Borussia Mönchengladbach: Vorbildliche Fohlen in Hannover zu Gast

Borussia Mönchengladbach : Vorbildliche Fohlen zu Gast in Hannover

Die vergangenen fünf Jahre weisen manche Gemeinsamkeit zwischen Borussia Mönchengladbach und dem morgigen Gegner Hannover 96 auf. Aber vor allem wirtschaftlich ist der VfL zuletzt davongezogen. Der sportliche Respekt ist dennoch gegenseitig.

Julian Korb war in den vergangenen Tagen mit der U 21-Nationalmannschaft unterwegs. Mit dieser qualifizierte sich Borussias Rechtsverteidiger souverän für die kommende EM, und er lernte im Kreis der DFB-Talente ganz nebenbei etwas über seinen Verein. Der ist nämlich mittlerweile als Gegner ziemlich unbeliebt. "Da hieß es: 'Ihr habt schon eine gute Mannschaft, gegen euch spielt man nicht gerne'", erzählt Korb.

Spiele gegen Borussia bereiten den Gegnern inzwischen konstantes Kopfzerbrechen. In den bisherigen zwölf Pflichtspielen blieb Gladbach ungeschlagen, man kommt als Tabellendritter aus der Länderspielpause. So liest sich der aktuelle Stand einer Entwicklung, die die Gladbacher zu einem Top-Team haben werden lassen. Eine Entwicklung, die im Vergleich mit jener von Hannover in jüngerer Vergangenheit manche Gemeinsamkeit aufweist. Inzwischen aber ist Borussia im Eiltempo am morgigen Gegner vorbeigezogen.

Die Gemeinsamkeiten liegen auf der Hand: Beide Teams retteten sich in den vergangenen fünf Jahren einmal erst im letzten Spiel in Bochum vor dem Abstieg (Hannover 2009/10, Borussia im Jahr drauf), und beide qualifizierten sich in der Folge zweimal für die Europa League (Hannover 2010/11 und 2011/12, Gladbach 2011/12 und 2013/14).

Doch die vorige Saison war noch nicht lange zu Ende, da skizzierte Hannovers starker Präsident und Mäzen Martin Kind eben auch den verlorenen Anschluss an die Gladbacher, indem er Ist-Zustand und Ziele seines Klubs beschrieb. Hannovers Umsatz von 75 bis 78 Millionen Euro sei zu gering, sagte Kind. Um oben dabei sein zu können, müsse man auf "100 Millionen Euro plus X" kommen — sonst werde man dauerhaft um Platz acht bis zwölf spielen.

Wo man in Hannover also mahnt und warnt, dominieren in Gladbach zufriedene Gesichtszüge. Der Umsatz 2014 wird deutlich über 100 Millionen Euro liegen, vom Marktwert des Teams her distanziert Borussia die 96er inzwischen um 50 Millionen Euro, und in 2013/2014 verbuchte Gladbach im Schnitt 7000 Zuschauer mehr pro Heimspiel als Hannover. "Ich glaube generell, dass wir als Mannschaft auf einem sehr guten Weg sind", sagt Borussias Sportdirektor Max Eberl.

Dieser gute Weg macht für Gladbach inzwischen in den allermeisten Spielen die Rolle des Underdogs unmöglich (Eberl: "Man ist halt automatisch in mehr Spielen vermeintlich der Favorit"), und dieser Weg soll nun in Hannover seine Fortsetzung finden. Ohne Weltmeister Christoph Kramer, der mit einer Grippe ausfällt, dafür aber mit dem Selbstbewusstsein des guten Saisonstarts.

"Wir sind ungeschlagen und wollen das am Besten auch bleiben"

"Wenn wir jetzt kein Selbstbewusstsein haben, wann dann?", fragt Verteidiger Tony Jantschke rhetorisch. "Wir wissen, dass es am Samstag eine sehr, sehr schwere Aufgabe wird, aber wir sind ungeschlagen und wollen das am Besten auch bleiben."

Hannover hat seit Jahren den Ruf einer der besten Heimmannschaften der Liga, auch in dieser Saison blieben alle Punkte an der Leine. Deswegen ist der Respekt, den die Gegner Borussia entgegenbringen, dort längst nicht zur Einbahnstraße Richtung Überheblichkeit geworden. "Ja, wir sind schwer zu bespielen. Und es ist immer schön zu hören, dass man nicht gerne gegen uns spielt. Genauso ungern spielen wir aber auch in Hannover", sagt Eberl.

Dass das auch am Samstag so bleibt, dafür würde 96-Trainer Tayfun Korkut nur allzu gerne sorgen. "Mit einem Sieg können wir mit der Borussia gleichziehen. Das sollten wir als Ansporn sehen", sagte er. Auf Augenhöhe mit Gladbach zu sein, ist heute wieder eine Motivationsformel geworden. Weil die Borussen eben wieder Wer sind in der Liga.

(RP)
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