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Borussia Mönchengladbach: Max Eberl hört auf - Nicht zu RB Leipzig

Abschied steht fest : Max Eberl hört auf bei Borussia Mönchengladbach

Seit 1999 war Max Eberl im Verein, seit 2008 leitete er als Manager die sportlichen Geschicke bei Borussia Mönchengladbach. Diese Ära geht nun zu Ende. Auf einer Pressekonferenz am Freitag wird Eberls Rücktritt verkündet.

Am 19. Oktober 2008 trat Max Eberl seinen Job als Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach an. Ende Januar geht sie im 14. Jahr zu Ende. Eberl und die Vereinsführung werden den Rücktritt des Manager nach Informationen unserer Redaktion auf einer Pressekonferenz am Freitag um 14 Uhr bestätigen. Eberl war 1999 als aktiver Fußballprofi nach Gladbach gewechselt, leitete nach dem Karriereende den Nachwuchsbereich und wurde schließlich zum Manager befördert.  

Am Donnerstag hatte es zunächst kein offizielles Statement gegeben. Dann wurde eine Pressekonferenz mit Eberl, Präsident Rolf Königs, seinem Stellvertreter Rainer Bonhof sowie Geschäftsführer Stephan Schippers angesetzt. Nach Informationen unserer Redaktion hat sich Eberl in einer tränenreichen Sitzung bereits von den Mitarbeitern Borussias und von der Mannschaft verabschiedet. Zunächst hatte es geheißen, er wolle bei einem anderen Klub einsteigen. „Sky“ meldet nun allerdings, dass an den Gerüchten um RB Leipzig nichts dran sei, weil die Stelle anderweitig besetzt werde. Zudem, so unsere Informationen, will Eberl erst einmal Abstand vom Fußball gewinnen, weil er ausgelaugt ist nach vielen Jahren in diesem Job.

Erst Ende 2020 hatte Eberl seinen Vertrag bis 2026 verlängert und direkt im Anschluss eine einmonatige Auszeit eingelegt, die er aufgrund des Party-Skandals um Breel Embolo vorzeitig abbrach. Kurz darauf kündigte Trainer Marco Rose seinen Wechsel zu Borussia Dortmund an, Eberl hielt an ihm fest, trotz großer Unruhe rund um den Verein und trotz einer Niederlagenserie, besonders die Fans forderten Roses Freistellung. Unter dem Trainer verpassten die Gladbacher auf Platz acht schließlich den Europapokal.

Auf Rose folgte Frankfurts Trainer Adi Hütter, der 7,5 Millionen Euro Ablöse kostete und nach 22 Punkten aus 20 Spielen bereits angezählt ist. Eine Trennung steht derzeit nach Informationen unserer Redaktion nicht zur Debatte. Borussia belegt nur Platz zwölf in der Bundesliga und scheiterte zuletzt kläglich an Zweitligist Hannover 96 im DFB-Pokal – womit Eberls Traum, „etwas Blechernes“ zu holen, erneut geplatzt ist.

 Einen Tag vor dem Achtelfinal-Aus hatte der 48-Jährige seinen für viele Tage letzten öffentlichen Auftritt. Auf der obligatorischen Pressekonferenz zeigte er sich ungewohnt wortkarg und sprach Trainer Hütter mit dem Vornamen „Dieter“ an (dessen Vor-Vorgänger hieß Dieter Hecking). In Hannover fehlte Eberl dann, er sei erkrankt, teilte der Verein mit. Auch bei der 1:2-Niederlage gegen Union Berlin war Eberl nicht im Stadion.

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Von Tag zu Tag hatten die Spekulationen um seine Zukunft zuletzt zugenommen. In Steffen Korell, dem Leiter der Scoutingabteilung, gäbe es einen möglichen Nachfolger aus dem eigenen Haus. Er könnte zumindest übergangsweise den Eberl-Job machen. Auch Dieter Hecking, jetzt Sportvorstand beim 1. FC Nürnberg, ist im Gespräch, genau wie Ex-Gladbach-Profi Martin Stranzl. Schalkes Rouven Schröder wurde in der Vergangenheit bereits gehandelt, genau wie Christoph Spycher, der mit Hütter in Bern den Meistertitel holte. Beim VfL Wolfsburg ist die Zukunft von Jörg Schmadtke noch ungeklärt, RB Salzburgs Sportdirektor Christoph Freund hat hingegen verlauten lassen, seinen Vertrag bis 2023 erfüllen zu wollen.

 Als Eberl vor mehr als 13 Jahren Nachfolger von Christian Ziege als Manager wurde, war Gladbach gerade wieder in die Bundesliga aufgestiegen, hatte nach wenigen Spieltagen aber bereits Trainer Jos Luhukay entlassen und steckte im Abstiegskampf. Dass es heute erneut um den Klassenerhalt geht, mag der Geschichte eine Klammer verleihen, lässt allerdings außen vor, in welchen Gefilden sich die Borussen auch wegen der Arbeit Eberls jahrelang bewegten – höher und länger, als die meisten Fans nach zwei Abstiegen und tristen 15 Jahren zu träumen gewagt hätten.

Zehnmal in Folge landete Gladbach unter den ersten neun Mannschaften in der Tabelle. „Auch wenn ihr es nicht mehr hören könnt“, sagte Eberl oft in Richtung Fans und Medien, aber die Einstelligkeit war geradezu heilig. Sechsmal erreichte Borussia seit der überstandenen Relegation 2011 den Europapokal, mischte sogar dreimal in der Champions League mit. Neben dem langjährigen Erfolgscoach Lucien Favre gilt Eberl als Architekt des Aufschwungs.

 Vor knapp drei Jahren ging er einen Schritt, der eingeordnet wurde als Sprung über den eigenen Schatten: Eberl, mit dem Ruf eines notorischen Trainer-Unterstützers ausgestattet, entließ Hecking trotz einer bevorstehenden Europacup-Qualifikation, um für die neue Saison Rose zu holen, der seinen RB-Pressing-Stil „on top“ setzen sollte auf die fußballerisch feinen Fohlen. Mit der Qualifikation für die Königsklasse durften sich alle bestätigt fühlen. Doch nicht nur der Ausbruch der Corona-Pandemie sorgte dafür, dass sich Borussias Arbeits- und Geschäftsmodell der erfolgreichen Neuzeit immer schwerer umsetzen ließ.  

Während es 2020 noch als großer Erfolg verbucht wurde, alle Top-Spieler gehalten zu haben, hätte der Verein Transfereinnahmen 2021 bitter nötig gehabt. Zudem war der Kader zunehmend gealtert, etliche Profis wirkten satt oder schienen allzu sehr mit Wechseln zu größeren Klubs zu liebäugeln. Hinzu kam Unruhe auf mehreren Ebenen, an einem Kapitel war Eberl selbst beteiligt: Teammanagerin Sedrina Schaller, seine neue Lebensgefährtin, fand keine Akzeptanz in der Mannschaft, kündigte kurz vor Weihnachten ihren Job.  

Überhaupt sollen die Unstimmigkeiten zwischen Eberl und der Vereinsführung in jüngster Zeit zugenommen haben. Die Nachricht, dass der Manager aufhört, sorgt nun für den großen Knall am Ende einer Ära.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Max Eberl