten Protestbewegung des Landes bekleiden sie damit aber noch lange nicht. Denn den darf Borussia Dortmund für sich beanspruchen. Samstag vor 100 Jahren saßen 40 zornige junge Männer in der Gastwirtschaft "Zum Wildschütz" am Borsigplatz. Und sie probten den Aufstand gegen Kaplan Hubert Dewald. Der Geistliche hatte etwas gegen die bereits ziemlich populäre "Fußlümmelei", und er wollte seinen Schäfchen das Fußballspielen auf den Wiesen der Nordstadt verbieten. Unerhört, fanden die Liebhaber der Sportart. Immerhin 18 von ihnen gründeten am Abend einen eigenen Verein. Der Einfachheit halber nannten sie ihn nach der Biersorte, die im "Wildschütz" ausgeschenkt wurde, Borussia. Wie viel vom namensspendenden Gerstensaft anschließend geordert wurde, verschweigen die Chroniken.

Sie haben auch anderes zu erzählen. Beispielsweise von den ersten strengen Spielregeln, die sich der junge Klub gab. "Unerlaubtes Fehlen bei Wettspielen wird mit einer Reichsmark bestraft", heißt es da, und: "Den Anordnungen des Spielführers ist unbedingt Folge zu leisten." Derartigen Gehorsam wünschen sich die Nachfolger der Gründerväter des Ballspielvereins vergeblich. Dafür spielen sie anders als die Kollegen um die Jahrhundertwende nicht um Kreismeisterschaften, sondern um viel Geld in der Bundesliga. Und aus dem einstigen Protestverein ist im Laufe von 100 Jahren ein Klub von europäischer Geltung geworden.

Das allerdings dauerte. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Blüte der Borussia. Da gelang ihr 1947 im Finale um die Westfalenmeisterschaft eine echte Wachablösung. Sie bezwang in Herne das Team von Schalke 04 mit 3:2. Und ihre Fans vergaßen gern, dass der BVB in seinen frühen Tagen im blau-weiß gestreiften Trikot aufgelaufen war — in den Farben des großen Revier-Rivalen aus Gelsenkirchen. Erst 1913 war Dortmund ins zitronengelbe Gewand gewechselt.

In den 50ern schrieb der BVB deutsche Fußball-Geschichte. Er gewann die ersten beiden Meisterschaften, und er brachte das Kunststück fertig, die Endspiele gegen den Karlsruher SC 1956 (4:2) und den Hamburger SV 1957 (4:1) in derselben Aufstellung zu bestreiten. Bis zur Einführung der Bundesliga 1963, die das finale Entscheidungsspiel um den Titel überflüssig machte, gelang das keiner Mannschaft mehr.

Die Borussia war im Lande ganz oben, und sie schickte sich nun an, Europa zu erobern. 1966 holten die Dortmunder als erster deutscher Klub einen Europapokal. Im Finale des Wettbewerbs der Pokalsieger gewann der BVB in Glasgow mit 2:1 gegen den FC Liverpool. Unvergessen der Siegtreffer durch Reinhard "Stan" Libuda, dessen Bogenlampe aus 30 Meter Entfernung unter gütiger Mithilfe der Querlatte und eines britischen Abwehrspielers im Netz landete. Ein Moment für die Fußball-Ewigkeit, der in schütteren Schwarz-Weiß-Bildern in die Wohnzimmer flimmerte.

Die Stars sahen noch ein wenig nach dem Wunder von Bern aus. Ihre Namen jedoch kennt bis heute jeder Dortmunder: Libuda, Siggi Held, Wolfgang Paul, den alle nur "Stopper Paul" nannten, und Lothar Emmerich. Dem gelang ein paar Wochen später ein Jahrhunderttor, als er beim WM-Gruppenspiel gegen Spanien die Kugel von der Seitenauslinie ins Ziel beförderte. "Gib mich die Kirsche", soll er vorher gerufen haben.

Das ist aber nicht abschließend geklärt, es gehört zum Zeitalter der Fußballlegenden. Das ist vorbei, seit zig Kameras am Spielfeldrand und multimediale Nachbereitung jeder Spielsituation dem Fußball die Romantik nehmen. Große Erfolge bejubelten die Dortmunder trotzdem. Der größte war der 3:1-Finalsieg über Juventus Turin in der Champions League. Auf diesem Gipfel begann eine Phase hemmungsloser Verschwendungssucht, die den Klub bis an den Rand der Pleite brachte. Erst eine knallharte Sanierungskur, die der heutige Geschäftsführer Joachim Watzke dem Patienten BVB verordnete, rettete den Verein.

Mittlerweile ist er wieder in die Erfolgsspur eingebogen. Vor allem, weil er sich auf seine Fans verlassen kann. 25 000 stehen bei jedem Heimspiel auf der Südtribüne des Westfalenstadions. Nicht selten sind alle 80 000 Plätze in Deutschlands größter Fußball-Arena ausverkauft. Auch deshalb lässt Trainer Jürgen Klopp seine Spieler erst vom Trainingsplatz, wenn sie brav alle Autogrammwünsche erfüllt haben. Da hat einer erkannt, wo das Kapital des Vereins liegt. Das ist zeitgemäß und traditionsbewusst.

(RP)