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Kolumne „Gesellschaftskunde“: Vom Stolz der Nebenfiguren

Kolumne „Gesellschaftskunde“ : Vom Stolz der Nebenfiguren

Kleine Rollen sind unbeliebt, nicht nur am Theater. Dabei ist das eine Perspektiv-Frage.

Als das Düsseldorfer Schauspielhaus vor Kurzem 50 Jahre alt geworden ist, taten sich drei Schauspieler für eine improvisierte Vorführung zusammen. „Die Rache der Nebenfiguren“ hieß das Stück. Es ging darin um ihr Dasein als Nummer Zwei, als Nebendarsteller mit Ein-Satz-Auftritten, die beim Applaus die Gasse bilden für die richtigen Stars. Das war bissig, vergnüglich, überzeichnet, zumal die Drei schon anspruchsvolle Rollen hatten. Das Phänomen der Nebenfigur aber gab ihnen Anlass zu hübschen Jammertiraden und herrlichen Schüben von Selbstmitleid.

 Dabei hält das Leben in Wirklichkeit hauptsächlich Nebenrollen bereit. Die meisten Menschen arbeiten im Job an größeren Projekten, geben ihre Energie für etwas, das am Ende nicht allein ihren Namen trägt. Und auch in der Familie oder in Vereinen halten jene alles zusammen, die sich auch im toten Winkel der Anerkennung bemühen.

Anstrengend wird das, wenn man heimlich auf Lob hofft, das jedoch ausbleibt. Dann beginnt das Hadern und man rutscht in eine Aufopferungshaltung, die müde macht. Einen selbst und auch das Umfeld. Wenn es auch verständlich ist, dass Menschen ihre Mühe leidwerden, wenn immer nur andere das Lob absahnen.

Das Leben als Nebenfigur wird erträglich, wenn man sich auf den Sinn seines Tuns konzentriert. Also nicht auf das Lob von außen wartet, sondern sein Handeln nach eigenen Maßstäben wertschätzt. Doch kommt kein Mensch ohne Anerkennung aus – und zwar ehrlich gemeintes. Lobhudeleien machen die Demütigung von Menschen nur schlimmer.

Die meisten Menschen sind Nebenfiguren – doch ist das zum Glück eben eine Frage der Perspektive. Wer genau hinsieht und wenig für stelbstverständlich hält, ist umgeben von Stars.

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