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"Hart aber Fair": Frank Plasberg droht zweimal, die Sendung abzubrechen

"Hart aber Fair" zum Islam : Plasberg droht zweimal, die Sendung abzubrechen

Wenn ARD-Moderator Frank Plasberg in der Sendung "Hart aber Fair" kritisch fragt, sind hitzige Diskussionen die Regel. Doch wenn das Thema lautet "Deutschland und der Islam — wie passt das zusammen?", dann darf er sich nicht wundern, wenn die Diskussion beinahe ausartet.

Die Stichworte IS und Salafisten aber auch Kreuzzüge und Hexenverbrennung fallen mehrfach, stacheln die Teilnehmer auf und nach nur 21 Minuten drohte Plasberg an, die Sendung abzubrechen. Und das schon zum bereits zweiten Mal am frühen Abend.

Die fünf geladenen Gäste haben bis dahin nicht einmal im Ansatz ihren Standpunkt zu Wort bringen können. Nur schwerlich näherten sich die vier Vertreter der beiden Weltreligionen in der 75-minütigen Sendung an, zeigten aber auch auf, wie groß die Schere selbst bei Gelehrten ist.

Sie sprachen auffällig häufig von "euch Muslimen" oder "ihr Christen". Erst als es zum Schlusswort kam, näherten sich die Parteien an, und einigten sich darauf, dass nur der gegenseitige Respekt und ein gemeinsamer Dialog Hass besänftigen und Angst abbauen kann. Bis dahin flogen die Fetzen und Plasberg konnte zum Ende von einer "hoch lebendigen, emotionalen und spannenden Sendung" sprechen.

Die erste Androhung, die Sendung zu beenden, kam schon in der zweiten Sendeminute, nachdem Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, den Medien die Schuld für das schlechte Bild der Muslime anheftete. Nach einer Meinungsumfrage mit der er konfrontiert wurde, hätten immerhin 42 Prozent aller Deutschen Angst vor dem Islam.

"Ich bin einfach baff, welche Propaganda hier betrieben wird", sagte Mazyek. Die Berichterstattung über Isis oder Salafisten würden ein schlechtes Bild auf den gesamten Islam werfen, kritisierte er. Die Frage nach der Angst sei einfach peinlich, weil man sie seit 14 Jahren — seit den Anschlägen am 11. September 2001 — immer wieder stelle. Plasberg konnte ihn nur mühselig bremsen und entzog ihm zunächst freundlich aber bestimmt das Rederecht.

Kelle fordert Unterwerfung vor dem Gesetz

Für Publizistin Birgit Kelle ist die Frage nach der Angst nämlich alles anderes als peinlich. Sie will, dass sich Muslime der deutschen Gesetzgebung "unterwerfen". Plasberg fragt: "Sie meinen wirklich unterwerfen, Frau Kelle?" — "Ja, das meine ich. Alle Religionen müssen sich dem Gesetz unterwerfen." Und von Hunderten Jugendlichen, die sich Isis in Syrien angeschlossen hatten, seien bereits 150 wieder zurück nach Deutschland gekommen, die man nicht überwachen kann. Natürlich machen sich Deutsche sorgen", sagt sie.

Diese Aussage erzürnte Özlem Nas, Vorstandsmitglied des Rats der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg und Schura-Beauftragte. Sie pochte darauf, das Millionen von Muslimen den Salafismus auch verabscheuen. Die ewige Sündenbock-Diskussion, dass der Islam Angst verbreite, sei ihr zu leicht. "Die Frage: ,Passt eine bestimmte Gruppe von Menschen in das Land, haben sich viele Herrscher gestellt, deswegen gab und gibt es Kriege'." Man müsse zu einem Wir-Begriff kommen, war der erste zielgerichtete Ansatz, eine Antwort auf die Eingangsfrage zu finden.

Kein Humor mit Lisa Fitz

Als Kabarettisitn Lisa Fitz nach Minuten des Schweigens an der Talksendung teilnahm, konnte der Zuschauer zumindest kurz aufatmen, war doch zu erwarten, dass sie mit etwas Humor die Runde auflockert. Doch kam es anders: Sie betete unverhohlen tausendfach gehörte platte Attitüden herunter. "Im Koran ist verankert, dass Muslime keine Freundschaft mit Andersgläubigen schließen dürften. Und Ehebruch wird mit Tod bestraft", zitiert sie. Merkt aber im Satz davor an, dass Christen keinen Grund hätten, die Nase hochzuhalten und beruft sich auf Gräueltaten der katholischen Kirche im Mittelalter. "Ein Terrorist muss noch lange daran stricken, dass er die Kirche einholt". Und die USA baue stetig den Muslim als Feind auf.

Sie gibt sich Mühe, ernsthaft an der Diskussion teilnehmen, schießt sich aber kurz darauf selber ins Abseits. Den Koran, so gibt sie zu, habe sie am Vorabend immerhin bis drei Uhr in der Nacht gelesen. Aiman Mazyek schüttelt ungläubig den Kopf und merkt an: Fitz habe rein zufällig aus den 6400 Versen des Koran genau diese beiden zitiert.

"Muss man Angst haben"

Die Diskussion nahm schnell wieder Fahrt auf, als Wolfgang Huber, der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, auf das Bild der Frau im Koran zu sprechen kam. Am Montag sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan auf einer Konferenz über Frauen und Recht in Istanbul: "Sie können eine Frau nicht in die gleiche Position wie einen Mann bringen. Das widerspricht der Natur." Dieser Satz schlug Wellen in der Bundesrepublik.

Den Zuschauer verwunderte es im Anschluss, dass Özlem Nas Frank Plasberg die Antwort zur Frage verweigerte, wie das Frauenbild im Koran denn nun tatsächlich geschildert sei. Ein kurzer Satz hätte wohl ausgereicht, um Feuer aus der Diskussion zu nehmen. Doch Nas riet beleidigt allen Interessierten sich doch persönlich beraten zulassen. Die Antwort sei zu komplex, um sie in einem Satz zu geben.

Aiman Mazyek empfand die Frage nach Erdogan sogar frech: "Ich spreche hier für die Gemeinde in Deutschland, nicht über Erdogan und die Türkei. Meine Kanzlerin ist Angela Merkel", sagte er mit lauter Stimme. Plasberg drohte nun zum zweiten Mal, die Runde zu beenden und versuchte die Wogen zu glätten. Allerdings muss er sich hier selbst die Frage stellen, ob er nicht zuvor bei der Fragestellung mehr Feingefühl, hätte zeigen können.

In Anschluss beruhigten sich tatsächlich die Gemüter. Das Wortgefecht fand ein Ende. Die Antworten wurden kürzer, die Sendung plätscherte gemächlich dahin. Frank Plasberg beendete die Sendung mit der Überleitung zu den Tagesthemen: Das Thema: Uran-Anreicherung im Iran. Muss man Angst haben?