Duisburg: Ein Christ führt in Duisburg durch die Moschee

Duisburg : Ein Christ führt in Duisburg durch die Moschee

Günther Holtmeyer ist evangelisch - und erklärt Besuchern der Merkez-Moschee den Islam.

Günther Holtmeyers Stimme wird leiser. "Wir müssen jetzt die Schuhe ausziehen", sagt er. Dann öffnet sich die Tür zum imposanten Gebetsraum. "Da die Muslime beim Beten ihr Gesicht auch auf den Boden legen, wollen sie keinen Straßendreck abbekommen. Deshalb wird das Schuhwerk ausgezogen." Mit solchen Informationen gewinnt er die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer. Holtmeyer führt nicht nur Christen, sondern auch Muslime durch die Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh. Der christliche Ehrenamtler sieht sich als Vermittler im interreligiösen Dialog.

In der Ditib-Begegnungsstätte, die in der Merkez-Moschee beherbergt ist, arbeitet Holtmeyer seit sechs Jahren. In diesem Zeitraum begleitete er knapp 250 000 Besucher durch das islamische Gotteshaus. Das verstärkte Interesse des Wahl-Oberhauseners am interreligiösen und interkulturellen Austausch begann mit dem Ende seiner Berufszeit 2002. Damals engagierte er sich auch in der kommunalen Politik. "Ich wollte mich für die Bedürfnisse von Migranten einsetzen." Durch seinen Einsatz wurde der 77-Jährige 2004 auf das Konzept des Baus der Merkez-Moschee samt Begegnungsstätte in Duisburg-Marxloh aufmerksam. Er trat der Türkisch Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib) bei und erlebte den Bau des Millionenprojektes von Beginn an. Die Moschee mit Platz für über 1150 Gläubige - nach Mannheim und Köln die drittgrößte in Deutschland - kennt Holtmeyer nun wie seine Westentasche.

Um mitreden zu können, die "anderen" besser zu verstehen, begann er vor zehn Jahren sein Selbststudium. "Ich kaufte mir den Koran, las auch viel Sekundärliteratur", sagt Holtmeyer, "für mich war es faszinierend, welch tiefreichende Verbindungen zwischen dem Islam, dem Christentum und dem Judentum existieren." Seine Islam-Bibliothek ist auf 50 Bücher angewachsen.

Rund 50 Gläubige sind auch an diesem Mittag in die Merkez-Moschee gekommen, um in Richtung Mekka zu beten. Eine Frau ist auch dabei. Allerdings betet sie nicht mit den muslimischen Männern zusammen, sondern auf einer Empore nur für Frauen. "Das hat historische Gründe und stammt wie viele andere Traditionen im Islam aus dem Judentum", sagt Holtmeyer.

Eine Besuchergruppe aus Nettetal ist ebenfalls zu Gast und verfolgt den Gottesdienst. Die Rentnergruppe hat viele Fragen über die Moschee, die Begegnungsstätte und die Rolle der Frau im Islam. Holtmeyer beantwortet sie geduldig. Dass es eine große Ausnahme ist, dass er als christlicher Gläubiger Besucher über die Moschee und den Islam aufklären darf, dessen ist sich Holtmeyer bewusst. "Eine Besucherin meinte kürzlich zu mir: 'Sie haben den schönsten Beruf der Welt. Sie dürfen vermitteln.' - und das stimmt", sagt Holtmeyer.

Jeden Montag, 15 Uhr, findet für Privatpersonen eine kostenlose Führung durch die Moschee statt. Gruppen sollten sich anmelden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist die Merkez-Moschee in Duisburg

(RP)
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