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Kiew: Einwöchige Waffenruhe in der Ost-Ukraine

Kiew : Einwöchige Waffenruhe in der Ost-Ukraine

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat eine einseitige Waffenruhe von einer Woche für die umkämpfte Ost-Ukraine erklärt. Der seit Langem angekündigte Schritt solle den Weg für einen Friedensplan freimachen, teilte das Innenministerium in Kiew mit. Das entsprechende Dekret wurde am Abend veröffentlicht.

Die Feuerpause diene dazu, "dass die Terroristen ihre Waffen niederlegen können", teilte das Ministerium mit. "Diejenigen, die das nicht tun, werden vernichtet." Die Streitkräfte würden demnach Waffen nur noch zur Verteidigung einsetzen und nicht mehr aktiv gegen die Separatisten vorgehen. Zudem habe Poroschenko angekündigt, zerstörte Wohnhäuser auf Staatskosten wieder aufzubauen.

Die prorussischen Kräfte teilten mit, dass sie den Ankündigungen Poroschenkos nicht glaubten. "Wir haben schon hundertmal von einer Waffenruhe seitens der Nationalgarde und der ukrainischen Armee gehört. Aber die Militäroperationen hören keine Minute auf", sagte der Donezker Separatistenanführer Andrej Purgin. Beenden könne das Feuer nur der Oligarch Igor Kolomojski, der als Gouverneur von Dnjepropetrowsk eigene regierungstreue Truppen finanziere. "Niemand wird die Waffen niederlegen", sagte auch der Anführer Miroslaw Rudenko.

Russland kritisierte den Friedensplan ebenfalls. Die einwöchige Waffenruhe in der Ost-Ukraine sei kein Schritt hin zu einem Friedensprozess, sondern lediglich eine Aufforderung an die "Volkswehr" zur Kapitulation, teilte der Kreml mit. Es fehle das "zentrale Element", nämlich ein Angebot zum Dialog.

Bei dem Konflikt in der Ost-Ukraine sind seit dem Ausbruch der Kämpfe im April Hunderte Menschen ums Leben gekommen. Von der Propaganda des Moskauer Staatsfernsehens aufgehetzte Freiwillige reisen in die Region, um gegen die von Kiew eingesetzten Truppen zu kämpfen. Viele glauben an eine gute Tat. Zurückkehren würden viele Russen in Särgen als anonymes Frachtgut in Lastwagen, berichtet die kremlkritische Zeitung "Nowaja Gaseta". Niemand in Russland erinnere öffentlich an die vielen Todesopfer des Krieges.

(RP)